So war der Frauenfußball-Tatort gestern

Theo, wir fahren nach Eppheim

Es war ein Sternstunde der Schauspielkunst: Theo Zwanziger, Jogi Löw, Oliver Bierhoff und Steffi Jones als Tatort-Darsteller. Unser Gastautor Peter Flore vom Musik-Magazin Intro blickt zurück auf einen grauenvollen Krimiabend. So war der Frauenfußball-Tatort gesternSWR

Die gute Nachricht vorab: Olli Bierhoff und das »Tatort«-Team sind wieder Freunde. Hatte sich unser Goldlöckchen beim letzten fußballbezogenen Fall noch bitter darüber beschwert, dass die Macher eine regelrechte Schmutzkampagne gegen seine »Familie« inszenierten, weil man sich erdreistet hatte, in einem Dialog auf den ein oder anderen Homosexuellen im deutschen Nationalteam hinzuweisen, so dürfte bereits im Vorfeld des Ludwigshafener Falls »Im Abseits« schon wieder das ein oder andere Händchen geschüttelt worden sein. 

Den Tatort-Auftritt der DFB-Führung im Daumkino gibt es hier >>>


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Immerhin geht es um die WM im eigenen Land, ein zweites Sommermärchen, das passenderweise auch noch per Spot vorangestellt wurde. So also durfte sich der DFB-Chefhotelbucher neben Jogi Löw, Theo Zwanziger, Steffi Jones und Celia Okoyino da Mbabi über eine gemeinsame Gastrolle freuen, die Berti Vogts' Brandrede »Ich rieche Gas« im Nu vergessen ließ und mit dem fulminanten »Lass uns nach Eppheim fahren!« sogar einen Satz für die TV-Ewigkeit in Stein meißelt.  »Erste Pass, gleich Scheiße«, so hat Dragoslav Stepanovic einst seinen Einstand beim Trainercomeback in Frankfurt zusammengefasst - dem Drehbuch von »Im Abseits« scheint dieses Bonmot von Anfang an indes eine Art Leitmotiv zu sein. 

Alle Infos zur anstehenden Frauen-WM findet ihr auf www.11freundinnen.de

Das Ludwigshafener Ermittlerteam Kopper/Odenthal gilt Fans ohnehin als eine Art Vorhölle, für das aus aktuellem Anlass gewählte Thema Frauenfußball hat man aber lieber gleich einen veritablen Pakt mit dem Teufel geschlossen, anders ist der Amoklauf von Eppheim im Folgenden nicht zu erklären: Kopper ist der Macho, der Frauenfußball allgemein in der (Männer-)Kreisklasse verortet. Odenthal die verständnisvolle Verfechterin, die ihre Gunst nach dem Leistungsprinzip verteilt. Manager Meingast verkörpert als moderner Fußballkaufmann alles Böse im Profigeschäft und Platzwart Rennert ist ein Fußballromantiker, dem die Seele des Sports heilig ist. Rollen also, die man nicht eindimensionaler und klischeebeladener hätte konzipieren können. 

Der Amoklauf von Eppheim

Immerhin hat der Autor (Jürgen Werner, so viel Zeit muss sein) aber seine persönlichen Top 10-Fußballstereotypen unterbringen können: Vom »Trikottausch« bei den Frauen über die »Bier und Bratwurst«-Rede von Kopper bis zum Runden, das in das Eckige muss, wird alles sorgfältig abgehakt. Dazu Glückwunsch. Glückwunsch auch für all die unterschwelligen Sexismen, die man eben nur scheinbar aufdeckt, in dem man sie so wunderbar offen und ehrlich thematisiert: Im Frauenfußball, so lehrt uns die junge Deutsch-Türkin Fadime, ist es eben doch der heimliche Wunsch jeder Spielerin, die Karriereleiter zumindest so heraufzuklettern, dass man ihr von unten unter den Rock gucken kann. Aber damit wird Olli Bierhoff leben können, immerhin ging es nicht gegen seine Jungs.

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Unser Autor Peter Flore ist Redakteur unserer Leib- und Magen-Musikmagazins Intro und ist dort unter anderem Online-Chef der wundervollen Seite www.intro.de, wo er jeden Montagmorgen auf den Tatort vom Vorabend zurückblickt.

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