Slomka neuer Trainer bei 96

Neue Kuschelecken

Mirko Slomka wird Nachfolger von Andreas Bergmann bei Hannover 96. Das kommt überraschend, ähnelte er doch in seinem Stil sehr seinem Vorgänger. Doch die Entscheidung kann eine große Chance sein - für alle Beteiligten. Slomka neuer Trainer bei 96 Mirko Slomka wird also neuer Trainer in Hannover. Es ist davon auszugehen, dass er seinen Job anders angeht als bei seiner Inthronisierung im Januar 2006 auf Schalke. Damals fuhr Slomka aus Hannover die A2 hinunter Richtung Gelsenkirchen in der Annahme, seine Kündigung entgegen zu nehmen. Slomka war Adlatus von Ralf Rangnick, der Wochen zuvor nach einer langwierigen Posse mit Rudi Assauer hinausgeworfen worden war.

Seitdem ist einiges passiert und Slomka wurde nicht nur zu einem angesehenen Bundesligatrainer, sondern absoluten Medienprofi. Er wurde im Abendprogramm der ARD in Quizshows mit Prominenten platziert. Zudem stattete ihn die Presse mit dem Etikett des „netten Herrn Slomka“ aus. Slomka galt als Trainer, der auf dem Platz Kuschelecken für wehleidige Profis errichten würde. Im Zuge der WM mit dem Avantgardisten Klinsmann firmierte Slomka als Trainer der neuen Schule, der sich Erkenntnissen der Wissenschaft nicht verschloss.

So schüttelten manche den Kopf, als er Jürgen Freiwald von der Uni Wuppertal in seinen Stab lotste und die Spieler vor Saisonbeginn mit pikanten und privaten Fragen aus dem Reiss-Test konfrontierte. Vor der Saison 2006/07 zwängte Slomka im Trainingslager seine Mannen in T-Shirts mit dem Aufdruck: »Totale Dominanz«. Auch zum Unwillen der eigenen Spieler, Marcelo Bordon äußerte: »Totale Dominanz hat nur Gott.« Allgemein konnte Slomka seinen Ruf als Streichelcoach nie ganz ablegen. Frank Rost soll ihn bei einer Teamsitzung mit »Du Co-Trainer« angesprochen haben.

Slomka hat Bergmanns Erfahrungen schon hinter sich

Alles nicht unbekannt in der heutigen Situation. Mit den gleichen Attributen des mitfühlenden »Spielerflüsterers« mit Autoritätsmangel war Andreas Bergmann behaftet. Umso erstaunlicher, dass ausgerechnet Slomka das schwere Erbe antritt. Doch für Slomka spricht, dass er Bergmanns bittere Erfahrungen schon hinter sich gelassen hat. Immer wieder betonte er, bei Amtsantritt als Cheftrainer bei einem Verein distanzierter zu den Spielern aufzutreten. Dies war nach seiner vorherigen Arbeit unter Rangnick auf Schalke nicht mehr möglich.

Außerdem treten nach den gescheiterten Vertragsverhandlungen beim HSV, Köln und vielen anderen Clubs seine Erfolge in den Schatten. Dabei hat Slomka in dieser Hinsicht durchaus etwas vorzuweisen. Schalke führte er in seiner ersten Saison ins UEFA-Pokal-Halbfinale, im Jahr darauf zur Vizemeisterschaft, wiederum im Jahr darauf ins Viertelfinale der Champions League. Für viele kam Slomkas damalige Demission im April 2008 überraschend, hatte sich die Schalker Mannschaft doch gerade eine Woche zuvor beim FC Barcelona achtbar aus der Affäre gezogen.

Vertraut mit dem Verein

Allerdings geschah dies zu einem Zeitpunkt, als für ständige Beobachter ersichtlich war, dass Slomka die Mannschaft fußballerisch nicht mehr nach vorne bringen konnte und vor allem das Offensivspiel erlahmte. Doch diese hohen Ansprüche werden in Hannover nicht an ihn gestellt. Slomka kann nun das zur Geltung bringen, was man ihm ansonsten immer vorgeworfen hat. Er kann den Spielern von 96 ein Gefühl des Neuanfangs vermitteln und mit seiner Ausstrahlung den Druck der Öffentlichkeit vom Team nehmen.

Außerdem ist er vertraut mit dem Verein, arbeitete jahrelang als Jugend- und später als Co-Trainer bei den Roten. Der Widerspruch, dass ausgerechnet Slomka den glücklosen Bergmann ablöst, erscheint nur im ersten Moment. Denn es ist davon auszugehen, dass er seine Fehler aus seiner ersten Trainerstation nicht mehr wiederholt. Er war knapp zwei Jahre ohne Job in der Bundesliga. Im Fußballgeschäft eine halbe Ewigkeit und viel Zeit zum Nachdenken.

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