Sommerpause für Pessimisten

Je Sommer desto schlimmer

Sommerpause für Pessimisten

1. Von hier an bergab
Der Verein des Herzens hat sich in dieser Saison selbst übertroffen. Ob er in diesem Mai nun überraschend Meister geworden ist (Borussia Dortmund), das Ticket nach Europa gelöst hat (Mainz, Hannover) oder wider erwartend im oberen Tabellendrittel steht (Freiburg, Kaiserslautern), spielt keine Rolle. Klar ist, die Mannschaft hat besser gespielt und war erfolgreicher, als man es ihr selbst als hoffnungsloser Berufsoptimist zugetraut hätte. Nun könnte man sich in der fußballfreien Zeit an diesem Zustand ergötzen, sich über drei Monate als Meister feiern lassen. Doch so funktionieren Fußballfans nicht. Spätestens im Juni ist die Euphorie über das Geleistete verpufft, langsam kriecht die Angst durch die Knochen. Was ist, wenn das schon die Spitze des Eisbergs war? Dem Höhenflug dieser Saison muss doch zwangsläufig der Sturz auf den harten Boden der Realität folgen. Die jüngere Bundesligageschichte zeigt es klar: Der VfB Stuttgart holte 2007 die Schale und landete in der Folgesaison auf Rang sechs. Wolfsburg erging es 2010 im Jahr nach der Meisterschaft noch schlechter. Am Ende der Saison standen die Wölfe auf Platz acht. In den vergangenen zehn Jahren schaffte es nur eine Mannschaft, die Meisterschaft zu verteidigen. Traurig, aber wahr zeigt sich: Meister zu werden ist schöner, als Meister zu sein. 

2. Das Leiden beginnt
Punkt eins ist für Fans des FC St. Pauli und Eintracht Frankfurt ein Luxusproblem. Beide Teams sind abgestiegen und damit heißt es vorerst: Tiefpunkt erreicht. Man könnte jetzt meinen, dass die Sommerpause über den ersten Frust hinweghilft. Nordseeurlaub mit Pommes, Bier und Eis könnten das allwöchentliche Martyrium des vergangenen Jahres vergessen lassen. Doch auch hier zeigt sich der Fußballfan als leidensbereites, ja leidenswilliges Wesen. Wer spielt nächstes Jahr eigentlich noch im Verein? Was, wenn der Wiederaufstieg nicht direkt klappt? Und selbst wenn die Mannschaft in Liga zwei erfolgreich ist, Rumpelfussball in Paderborn und Braunschweig kann man kaum als Erfolg verbuchen, wenn man vor Jahresfrist noch den HSV und BVB daheim nass gemacht hat. Allen Loyalitätsbekundungen zum Trotz, kein Fan freut sich auf den Gang in Liga zwei - schon gar nicht einen ganzen Sommer lang. Man kann nur hoffen, dass der Herbstregen bald kommt.  

3. Aufsteigervorfreud
Der Verein ist in Liga eins aufgestiegen. So what? Soll man sich darüber freuen? Nach dem eigenem Verständnis gehört man doch sowieso ins Oberhaus. Die zweite Liga war nur ein hässlicher Zwischenfall, bestenfalls ein paar Zeilen in der Vereinschronik. So sehr man auch gejubelt hat beim Aufstieg, sofort ist sie da, die Angst wieder gegen den Abstieg spielen zu müssen. Schnell kursiert dann das Wort »Fahrstuhlmannschaft«. Und »Fahrstuhlmannschaft« ist in etwa so wie »Fahrstuhlmusik«. Letzteres ist scheiße, aber egal. Ersteres im Gegensatz dazu tragisch. Selbst wenn man diesem Schicksal entgeht, ist man dazu verdammt irgendwo in die untere Tabellenhälfte zu schauen, um den Verein zu finden. Vielleicht blickt man dann auf diesen magischen Sommer 2011, in dem man Zweitliga-Meister wurde. 

4. Lang, lang, Langeweile
Man kennt das aus der laufenden Saison. Ab Donnerstag gilt zwei Drittel der Aufmerksamkeit dem Fußballwochenende. Und dann das: Länderspielpause. Es gibt sicher schlimmeres als sich die Nationalmannschaft anno 2010 anzuschauen, etwa die Nationalmannschaft vor 2002, aber es ist doch nicht das Gleiche. Und jetzt? Außer ein paar Quali-Spielen, die in etwa so spannend sind wie Pressekonferenzen mit Philipp Lahm, ist da nur die Frauen-WM. Sicher hilft die für kurze Zeit, das Vakuum einigermaßen zu kitten. Doch das sind nur fußballerische Fetzen in einer ansonsten ballfreien Zeit. Vielleicht sollte man mal wieder Oma anrufen, aber auch die wird sicher nachfragen: »Watt meinste denn, watt dat gibt nächstes Jahr?« 

5. Transferzeit ist Leidenszeit
Sollte Punkt eins oder Punkt zwei zutreffen, ist die fußballfreie Zeit besonders hart. War man erfolgreich, stehen die eigenen Spieler bei allen Vereinen auf dem Zettel. Ist man abgestiegen kann man sich gleich selber einen Zettel schreiben: Sommerschlussverkauf. Wäre man Optimist könnte man eventuell denken, dass ein absoluter Kracher verpflichtet wird oder das nun endlich der Umbruch des Kaders eingeleitet wird. Wieder gilt es zu bedenken, dass der Fußballfan an sich kein Optimist ist. Leidenschaft kommt von Leiden und das hat er verinnerlicht. Man bedauert also lieber den Weggang eines entscheidenden Spielers und bekommt Schweißausbrüche, wenn man hört, dass Theofanis Gekas zu haben ist. Transferzeit ist auch die Zeit, in der der Grundstein für zukünftige Fast-Insolvenzen gelegt wird. Der Sommer ist die Zeit, in der die klubeigenen Supertalente für einen Silberling verscherbelt werden, um dann an anderer Stelle einzuschlagen wie eine Bombe.

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