23.09.2013

So lief die Heimpremiere von Patrick Helmes

Kölsche Hassliebe

Nüchtern betrachtet, gibt es bei der Rückkehr von Patrick Helmes zum 1. FC Köln nur Gewinner. Aber Fußballfans und Ultras betrachten selten etwas nüchtern. Über eine Geschichte von unerwiderter Liebe.

Text:
Stephan Knieps
Bild:
imago

Es war dem Stadionsprecher des 1. FC Köln vorbehalten, am Freitagabend im Rhein-Energie-Stadion noch vor Anpfiff für den ersten Höhepunkt zu sorgen: »Mit der Nummer 16…«, rief er bei der Mannschaftsaufstellung verschwörerisch ins Mikrofon, als auf der Leinwand das Bild von Patrick Helmes auftauchte. Und die knapp 50.000 Zuschauer jubelten bereits voller Vorfreude, als hätte er gerade die magischen Worte »And the oscar goes to…« gesagt. Den Namen »HELMES!« skandierten die Fans dann auch am lautesten von allen FC-Spielern.

Es war das erste Heimspiel des Stürmers für Köln seit über fünf Jahren, und die Begrüßung der Fans schien im Vorfeld wichtiger geworden zu sein als das Spiel selbst. Zwar hatte Helmes sein offizielles Pflichtspiel-Comeback schon vier Tage zuvor gegeben, beim 4:0-Auswärtssieg in Cottbus, aber die Heimpremiere vor vollem Haus galt als wahrer Härtetest. Spätestens nach der Mannschaftsaufstellung kann man sagen: Helmes wird vom Großteil der FC-Fans offenbar wieder akzeptiert.
 
Das ist keine Selbstverständlichkeit, wenn man um die Vorgeschichte dieser Verpflichtung weiß. Eine Geschichte, die von unerwiderter Liebe handelt, und die sich gut an Plakaten erzählen lässt. Das bislang letzte Plakat der Akte Helmes hing beim vorletzten Kölner Heimspiel, dem 4:1-Sieg gegen Erzgebirge Aue am 1. September, auf der Südtribüne. »Patrick Helmes nie wieder für den FC!«, war darauf zu lesen. Es war die Reaktion auf die Gerüchte um den Kauf des Stürmers, die Jörg Schmadtke kurz darauf bestätigte. Und es ist auch exakt der gleiche Spruch, der am Anfang dieser Geschichte steht: auf einem Plakat, das am 4. Februar 2007 beim 1:0-Heimsieg gegen Carl Zeiss Jena im Kölner Stadion hing. Ein anderes Plakat führte am selben Abend den Spruch: »Helmes und Berater – Persona non grata«. Dabei spielte Helmes zu dem Zeitpunkt gar nicht: Er stand wegen eines Mittelfußbruchs nicht einmal im Kader. Was also hatte die Fans so aufgeregt?
 
Helmes bezeichnete die Gehaltserhöhung der Kölner als »unterirdisch«
 
Einige Tage vor dem Jena-Spiel hatte Helmes seinen Verein und die überraschte Öffentlichkeit darüber informiert, zum Ende der Saison 2006/2007 zu Bayer Leverkusen zu wechseln. Er hatte Ende Januar bereits einen entsprechenden Vorvertrag bei Bayer unterschrieben. Da besaß er jedoch noch einen Vertrag beim 1. FC Köln mit Option auf Vertragsverlängerung bis zum Ende der Saison 2007/2008. Es folgte ein öffentliches Tauziehen. Oder wie es Eike, Mitglied der Ultras »Coloniacs« und Mitherausgeber des Fanzines »Kallendresser«, ausdrückt: »Es war ein ganz schönes Affentheater, bei dem sich weder Helmes noch der Verein mit Ruhm bekleckert haben.«

Bayer-Sportchef Rudi Völler sprach davon, Patrick Helmes trotz dessen laufenden Vertrages bis 2008 »schon in diesem Sommer zu bekommen«. Kölns sportliche Führung um den damaligen Manager Michael Meier und den damaligen Trainer Christoph Daum zeigte sich enttäuscht bis wütend. Es war jedoch schon offensichtlich, dass Daums und Meiers Kritik am Leverkusener Abwerbeversuch nur das eigene Versäumnis kaschieren sollte, Patrick Helmes selbst rechtzeitig längerfristig an den FC zu binden. Tatsächlich hatte es Angebote gegeben, diese jedoch wiesen Helmes und sein Berater Gerd vom Bruch stets als zu schlecht zurück. Glaubt man der »Sport Bild«, legte der FC bereits im August 2006 Helmes einen neuen Vertrag vor. Dieser sah eine Erhöhung des Jahresgehalts von 150.000 auf 180.000 Euro vor. Helmes bezeichnete das in einem Interview als »unterirdisch«. Das kam nicht gut an.

»Nicht zu irgendeinem Verein, sondern zu einem der Feinde!«
 
Seine Gehaltsforderungen nahmen ihm viele FC-Fans übel. Sie warfen ihm Geldgier vor. Andererseits wartete der Boulevard wöchentlich mit einem neuen Gerücht auf, welcher Verein aus der 1. Liga nun ein Angebot für den Stürmer vorgelegt habe. Das stärkte Helmes‘ Verhandlungsposition. Es fielen die Namen Werder Bremen, Schalke 04, HSV, VfB Stuttgart und eben Bayer Leverkusen. Helmes‘ Wunsch nach einem seinen Leistungen angemessenen Salär kann man als branchentypisch bezeichnen, sagt auch FC-Ultra Eike: »Ultras haben ja eher romantische Vorstellungen davon, wie Fußball sein sollte. Natürlich ist das mit der Realität kaum vereinbar. Heute gibt es ja kaum noch Spieler, die ein Leben lang einem Verein treu bleiben. Fußball ist ein großes Söldnertum. Und Patrick Helmes hat das versinnbildlicht – und es auch noch geschafft, nicht zu irgendeinem Verein zu wechseln, sondern zu einem der Feinde.« 

Helmes selbst hatte seine Kölner Heimatgefühle stets betont, er verwies auf seine Jugendzeit in Köln. Man darf annehmen, dass er um die besondere Kölner Rivalität zu Leverkusen wusste. Damals erklärte er dem »Express« seine Sicht der Dinge so: »Manchen Fans tun diese Wechsel nach Leverkusen weh – das kann ich verstehen. Aber man sollte auch mich verstehen: Ich muss dahin, wo die Musik spielt. Und die spielt in der 1. Liga.« War das nun sehr selbstbewusst oder sehr ungeschickt?

 
 
 
 
 
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