17.07.2013

So lief das Trainingslager des FC St. Pauli: Ein Tagebuch von Fabian Boll (2)

Knight Rider, Friseurinnen und ein Vorlese-Onkel

Seite 3/4: Die Teufelsbrücke (Tag 7)
Text:
Fabian Boll
Bild:
Imago

TAG 7
 
...ich bin wieder da.  Wie gestern bereits in der Eilmeldung angerissen, steht nach dem anstrengenden Bus- und Testspiel-Festival der letzten Tage heute ein (aber sowas von verdienter) »Ruhetag« vor der Tür. Stilecht beginnt dieser dann auch so, wie man ihn sich in seinen kühnsten Träumen nicht schöner hätte ausmalen können: Um 08:00 Uhr ist Wecken! (eigentlich hatte ich mir unter »RUHE-Tag« was anderes vorgestellt).
 
Das Positive vorweg: Die Weckdienst-Mafia scheint nunmehr tatsächlich K.o. gesetzt worden zu sein. Zumindest schlafe ich heute durch.  Allerdings wurden vor dem Schlafengehen nochmal sämtliche Register gezogen. Das Telefon verbleibt nicht nur »entkabelt«, sondern zusätzlich wird auch noch der Hörer bei Seite gelegt und – um auf Nummer sicher zu gehen – das Telefon auf links gedreht und unter den Schreibtisch gelegt. Das sitzt!  Die Task-Force darf sich nun endgültig beglückwünschen. Der Sieg ist nach sieben harten, teils unfairen Kampfrunden eingetütet...

Ein Friseurinnen-Kongress?
 
Bei genauerer Betrachtung verblasst der Glanz dieses glorreichen Erfolgs allerdings recht zügig. Denn wo das »Ausschlafen« jetzt schon ganz gut von sich geht, gestaltet sich das Einschlafen nunmehr problematisch! Nicht dass eine fehlende Grundmüdigkeit ausschlaggebend gewesen wäre, nein, draußen scheint sich nämlich eine Frauengruppe im gehobenen Lebensalter (den frechen bunten Strähnen im Haar nach zu urteilen ein Friseurinnen-Kongress oder sowas ähnliches) gerade stimmungsvoll quer durch die Hotelbar-Karte zu navigieren.
 
Erst noch ganz amüsiert, wie die Damen eine Flachs-Rakete nach der anderen in allerbester Fips-Asmussen-Manier zünden, wird das immer wieder aufbrandende, fast schon ohrenbetäubende Gelächter spätestens ab 1:00 Uhr lästig. Ich werde genötigt, die Fenster zu schließen. Besser zu warm als mit Ohrenschmerzen hellwach im Bett zu liegen.  Nach der kurzen Nacht dann noch flugs das Frühstück eingeworfen, bevor wir dann zur regenerativen Bergwanderung aufbrechen. So ist zumindest der Plan.

Die Teufelsbrücke
 
Denn tatsächlich entpuppt sich diese Wanderung als Mogelpackung! Der regenerative Element lässt sich nur schemenhaft erkennen. Ein Anstieg sondergleichen. Der Puls schnellt zeitweise auf 180. Den Höhepunkt bildet die freihängende »Teufelsbrücke«, bei der vor allem Gonni mit seiner Höhenangst zu kämpfen hat. Für die circa 3000 Höhenmeter brauchen wir letztlich etwas mehr als eine Stunde. Timo R. ist allerdings nicht aufzuhalten und bewältigt die Strecke in der ihm eigenen Art und Weise in gefühlten 6:14 Minuten. Leider vier Sekunden zu langsam. Schade auch. Dafür bekommst du heute leider kein Foto von uns. Trotzdem wirkt er irgendwie glücklich ob des anstrengenden Anstiegs.

>> Bolls Tagebuch: So liefen die Tage 1 bis 4
 
Der Ausblick entschädigt letztlich jedoch für einiges. Die deftige Brotzeit tut ihr Übriges. Der Rest des Tages ist dann zur freien Verfügung...
 
Nächster Termin Medienschulung und Dopingbelehrung am Mittag des darauffolgenden Tages. Ich entschließe mich, mit ein paar Jungs noch das schöne Wetter auf einer Hütte zu zelebrieren. Der Wirt ist spendabel. Ein legendärer Abend ist im vollen Gange...
 
Gute Nacht!

 
 
 
 
 
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