Am Bundesliga-Samstag strauchelten der BVB und Schalke, die Bayern stürmen mit einem Sieg gegen Augsburg davon – dem Meisterrennen droht schon nach 16 Spieltagen die Langeweile. Die große Hoffnung galt am Bundesliga-Sonntag den Leverkusenern, die sich klammheimlich auf Rang zwei vorgearbeitet haben. In Hannover setzte die erfolgreiche Doppelspitze Sascha Lewandowski und Sami Hyypiä auf das bewährte 4-3-3-System. Ihr Gegner auf der Trainerbank, Mirko Slomka, setzte auf ein 4-4-2-System.
Die Operation »Ein wenig Spannung für den Meisterkampf« begann vielversprechend: Bereits nach zwei Minuten entblößten Andre Schürrle, Lars Bender und Gonzalo Castro die noch im Tiefschlaf befindliche Hannoveraner Viererkette. Dieses frühe Gegentor sollte den folgenden Spielverlauf bestimmen. Die Leverkusener konnten abwartend agieren und auf Konter lauern. Sie formierten sich fortan in einem 4-1-4-1-System, Schürrle und Castro arbeiteten auf dem Flügel viel mit nach hinten. Leverkusen stand damit sehr eng und kompakt. Sie konnten die defensiven Stärken ihrer drei Sechser bestens ausspielen und das Zentrum schließen.
Die Hausherren taten sich gegen die gut sortierten Leverkusenern schwer. Im Mittelfeld bekamen sie kein Bein auf die Erde. Sergio da Silva Pinto musste das Spiel aus der eigenen Hälfte aufbauen und immer wieder auf lange Bälle setzen. Allerdings verteidigten die Leverkusener diese stark, statistisch gesehen gewannen sie über 60 Prozent der Luftduelle. Angriffe über die Flügel waren für die Hannoveraner auch keine Option, da die Leverkusener Außenspieler gewissenhaft nach hinten arbeiteten und keine Lücken ließen. Hannover kam nicht vor das gegnerische Tor; Schürrle alleine konnte bis zur Pause doppelt so viele Torschüsse verbuchen wie die ganze Hannoveraner Mannschaft (4:2).
96 brauchte Tugend und Glück, um ins Spiel zurückzukehren: Die Tugend kam in Form von Didier Ya Konan, der am gegnerischen Sechszehner einen Ball im Pressing nachjagte und zu Szabolcs Huszti lenkte. Das Glück kam in Form von Manuel Friedrich, der Huszti von den Beinen holte. Huszti versenkte den Elfmeter (20.).
Leverkusen erst zu passiv, dann zu stürmisch
In der Folge agierten beide Teams äußerst risikoarm. Die Leverkusener Außenverteidiger hielten sich weitestgehend zurück, wodurch Bender und Simon Rolfes die Anspielstationen in der gegnerischen Hälfte fehlten. Bei Hannover rückte Schmiedebach nicht wie gewohnt auf, so dass meistens nur drei oder vier Hannoveraner vor dem Ball waren. Beide Teams konzentrierten sich hauptsächlich darauf, schnell hinter den Ball zu kommen und keine Konter zuzulassen.
In der Pause wiesen Lewandowski und Hyypiä ihr Team offensichtlich an, mehr zu riskieren. Die Leverkusener setzten nun auf ihr bewährtes Offensivspiel mit den weit aufrückenden Außenverteidigern. Stefan Reinartz agierte im Spielaufbau tiefer, damit sich Daniel Carvajal und Hajime Hosogai nach vorne einschalten konnten. Das Spiel der Leverkusener verfügte hierdurch über mehr Breite. Hannovers Viererketten mussten entweder die Flügel entblößen oder ebenfalls breiter verteidigen. Letzteres öffnete Räume im Zentrum, in welche die nach innen ziehenden Schürrle und Castro reinstoßen konnten.
Allerdings öffnete die höhere Position der Außenverteidiger Räume für Hannoveraner Konter. Besonders Jan Schlaudraff profitierte hiervon: Gelang ihm vor der Pause keine Aktion, war er nach dem Wiederanpfiff auf dem rechten Flügel immer wieder frei. Binnen zwei Minuten kamen diese Vor- und Nachteile der Leverkusener Offensive zum Vorschein: Zunächst legte Schlaudraff das 2:1 auf (57.), ehe Leverkusen durch Stefan Kießling nach einer Flanke vom rechten Flügel zum Ausgleich kam (58.).
Auch nach dem 2:2 spielte Leverkusen munter nach vorne. Sie bissen sich allerdings an der tiefer stehenden Defensive der Hausherren fest, die wiederum selber Nadelstiche per Konter oder hohem Pressing setzten konnte. So waren es auch die Hannoveraner, die wieder in Führung gingen. Wie beim 1:1 gewannen sie früh einen Ball, Reinartz fällte daraufhin Huszti, der den fälligen Elfmeter verwandelte (69.).
Leverkusen warf alles nach vorne. Lewandowski brachte Jens Hegeler (71. für Rolfes) und Junior Fernandes (82. für Sidney Sam, der sich nach seiner Einwechslung verletzte). Zeitweise standen so vier Angreifer auf dem Feld. Leverkusen fehlte nun das Mittelfeld, vor allem in den letzten Minuten schlugen sie langen Ball um langen Ball nach vorne. Hannover verteidigte diese jedoch stark und konnte mit einigen guten Kontern die besseren Chancen in der Schlussphase verbuchen. Es blieb beim 2:3.
Als Taktikanalyst mag man den Leverkusenern vorwerfen, dass sie in der ersten Halbzeit zu passiv und in der zweiten zu stürmisch agierten. Andererseits hätten sie dieses Spiel gewinnen können, wenn nicht zwei katastrophale Fehler im Spielaufbau zu Elfmetern geführt hätten. Der große Gewinner des Spieltages ist damit der FC Bayern München, der nunmehr elf Punkte Vorsprung hat.