Spielabbruch in Bezirksliga – was geschah wirklich?

Amateure

Totenkreuze, Pyro-Skandal, Spielabbruch – ein Amateurspiel sorgt in dieser Woche für Schlagzeilen. Was geschah wirklich?

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»Gewaltausbruch: Hooligans sabotieren Amateurspiel« (Hamburger Abendblatt)

»Pyro-Abbruch in der 7. Liga« (bild.de)

»Pyro-Wahnsinn! Spielabbruch in der 7. Liga! Vier Polizisten verletzt« (Express)

Irgendetwas muss sehr falsch gelaufen sein während des Bezirksliga-Spiels zwischen dem TSV Elstorf und TuS Celle FC am vergangenen Samstag. Zur Halbzeit wurde die Partie abgebrochen. Als Grund nannten verschiedene Medien Ausschreitungen von »35 gewaltbereiten und zum Teil stark alkoholisierten Anhängern des TuS Celle FC« (Hamburger Abendblatt). Die »Krawallos aus Celle« (bild.de), »stark angetrunkene Hooligans« (Express), »schafften es, ein Bezirksliga-Spiel komplett zu versauen« (Express).

»Schlagring ist eingepackt«

Einen Tag später veröffentlichten die Celler einen Kommentar auf Facebook. »Der Vorstand und die Fans des TuS Celle FC verurteilen die Ereignisse am vergangenen Wochenende und distanzieren sich von den Chaoten die den Fußball für Ihre eigene Selbstdarstellung missbrauchen!« Was einen User zu dem Kommentar verleitete: »Vielleicht sollte man mal einen Bus anmieten und zu den 30 Krawallmachern fahren und denen mächtig die Hackfressen polieren. Schlagring ist eingepackt.«

Wie gesagt, irgendetwas muss wirklich sehr falsch gelaufen sein bei diesem Spiel in der siebten Liga.

Was allerdings genau passiert ist, ist unklar. Die Meinungen der Beteiligten aus Celle und Elstorf gehen stark auseinander, die Details sind zum Teil abenteuerlich, die Vorwürfe von beiden Seiten extrem. Und die Berichterstattung? Einseitig, dem sensiblen Thema und den besonderen Vorkommnissen ungenügend.

Was ist übrig von der Celler Ultraszene?

Wie jede gute Geschichte hat auch diese eine Vorgeschichte. Die beginnt schon mit der Historie beider Klubs. Der kleine TSV Elstorf ist im Sommer in die Bezirksliga aufgestiegen, höherklassig hat der Klub nie gespielt. Der TuS FC, eigentlich fußballerisches Aushängeschild der 70.000-Einwohner-Stadt nördlich von Hannover, spielte Ende der neunziger Jahre noch in der Regionalliga Nord, stieg in der vergangenen Saison allerdings in die Bezirksliga ab.

Die Celler verfügten jahrelang über eine kleine, aber recht aktive Fan- und Ultraszene, die Ultras, 1999 gegründet, sind aktuell allerdings nicht wirklich mehr existent. Selbst bei Heimspielen verlieren sich nach Aussagen von Klubsprecher Mathias Nolden, bis 2015 selbst bei den Ultras aktiv, nur noch zehn bis zwölf aktive Fans im heimischen Stadion. Die Celler Ultras haben in Niedersachsen keinen guten Ruf, weil Mitglieder der Szene immer mal wieder an Auseinandersetzungen mit anderen Fangruppen und Vereinen beteiligt waren.

»30, 40 Dorfproleten« aus Elstorf

Schon im Hinspiel der beiden Mannschaften wurde es schmutzig. Auch der TSV Elstorf brachte Anhänger mit, als der Aufsteiger am zweiten Spieltag nach Celle reisten. Zum ersten Auswärtsspiel in der Bezirksliga mietete der Klub einen Reisebus. Und mit diesem Spiel, ausgetragen am 13. August, geht es los, das verwirrende Wechselspiel der unterschiedlichen Informationen.

»30, 40 Dorfproleten«, wie es Celles Klubsprecher Nolden formuliert, hätten sich bei diesem Spiel bewusst provokant auf die Tribüne gestellt, die eigentlich den Heimfans vorenthalten ist. Während der Partie sei es zu rassistischen und rechtsradikalen Beleidigungen gekommen, Celles dunkelhäutiger Verteidiger Alpha Jallow sei mit »Neger«-Rufen beleidigt worden. Was Elstorfs Trainer Hartmut Mattfeldt vehement bestreitet: »Das ist nicht wahr.«

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