So lief das Trainingslager des FC St. Pauli: Ein Tagebuch von Fabian Boll (2)

Knight Rider, Friseurinnen und ein Vorlese-Onkel

Fabian Boll war mit dem FC St. Pauli eine Woche im Trainingslager in Österreich. Lest hier wie die Tage 5 bis 8 liefen, warum Boll über »Knight Rider« nachdenkt, was es mit der Teufelsbrücke auf sich hat und wie der Krieg gegen die Weckdienst-Mafia endet.

Der folgende Text ist eine gekürzte Version der Tagebuch-Einträge auf Fabian Bolls Facebook-Seite. Den ersten Teil (Tage 1 bis 4) könnt ihr hier lesen.

TAG 5

 
...erst! Aber zumindest ist heute schonmal »Bergfest«!  Gefühlt bin ich aber schon seit Wochen in diesem Österreich »gefangen«. Den ganzen Tag von Bergen umgeben zu sein, ist für ein »Nordlicht« aber auch nicht ganz so leicht zu verkraften. Auch wenn die Integration hier (dank »Gregerl«) problemlos verläuft und wir die fremde Kultur nebst Sprache und landestypischen Bräuchen bereits ganz gut verinnerlicht haben, fehlt mir langsam aber sicher mein Hamburg und speziell mein Zuhause! Ich hab hier zum Beispiel noch keine einzige Möwe gehört. Ein Unding. Und Benes Qualitäten als Ehefrau-Ersatz sind letztlich auch nur als »überschaubar« einzustufen.

Testspiel gegen Burghausen
 
Nach Angaben des Team-Managements sollen heute aber zumindest so etwas wie Heimatgefühle aufkommen, da wir für ein paar Stunden die Landesgrenze zur Bundesrepublik Deutschland überqueren. Ein Testspiel in Burghausen steht nämlich an!  Hätten wir jetzt irgendwo in Hamburg gespielt (dort aber auch nur nördlich der Elbe), hätte ich obigen Satz ja noch irgendwo nachvollziehen können! Wo sich bei mir jetzt allerdings im tiefsten Bayern Heimatgefühle einstellen sollen, bleibt wohl für immer das Rätsel des Team-Managements. Der blanke Hohn! Es fühlt sich an wie ein Schlag ins Gesicht! Und es kommt noch Schlimmer: schon wieder eine neue Sprache und neue Sitten!
 
Aber der Reihe nach:
 
Ich wache heute komischerweise von alleine bereits um 07:55 Uhr auf, bleibe aber bewusst noch etwas im Bett liegen, schaue auf die Uhr und sehe die Zeit dahinrinnen. 7:57 Uhr, 7:58, 7:59, 8:00 Uhr, 8:01 Uhr - und es passiert: rein gar nichts. Es scheint die Task-Force hat gestern kurz vor Mitternacht den entscheidenden Durchbruch im Kampf gegen die Weckdienst-Mafia erzielt. Bei mir mischt sich Erleichterung mit einer Prise Stolz. Ich lehne mich dementsprechend nochmal mit hinter dem Kopf verschränkten Armen und einem diabolisch anmutenden Grinsen zurück und überlege mir schon die ersten Worte für meine morgendliche Dankesrede an die Mitarbeiter der Task-Force. In dem Moment schrecke ich auch schon wieder hoch. Mit einem Schlag wird mir nämlich bewusst: »Moment mal, du warst ja schon um 07:55 Uhr wach!«
 
Hat es die Mafia durch die zurückliegenden Aktionen etwa geschafft, meinen Biorythmus zu manipulieren ? So ein Sch... diese Hunde...
 
Verzweiflung kommt in mir auf. Ich kann zunächst keinen klaren Gedanken fassen! Dieser Kampf scheint nunmehr endgültig verloren, schießt es mir durch den Kopf. Desillusioniert schlurfe ich um 8:10 Uhr ins Bad.

>> Bolls Tagebuch: So liefen die Tage 1 bis 4
 
Beim Frühstück wird dann aber in einer Dringlichkeits-Sitzung doch noch beschlossen, das Feld nicht kampflos zu räumen. Der Task-Force soll dazu eine Enquete-Kommission vorangestellt werden! Ergebnisse werden wiederum bis kurz vor Mitternacht erwartet! Man darf gespannt sein.
 
Der Vormittag ist dann altbekannt: notwendige Vorerwärmung im Zimmer und um 10:00 Uhr dann los zum Training (diesmal gleich nach Schladming). Neben einer ordentlichen Erwärmung durch Timo R. (Timo Rosenberg, Athletiktrainer, d. Red.) und seine treuen Begleiter (Hütchen & Koordinationsleitern) stehen weiterhin noch Passspiel und Torabschlüsse auf dem Programm. Und natürlich dürfen auch ein paar - aufgepasst - Standardsituationen (!!!) nicht fehlen. Das Gute an dem Platz in Schladming ist, dass im Gegensatz zum »Hotel-Platz« kein ballverschlingender Fluss angrenzt. Das Schlechte allerdings ist die etwas erhöht verlaufende Schnellstraße E651.

Ein Date mit Sergio Ramos' Elfmeter-Fehlschuss?
 
Das Training ist dann eigentlich auch schon beendet, als Buchti noch einen letzten Freistoß schießen möchte. Schulle (Timo Schultz, Co-Trainer, d. Red.) mahnt in einem Mix aus weiser Voraussicht und böser Vorahnung noch an, dass man erst wieder zum Hotel fahre, wenn auch alle Bälle wieder eingesammelt sind. Ich weiß jetzt nicht, ob das Buchti (Christopher Buchtmann, Mittelfeld, d. Red.) in irgendeiner Art und Weise in seiner Konzentrationsphase gestört haben könnte oder aber ob der psychische Druck durch Schulles Aussage zu groß geworden ist. Auf jeden Fall jagt er den Ball (im Gegensatz zu den vorherigen Versuchen) weeeiiiiit übers Tor respektive über den Fangzaun.
 
Sucht Buchti einfach nur Anerkennung bei der Torhüter-Kombo? Oder hat der Ball etwa noch 'n Date mit Sergio Ramos' Elfmeter-Fehlschuss aus dem letzten Champions-League-Halbfinale Real - Bayern? Man weiß es nicht.  Aber kurz bevor Buchtis Ball die Erdumlaufbahn verlässt und wieder in die Atmosphäre eintritt, sehe ich ihn auch schon per ukrainischen Sattelzug die E651 gen Salzburg davonjagen. Fast zumindest.

Austausch von »Nettigkeiten«
 
Dann wird der Tag kurz hektisch: 11:45 Uhr Ankunft Hotel, 12:15 Mittagessen, 12:45 Uhr (mit vollem Magen) per Bus auf die zweistündige Abenteuerreise ins besagte, nah gelegene Burghausen. Dort gelingt trotz der leichten Anreise-Strapazen ein knappes 2:1 (2:0) gegen frischer wirkende Burghausener (oder Burghauser? Wer klärt mich bitte auf?) mit einem Tor nach einer - aufgepasst - Standardsituation! Ein Lerneffekt stellt sich diesbezüglich offensichtlich ein.
Gonni (Sören Gonther, Innenverteidiger, d. Red.) und sein griechischer Gegenspieler tauschen in den ersten 45 Minuten noch einige »Nettigkeiten« aus und vereinbaren in der Halbzeitpause, ihre Beziehung letztlich per Brieffreundschaft zu intensivieren.

>> Bolls Tagebuch: So liefen die Tage 1 bis 4
 
Dann gegen 18:45 Uhr Abfahrt und um 20:45 Uhr Ankunft im Hotel. Ich denke, ich lasse meine Sachen heute direkt im Bus, denn morgen steht zur Abwechslung mal eine Busreise zu einem Spiel an. Mehr war dann heute aber auch nicht...
 
...bis auf das Gerücht, dass morgen früh ein allgemeines Wiegen auf der Agenda stehen soll. Während bei einigen aufgrund der Dessert-Orgien der vergangenen Tage die Panik ausbricht, bleibe ich ganz gelassen. Ich werde zur Verbesserung meiner Werte einfach ganz Husum-like einen Eisbecher oder wahlweise eine Schokotorte vernichten.
 
Das müsste reichen.
 
Und so geht dann schließlich auch dieser wieder einmal unvergessliche Tag in Österreich zu Ende.
 
Gute Nacht!
 
#17

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