Und der plant einen Streich. Er taxiert den Ball, schätzt die Festigkeit des Griffs, spitzt den Jogimund zum Fuchsmund. Und plötzlich, blitzschnell, fast nicht zu sehen, stupst er ihn an, der Junge zuckt zusammen, doch zu spät, der Ball ist weg. Ein Steal, wie man im Basketball sagen würde.
Der Balljunge fährt erschrocken herum. Was war das? Und er weiß nicht, was er schlimmer finden soll: Dass der Ball futsch ist oder vor ihm mit einem Mal der deutsche Bundestrainer steht. Er geht einen Schritt zurück, aus Angst vor Strafe, dass er diese Prüfung nicht bestanden hat, und zugleich bereit, sie zu empfangen. Eine halbe Sekunde vergeht, höchstens. Und doch dauert es lange, quälend lange, bis Jogi ihm endlich die Hand auf die Schulter legt. Ich bin’s, der Jogi. Entspann dich, Junge. Alles gut. Selbst wenn dir der Ball mal runter fällt. Fehler erlaubt. Er lacht. Der Junge lacht.
Wer das sah, lachte auch. Und er konnte sich nun ein bisschen besser vorstellen, woher die gute Stimmung in der Nationalmannschaft rührte. Die Gelassenheit. Das irgendwie mittelmeerische Denken. 24 Minuten später schoss Mario Gomez das 1:0. Der Ball zappelte im Netz der Niederländer. Vielleicht war es der, den Jogi zuvor geklaut hatte. Bei ihm ist ja immer alles geplant, dachte man. Auch wenn es so leicht aussieht.
Das ist ein halbes Jahr her, einen Balotelli und einen Ibrahimovic. Die Ära Jogi ist zu Ende, die Ära Löw hat begonnen. Der Ernst des Lebens. Das, was niemand wollte. Es ist vorbei, bye, bye, Jogimond.