So lief Michael Ballacks Abschiedsspiel

Sein Weg

Michael Ballack glänzte in seinem Abschiedsspiel noch ein letztes Mal in seiner Rolle als torgefährlichster Mittelfeldspieler der Welt, gab sich ansonsten als gelassener, altersmilder Gastgeber. Währenddessen bekam André Schürrle Unterstützung bei seinem wichtigsten Spiel des Jahres.

In der 80. Spielminute landete der erste Hinweis auf das nahende Ende von Michael Ballacks großer, aber etwas unvollendeter Karriere auf dem Rasen der Leipziger Arena. Schon seit einigen Minuten hatten die Zuschauer im Oberrang versucht, Klatschpappen einen tieferen Sinn zu geben und sie als Papierflieger den weiten Weg aufs Feld zu schicken. Motiviert vom Hinweis auf den Werbebanden, dass im Juli die WorldSkills in Leipzig stattfinden. Und nun war einem Unbekannten die erste Qualifikation geglückt. Tosender Applaus.

Weil das Spiel zu dem Zeitpunkt nur noch vor sich her plätscherte, musste das Publikum Zeichen setzen. Sie wollten wieder feiern, Weltstars, Tore und vor allem Michael Ballack. Es dauerte nur Sekunden, und die Luft in Leipzig war durchzogen von weißen Flugkörpern. Die Abschiedschoreographie gelang besser als die vor dem Spiel eingeprobte, bei der die Message (»Danke Micha«) nur für Eingeweihte erkennbar war.

Carsten Jancker und andere Weltstars

Zu Michael Ballacks Karriere gehört eben auch Unvollkommenheit. Denn eigentlich war das Leipziger Publikum gewillt, von Anfang an zu beweisen, dass es nach hochklassigem Fußball lechzt, wie ihm nach vielen Jahren der Viertklassigkeit gerne unterstellt wird. So hatte es nicht mal einen Tag gedauert, bis das Stadion für Ballacks Abschied ausverkauft war. Und so wurde bei der Spielervorstellung jeder Beteiligte für sein Kommen aufmunternd bis frenetisch bejubelt. So wurden aus ehemaligen Bundesliga-Fußballern mit ostdeutschen Wurzeln – Bernd Schneider, Ulf Kirsten, auch Carsten Jancker – Weltstars.

>> Ballacks Karriere in Bildern

Tatsächlich waren der Einladung des 36-jährigen Capitanos zahlreiche Weggefährten aus sämtlichen Stationen seiner Laufbahn gefolgt. Ballack spielte standesgemäß für beide Seiten (Ballack and Friends, Weltauswahl) und traf regulär für beide Seiten. Zweiter wollte er an diesem Tag nicht werden. Ein letztes Mal wollte er es allen zeigen. Auch Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge, Jogi Löw und Oliver Bierhoff waren ja da.

Lahm und Ballack versöhnlich

Für lange Zeit war nur Liebe in der Luft. Alle Weggefährten äußerten sich löblich über den 98-fachen Nationalspieler. Auch Philipp Lahm (Weltauswahl) zeigte sich nach dem Triple-Gewinn versöhnlich, verzog nach einer viertel Stunde einen Torschuss so herrlich, dass Ballack den Nationalmannschaftskapitän gönnerhaft lächelnd in den Arm nehmen konnte. Es war früh das vielleicht schönste Geschenk des Abends. Und auch wenn José Mourinho ausschaute, als habe Ballack Lionel Messi oder Sergio Busquets in die von ihm betreute Weltauswahl berufen, nuschelte er etwas von Freude, Freunden und großer Karriere.

Ähnlich gönnerhaft zeigte sich im Spiel nur noch Torhüter Pascal Zuberbühler. Denn die längste Zeit des Spiels hatte André Schürrle vergeblich versucht, seinen baldigen Vielleicht-Trainer José Mourinho zu beeindrucken, um in Zukunft nicht allzu oft die Position neben Marko Marin (war nicht eingeladen) einzunehmen. Sollte Mourinho auf furchtbar ungefährliche und unpräzise Torabschlüsse bei Abschiedsspielen stehen, war er sicher beeindruckt. Aber Zuberbühler dachte sich, es könnte auch nicht schaden, wenn einer dieser Abschlüsse wenigstens als Treffer zählt.

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