21.07.2013

Soula Aleyridou, Bordellchefin und Fußballunternehmerin

Die Liebe der Puffmutter

Seite 2/3: Körperlichen Zuwendungen
Text:
Alexandre Pedro
Bild:
Angelos Tzortzinis

Über den Fußball verbindet sie auch etwas mit der Schauspielerin Melina Mercouri, der großen Ikone des griechischen Kinos. In »Sonntags… nie!«, einem Film von Jules Dassin, spielt diese die Prostituierte Ilya, die am Hafen von Piräus von montags bis samstags ihren Körper anbietet, ihn aber am Sonntag für sich behält. Es gibt einen berühmten Moment im Film, in dem Ilya mit großem Begehren im Blick ein Mannschaftsbild von Olympiakos betrachtet. Soula hat es sogar noch weiter gebracht: Mit Voukefalas hat sie nicht nur ihr eigenes Olympiakos gefunden, sie ist sogar selbst zum Teil des Bildes geworden.

Rosa Trikots mit dem Schriftzug »Villa Erotica«

Das Herz der Stadt schlägt normalerweise für den AE Larisa. Zurzeit in der zweiten griechischen Liga, erlebte der Klub seine Sternstunde 1988, als es der damaligen Mannschaft gelang, die Vorherrschaft der beiden Hauptstadtklubs Panathinaikos und AEK Athen sowie von PAOK Saloniki zu durchbrechen und zum einzigen Mal Griechischer Meister zu werden. Ein Erbe, das erklärt, warum im Durchschnitt immer noch 10 000 Fans zu den Spielen kommen, obwohl selbst die Spitzenklubs des Landes oft nicht mal mehr die Hälfte der Zuschauer begrüßen können. Aber in der letzten Saison hat sich AEL vom FC Voukefalas und seinen rosa Trikots mit dem Schriftzug »Villa Erotica« fast die Schau stehlen lassen. Allerdings wurden diese Hemden durch den Verband sehr schnell wieder aus dem Verkehr gezogen. »Das ist eine Scheinheiligkeit sondergleichen«, beschwert sich Giannis Batziolas, »von Online-Wettbüros oder Alkoholmarken können die Profiklubs Millionenbeträge einstreichen, aber uns nimmt man das Recht, das Trikot zu tragen, nur weil ›Erotica‹ darauf steht.«

Allerdings hatte anfangs nicht nur der Verband ein Problem. Auch einige Spieler waren nicht unbedingt angetan von der Idee, dass sich ihr Klub so eng an ein Bordell band. »Wir dachten, Giannis will uns verarschen«, erinnert sich Stürmer Apos­tolis. Prostitution wird in Griechenland zwar liberal gehandhabt, aber daheim wurde zwischen den Spielern und ihren Freundinnen und Frauen schon heftig diskutiert. Apos­tolis erinnert sich noch gut an das Ultimatum seiner Partnerin: »Wenn du dich dort einmal blicken lässt, verlasse ich dich.«

Matchprämien in Form von körperlichen Zuwendungen

Die beiden sind noch zusammen, und Soula bestätigt, dass es bislang auch sonst keine Beschwerden gab. »Die Spieler müssen alle sehr verliebt sein, nehme ich an.« Die Sponsorin empfängt die Voukefalas-Jungs meist freitags abends zwischen Whirlpool und King-Size-Bett. »Sie kommen aber nur um zu reden und mit mir und meinen Mädchen ein Glas zu trinken.« Wenn man der Puffmutter Glauben schenken darf, sind auch die im letzten Herbst versprochenen Matchprämien in Form von körperlichen Zuwendungen noch immer nicht eingelöst worden.

Das delikate Sponsoring hat Soula Aleyridou zur berühmtesten Puffmutter des Landes werden lassen, und zum Dauergast in den Talkshows des Spätprogramms. Dennoch weigert sie sich, von einem Werbecoup zu sprechen: »In meinem Metier braucht man keine Werbung.« Auch will die Wohltäterin das Ausmaß ihrer Philanthropie nicht benennen (»Wegen der Steuern«). Vereinspräsident Giannis ist da weniger diskret, die Puffmutter habe »mehr als 5000 Euro« in den Klub gesteckt. Und das sei erst der Anfang. »Sie kommt für alle unsere laufenden Kosten auf. Wenn ein Spieler zum Arzt muss, bezahlt Soula.« Der Arzt sei nämlich der gleiche, der sich um ihre Mädchen kümmert.

 
 
 
 
 
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