Spätzünder Thiago Silva soll Brasilien zum WM-Titel führen

Der Mann der dritten Chance

Thiago Silva gilt als einer der besten Verteidiger der Welt. Danach sah es lange nicht aus. Nach einer schweren Erkrankung fand er den Weg in die Weltklasse erst über Umwege. Ein Porträt.

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Es sollte der große Durchbruch werden – und wurde zum Desaster. Als der FC Porto im Sommer 2004 mit viel Geld den Verfall seines Teams aufzufangen versuchte, sollte Thiago Silva einer der Bausteine zur noch glanzvolleren Zukunft werden. Kurz nach dem überraschenden Champions-League-Triumph der Portugiesen hatte sich Star-Trainer José Mourinho Richtung England verabschiedet, auch zahlreiche Leistungsträger wagten den Sprung ins Ausland. Der damals 20-jährige Innenverteidiger Silva sollte in der Porto-Abwehr wieder für Ordnung sorgen. Dazu kam es jedoch nie.

Das erste Jahr außerhalb Brasiliens wurde für den hoch veranlagten Innenverteidiger zum Rätsel. Erst musste er wegen mangelnder Form wochenlang in der Reservemannschaft antreten, dann meldete er sich mit einem mysteriösen Husten und Atembeschwerden vom Training ab. Die medizinische Abteilung des Vereins war überfragt, nach endlosen Besuchen in diversen portugiesischen Krankenhäusern kapitulierten auch andere Ärzte. Weil kurzzeitig gesundheitliche Besserung eintrat, ergriff der FC Porto die Chance und verkaufte Silva nach Russland – zu Dynamo Moskau.

24 Wochen Krankenhausbett

Dort fanden die Klubmediziner kurz nach seiner Ankunft heraus, woher die irritierenden gesundheitlichen Probleme rührten. Der Abwehrspieler war an Tuberkulose erkrankt, immer noch eine der tödlichsten Krankheiten der Welt. In Westeuropa ist sie heute größtenteils ausgerottet, weil sie in Russland aber noch weit verbreitet ist, konnten die Moskauer Ärzte Silva helfen.

»Die erste Diagnose war schockierend. Man sagte mir, ich müsste zwölf Wochen lang im Bett liegen, um meine Lunge zu schonen«, erzählt der Brasilianer über die schwere Zeit. Die ersten beiden Monaten verbrachte er sogar in einem hermetisch abgeriegelten Krankenzimmer – zu hohe Ansteckgefahr. Besserung trat nur äußerst langsam ein. Letztlich lag Silva 24 Wochen im Krankenhaus. »Das schlimmste Jahr meiner Karriere«, sagt er rückblickend. Zum zweiten Mal schien es so, als rücke der Traum vom Profifußball in weite Ferne.

Mit 13 Jahren war Silva bereits von der Jugendakademie von Flamengo Rio de Janeiro geflogen. Als er todesunglücklich vor der Haustüre seiner Eltern aufkreuzte und Mutter Angela die Entscheidung des Vereins mitteilte, ermahnte diese ihn. »Ich habe ihn daran erinnert, dass es in unserer Gegend nicht viele gute Jobs für einen Jungen seiner Herkunft gab. Das genügte schon, um ihn wieder auf Kurs zu bringen«, erzählt Mutter Angela. Thiago arbeitete hart an sich und schaffte über Umwege bei den Klubs Alvorada FC und Juventude doch noch den Sprung in den brasilianischen Profifußball.

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