Spanien nach dem Debakel gegen Holland

Das Ende einer Ära?

Spanien erlebt gegen die Niederlande ein historisches Debakel, will aber seinem Stil treu bleiben. Trainer Vicente del Bosque wird wohl erst nach der WM mit dem personellen Umbruch beginnen.

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Um das Unerklärliche zu erklären, bediente sich Iker Casillas eines Superlativs. »Das war das schlechteste Spiel meiner Karriere«, sagte der Kapitän und Torwart der spanischen Nationalmannschaft. »Wir waren nie auf der Höhe des Geschehens, ich am allerwenigsten.«

Nicht nur für Casillas persönlich verlief das Auftaktspiel gegen die Niederlande furchtbar. Weltmeister Spanien erlebte beim 1:5 eine historische Demütigung. Nie zuvor war der Titelverteidiger mit einer höheren Pleite in eine Weltmeisterschaft gestartet. Dass Casillas wirklich nicht seinen besten Tag erwischt und mindestens ein Gegentor verschuldet hatte, spielte dabei keine Rolle.

Marca: »Weltweite Demütigung«

Die ganze Mannschaft präsentierte sich in einem desolaten Zustand. Auf den Rängen im Stadion von Salvador de Bahia dürfte sich so mancher gefragt haben, ob das tatsächlich die Mannschaft ist, die in den vergangenen sechs Jahren den Weltfußball dominiert und drei Titel in Folge errungen hatte. Europameister, Weltmeister, Europameister. Dass in Brasilien der nächste Triumph folgt, glaubt nach dem Spiel vom Freitag daheim in Spanien kaum noch jemand. Die große Ära der Generation Casillas, Xavi und Iniesta neigt sich gen Ende.

»Weltweite Demütigung«, titelte das Sportblatt Marca direkt nach Abpfiff auf seiner Internetseite. »Das ist eine schwere Niederlage, aber wir dürfen nicht zu lange darüber nachdenken und uns auf Chile konzentrieren«, sagte Casillas. Am Mittwoch trifft Spanien auf die Südamerikaner, die ihr Auftaktspiel gegen Australien 3:1 gewannen. Gelingt kein Sieg, ist die WM für den Titelverteidiger so gut wie beendet. Eine Situation, die für manche Experten nicht überraschend kommt. Schon vor dem Turnier wurde rege diskutiert, ob die Mannschaft nach all den Siegen in der Vergangenheit nicht satt sei. Ob die alten Spieler noch über ausreichend Motivation verfügen, sich der kräftezehrenden Aufgabe in Brasilien zu stellen.

»Wir müssen jetzt die Mentalität ändern«

Casillas bestätigte diese Vermutung indirekt. »Wir müssen jetzt die Mentalität ändern. Dafür bleiben uns vier Tage.« Aber lag es tatsächlich nur an der fehlenden Einstellung, dass Spanien in der zweiten Halbzeit vier Gegentreffer kassierte? Doppelt so viele wie bei der kompletten WM 2010. Sind tiefer gehende Gründe dafür verantwortlich oder hatte die Mannschaft einfach nur einen schlechten Tag?

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