So ein Jahr, so wunderschön: Jogi und der Balljunge

Es ist vorbei, bye, bye, Jogimond

So ein Jahr, so wunderschön: 11FREUNDE-Mitarbeiter erinnern sich an ihren ganz persönlichen Moment 2012. Dirk Gieselmann erinnert sich an den EM-Moment, der wie kein anderer die Leichtigkeit der Ära Jogi verkörperte. Bevor mit der Ära Löw der Ernst des Lebens begann.

Der glamouröse Impresario einer Künstlergruppe ist binnen Wochen zum Bundestrainer degeneriert, grau und misstrauisch wie seine Vorgänger. Er trägt den Schal nun nicht mehr aus modischen, sondern aus medizinischen Gründen, sucht nach Erklärungen und findet Erkältungen. Redet nicht über Schönheit, sondern über Wechselfehler. Das Ausscheiden gegen Italien im Halbfinale der EM – danach war die Leichtigkeit seines Tuns dahin, das Bejahende, Tänzelnde. Denken wir jetzt, zum Jahresausklang, noch einmal daran, wie es einst war, bevor die Erinnerung daran verblasst. Erinnern wir uns an den 13. Juni 2012.

Nicht mehr lange bis zum Anpfiff. Gleich beginnt das Spiel der Deutschen gegen die Niederländer, von dem gesagt wird, es sei so wichtig, mindestens das wichtigste seit dem gegen die Portugiesen. Woher nimmt Jogi also diese Gelassenheit? Wir können es nicht sagen. Wir können nur sagen: Er hat sie.

Er schlendert durch die Coaching Zone wie Gunter Sachs über die Promenade de la Croisette, richtet den hochgekrempelten Ärmel, richtet die Frisur. Aber was heißt hier »richtet«? Es gibt da nichts zu richten, er überzeugt sich vielmehr vom perfekten Sitz jedes Details an ihm und erfreut sich daran. Er kaut Kaugummi. Geschmacksrichtung Zuversicht.

Dann sieht er den Balljungen.

Der junge Ukrainer steht am Spielfeldrand, den Ball unterm Arm, dienstfertig, allzeit bereit und geradezu bestrickend anständig. Ein guter Junge, man sieht es ihm an. Seine Aufgabe ist nicht schwer, er hat sie geübt: Er muss im gleich beginnenden Spiel dem Einwerfenden den Ball so schnell wie möglich aushändigen. Und doch sieht man ihm die kleine, große Furcht an, etwas falsch zu machen, daneben zu werfen, auszurutschen, sich zum Gespött zu machen von Milliarden von Fernsehzuschauern, die EM zu sabotieren, zu versagen, oh Gott. Sein Blick ist auf den Platz geheftet, dort will er schon jetzt nichts verpassen, er darf nicht versagen, bloß nicht versagen. Er ahnt nicht, dass von hinten Gunter Sachs heran geschlendert kommt.

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