19.05.2012

So muss Bayern gegen Chelsea spielen

Entscheidung auf Außen

Vor dem Finale hat unser Experte Tobias Escher noch einmal die Antworten auf die wichtigsten Fragen: Was bedeuten die Sperren für die beiden Mannschaften? Wo ist der FC Chelsea gefährlich? Und vor allem: Wie können die Bayern den »Titel dahoam« holen?

Text:
Tobias Escher
Bild:
Imago

Vor dem Champions-League-Finale sind die Rollen klar verteilt: Die Bayern, bekannt für ihre hohen Ballbesitzwerte, treffen mit Chelsea auf einen konterstarken Gegner. Zwar ist es unwahrscheinlich, dass di Matteo sein Team abermals 90 Minuten am eigenen Sechszehner verbarrikadiert. Dennoch dürften die Bayern gegen ihren eher defensiv denkenden Gegner am Ende in der Ballbesitzstatistik vorne liegen.

Entscheidend wird sein, wie sie ihren Ballbesitz im Mittelfeld nutzen: Toni Kroos und Bastian Schweinsteiger sollten versuchen, direkt den Weg in die Spitze zu suchen. Wenn sie zu oft den Querpass spielen, werden sie gegen den gegnerischen Defensivverband kaum ankommen – wenn die Londoner eins können, dann ballorientiertes Verschieben.

Lücken im Mittelfeld

Für Bayern könnte jedoch die Sperre von Gustavo zum Problem werden: Bei einem Dreier-Mittelfeld, bestehend aus Schweinsteiger, Kroos und Thomas Müller, fehlt der defensive Staubsauger Gustavo, der die Räume hinter den offensiv denkenden Akteuren absichert. Allerdings hat Chelsea auf der anderen Seite mit ähnlichen Problemen zu kämpfen: Durch die Sperre von Ramires, der hinter Lampard die Räume schließt, fehlt bei ihnen ebenso eine Absicherung. Die Rückwärtsarbeit des englischen Nationalspielers ist jedoch nicht seine stärkste Disziplin.

Bei beiden Teams könnten so Lücken zwischen Abwehr und Mittelfeld entstehen. Es wird eine spannende Frage, welches Team diese Lücken besser nutzen kann. Die Bayern sind hier mit Thomas Müller sehr gut aufgestellt, der WM-Torschützenkönig ist stark im Besetzen von freien Räumen.

Defensiv müssen die Bayern sich vor den starken Kontern ihrer Gegner in Acht nehmen: Didier Drogba dürfte als vorderste Spitze auf Anspiele warten, die er halten und weiterleiten kann. Innenverteidiger Jerome Boateng sollte den Ivorer durchgehend bewachen – der zierlich gebaute Badstuber-Ersatzmann Anatolij Tymoshchuk dürfte mit seinen 1,81 m gegen den 1,88 m Koloss Drogba wenige Chancen haben, insbesondere in Kopfballduellen. Daniel van Buyten, in der Theorie der ideale Gegenspieler gegen Drogba, wird wohl nicht rechtzeitig fit werden.

Duelle auf Außen

Zudem müssen die Bayern auch auf den Flügelpositionen hellwach sein: Drogba sorgt dort gerne für Überzahlsituationen.  Auf der linken Seite dürfte Alaba-Ersatz Contento zudem auf Daniel Sturrigde bzw. Juan Mata treffen. Gegen die zwei dynamischen Dribbler wird er einen starken Tag brauchen. Aber auch Lahm dürfte defensiv von seinem Gegenspieler, wahrscheinlich Salomon Kalou, gefordert werden. Die Außenverteidigerpositionen konnten daher eine entscheidende Rolle spielen: Lahm und Contento müssen einerseits defensiv auf der Hut sein. Andererseits müssen sie auch Vorstöße wagen, um Ribery und Robben gegen die zu erwartende Doppel- bzw. Dreifachdeckung zu unterstützen.

Es wird entscheidend sein, dass die Münchener Flügelverteidiger die richtige Balance aus Angreifen und Verteidigen finden.

Bei Freistößen die Nummer Eins

Grundsätzlich sollte Bayern jedoch nicht die schlechtesten Karten in diesem Finale haben. Mannschaften wie Chelsea, die vor allem mit ihrer Physis punkten, liegen den Münchnern in dieser Saison. Im Idealfall geben die Spieler des FC Chelsea, die in der Premiere League die meisten Gelben und Roten Karten aller Teams kassierten, Freistöße in entscheidenden Positionen her.

Dass die Münchener gegnerische Fouls zu nutzen wissen, zeigt die Statistik: Mit acht Treffern nach Freistößen und Elfmetern sind sie in diesem Bereich die klare Nummer Eins in der Champions League. Ein guter Freistoß von Kroos, ein Kopfball von Gomez, und aus dem »Finale Dahoam« könnte ganz schnell ein »Titel dahoam« werden.

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