So ein Jahr, so wunderschön: Eintracht Frankfurt

»Wind of Change«

So ein Jahr, so wunderschön: 11FREUNDE-Mitarbeiter erinnern sich an ihren ganz persönlichen Moment 2012. Hier lest ihr, warum sich Eintracht-Frankfurt-Fan Stephan Reich verwundert die Augen reibt – eine ganze Hinrunde lang.

Frankfurter Anhänger mögen mir folgende Analogie bitte verzeihen: Eintracht-Fan zu sein war in den letzten zwanzig Jahren ein wenig so wie die »Scorpions« gut zu finden. Die »Scorpions« waren auch irgendwann mal cool und erfolgreich, hatten ein paar Hits und versandeten dann nach und nach in der eigenen Mittelmäßigkeit. Coolness und Erfolg sind heute höchstens noch als Erinnerung vorhanden. Was bleibt, ist der matter werdende Glanz alter Tage und die Songs von früher, die man ab und an noch hört, wenn man an die gute alte Zeit denkt. Damals, ja, damals.

Von der launischen Diva zum biederen Hausmütterchen

»Damals« war Anfang der Neunziger und ich verliebte mich heftig in eine attraktive und aufregende Frankfurter Mannschaft. Ganz im Nick Hornbyschen Sinne wusste ich natürlich nicht, welche Menge an Schmerz und Ärger damit einhergehen würde. Frankfurt verdaddelte die Meisterschaft 1992, stieg wenig später ab, mal wieder auf, mal wieder ab, mal wieder auf, hielt sich ein paar unspektakuläre Jahre in der ersten Liga, mutierte von der launischen Diva zum biederen Hausmütterchen und stieg erneut ab. Bereut habe ich diese Liebe trotzdem nie.

Nach dem letzten, wirklich unnötigen Abstieg und einem Jahr in der zweiten Liga, das nur durch viel Zynismus und erhöhtem Alkoholkonsum zu ertragen war, stieg die SGE im Sommer wieder in die erste Liga auf. Die Liga, in deren Spitzengruppe sie nach dem Selbstverständnis der meisten Fans gehört. Auch nach meinem. Trainer und Manager krempelten das Team um und verpflichteten junge, unerfahrene Spieler aus der Zweiten Liga oder Bankdrücker aus der ersten, die ich allesamt nur schwer einschätzen konnte. Dementsprechend stand ich der Mannschaft relativ neutral gegenüber. Den Klassenerhalt würde das Team schon irgendwie schaffen, dachte ich und stellte mich auf eine unspektakuläre Saison ein. Als das erste Pflichtspiel im DFB-Pokal gegen Aue 0:3 verloren ging, schwante mir Böses.

Die Punkte purzelten wie reife Früchte

Was dann aber in den folgenden Wochen passierte, war kaum zu glauben. Die Eintracht gewann das Auftaktspiel gegen Leverkusen nach einer begeisternden Leistung mit 2:1. »Willkommen zurück«, kumpelte der Kommentator, während ich in der Fußballkneipe meines Vertrauens saß und skeptisch am Bier nippte. Das konnte doch nicht wahr sein, oder? Konnte es doch.

Von den ersten acht Saisonspielen gewann die Eintracht ganze sieben. Hoffenheim wurde aus dem Sinsheimer Stadion gewatscht. Der HSV um den frisch verpflichteten Rafael Van der Vaart wurde ebenso besiegt wie die gut gestarteten Nürnberger, das Überraschungsteam aus Freiburg oder die immer unbequemen Hannoveraner. Gegen den Deutschen Meister aus Dortmund erreichte man in einem der spektakulärsten Spiele der Saison ein 3:3. Der Herbst kam, die Punkte purzelten wie reife Früchte, und mir tat der Nacken weh vom steten Kopf schütteln.

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