Spielanalyse: Frankfurt-HSV

Zwo, Eins, Risiko

Es sollte die große Van-der-Vaart Show werden. Den Frankfurtern hatte jedoch niemand Bescheid gesagt – sie dominierten die Partie und gewannen mit 3:2. Die Analyse.

Armin Veh lässt so spielen, wie Thorsten Fink es vergangene Saison gerne getan hätte. Sein Team hält den Ball in der eigenen Hälfte, um dann zu blitzschnellen Ein-Kontakt-Kombinationen anzusetzen. Dabei geht das Team ein hohes Risiko ein: Im Spielaufbau lässt sich ein Mittelfeldspieler fallen (abkippender Sechser), so dass eine Dreierkette entsteht. Die Außenverteidiger sowie der zweite Sechser rücken weit auf, Frankfurt hat dadurch sieben Mann vor dem Ball. Dies schafft viele Anspielstationen, sorgt aber auch für hohe Kontergefahr bei Fehlpässen oder verlorenen Zweikämpfen.

Diese Sorge war jedoch unbegründet, denn von Beginn an dominierten die Hessen das Spiel und die Hamburger setzten die Frankfurter Verteidiger kaum unter Druck. Artjoms Rudnevs und Rafael van der Vaart bildeten zwar auf dem Papier die vorderste Pressinglinie, allerdings gingen sie nicht aktiv gegen den Ballführenden vor. Dies wäre noch zu verschmerzen gewesen, wenn das Mittelfeld dahinter aktiv aufgerückt und den abkippenden Sechser aufgenommen hätte – das war aber selten der Fall. Sebastian Rode konnte daher aus der eigenen Hälfte heraus ungestört zu Pässen ansetzen. Mit 77 Pässen, von denen 90 Prozent ankamen, drückte er dem Spiel seinen Stempel auf.

In der Folge dirigierte Sebastian Rode das Spiel seiner Mannschaft in Richtung Linksaußen, wo der umtriebige Bastian Oczipka den Flügel beackerte. Oczipka drückte Heung-min Son immer wieder in die Defensive, der jedoch mit dieser Aufgabe überfordert war und nur ein Drittel seiner Zweikämpfe gewinnen konnte. Der Südkoreaner bekam keine Hilfe von seinen Teamkollegen, weder die Sechser noch der Rechtsverteidiger Bruma rückten ein. Die Abstände zwischen Heung-min Son und Jeffrey Bruma stimmten zudem nicht, so dass zwischen beiden oftmals große Lücken entstanden. Oczipka konnte in dieser Zone immer wieder Takashi Inui freispielen, der von der linken Flanke ungestört nach innen zog; auf diese Weise erzielte der Japaner auch das 1:0 (13.).

Hamburger SV besetzt die Räume schlecht

Als kurze Zeit später das 2:0 durch Olivier Occean nach einer Ecke fiel (18.), sah alles nach einem gebrauchten Tag für die Hamburger aus. In der ersten halben Stunde hatten sie nur ein Drittel der Zweikämpfe gewonnen, Frankfurt verzeichnete über 70 Prozent Ballbesitz. Die Hansestädter liefen nur hinterher und konnten mit dem wenigen Ballbesitz, den sie hatten, nichts anfangen.

Dabei lieferten die Frankfurter eigentlich eine Steilvorlage, indem sie auch nach dem 2:0 ohne Rücksicht auf gegnerische Konter nach vorne stürmten. Mit ihrer Dreierkette im eigenen Spielaufbau ließen sie besonders zwei Zonen offen, in die Hamburg hätte stoßen können: Sie hätten entweder den freien Raum im zentralen Mittelfeld besetzen können, oder über die Außen kontern können. Die Hamburger kamen in beide Räume nicht hinein, da van der Vaart sich auf der Zehn kaum anbot und die beiden Außenstürmer zu oft nach innen zogen.

Erst als sich van der Vaart vermehrt in die eigene Hälfte fallen ließ, bekam das Hamburger Angriffsspiel eine bessere Struktur. Im Gegenzug zu der tieferen Rolle van der Vaarts rückten Petr Jiracek und Milan Badelj nun weiter auf. Sie besetzten den Zehnerraum wesentlich effektiver und waren an zwei großen Konterchancen beteiligt. Auch van der Vaart wurde in der tieferen Rolle nun stärker, er schlug die Ecke zum Anschlusstreffer (45.), und auch jene Aktion, die zur Ecke führte, leitete er ein. Zwar dominierten die Frankfurter weiterhin das Geschehen und waren die spielstärkere Mannschaft, die Hamburger kamen aber nun wenigstens zu Kontern.

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