Nach 45 äußerst langweiligen Minuten entwickelte sich das Spiel zum Thriller. Aus der Kabine kehrte die Hannoveraner Elf zwar personell unverändert zurück, sie agierten jedoch fortan konzentrierter und spielten genauere Pässe. So konnten sie in der 48. Minute erstmals die höhere Rolle der Gladbacher Sechser ausnutzen, Jan Schlaudraff spazierte ungestört durch das Zentrum nach einer Ablage durch Mame Diouf. Er schlenzte den Ball in den Kasten.
Hannover wusste, wie anfällig die Gladbacher nach eigenen Rückständen sind. Dies bewiesen sie unter anderem in den vergangenen Partien gegen Dortmund und Bremen. Anstatt sich zurückzuziehen und auf Konter zu lauern, drängten sie mit frühem Pressing und schnellem Passspiel auf das 2:0. Didier Ya Konan, Szabolcs Huszti und Schlaudraff tauschten immer wieder ihre Positionen. Das verwirrte die Gladbacher Defensive ebenso wie die clevere Freistoßvariante, mit der Diouf das zweite Hannoveraner Tor des Tages erzielte (77.). Es hat sich gelohnt, dass die Hannoveraner unter der Woche Freistoßvarianten einstudiert haben – Gladbach schenkte ihnen in dieser Phase des Spiels viele Freistöße.
Die Rückkehr der Favre-Elf
Die Gäste brauchten ein paar Minuten, um sich zu sammeln. Favre hielt weiterhin an seinem 4-4-2-System fest und brachte mit Mike Hanke und Peniel Mlapa zwei bewegliche Stürmer. Der Knackpunkt an der eigenen Aufholjagd waren aber zwei andere Faktoren: Zum einen gewannen sie auf der linken Flanke ein klares Übergewicht. In dieser Phase war die Hannoveraner Flexibilität ein Problem, da hier wechselnde Spieler verteidigten – mal Huszti, mal Schlaudraff, mal Ya Konan. Da die Hannoveraner diese Flanke zu oft unbewacht ließen, nutzten die Gladbacher sie für ihre Vorstöße. Vor dem 0:1 kam Arango frei zum Schuss (53.). Vor dem Freistoß zum 2:2 war es Ya Konan, der zu hoch stand und zum Foul greifen musste (77.). Beim 2:3 foulte Eggimann einen Hannover Angreifer, da Rechtsverteidiger Sakai die Lücke vor sich schließen musste und nicht nah genug an seinem Gegenspieler stand (79.).
Das zweite Problem der 96er war die mäßige Verteidigung innerhalb des eigenen Sechzehners. Sowohl beim 1:2 als auch beim 2:2 waren die Torschützen jeweils ungedeckt, nachdem Arango einen Torschuss bzw. einen Freistoß von der halblinken Seite hereinbrachte. In beiden Situationen griff die Manndeckung nicht, wodurch die Gladbacher frei zum Schuss kamen. Hannover konnte sich nicht mehr von dem psychologischen Schlag erholen, es blieb beim 2:3.
In einer verrückten zweiten Hälfte drehen die tot geglaubten Gladbacher das Spiel. Der Mann des Spiels war eindeutig Juan Arango, der aus fünf Torschüssen und fünf Torschussvorlagen ein Tor und zwei Assists machte. Er führte sein Team zu einer unmöglich geglaubten Aufholjagd. Die über einjährige Heimserie der Niedersachsen begann nach einer Niederlage gegen Gladbach – und endet mit einer Niederlage gegen Gladbach.