09.05.2013

Sir Alex Ferguson im Porträt

Macht & Kontrolle

Seite 2/5: Der größte Trainer aller Zeiten?
Text:
Patrick Barclay
Bild:
Imago

Zunächst wehrte er die Angriffe von Arsene Wengers glänzendem Kurzpass­ensemble FC Arsenal ab, dann wies er José Mourinho und seine gut geölte Kampfmaschine FC Chelsea in die Schranken. Bis heute sind so weitere acht Meistertitel und ein Europapokal dazugekommen, und als im November 2011 sein 25. Jubiläum in Old Trafford begangen wurde, hatte Ferguson sich längst als einer der größten Trainer aller Zeiten etabliert.

Das Erstaunliche ist, dass Ferguson selbst dann auf eine mehr als beachtliche Karriere zurückblicken könnte, wenn er Schottland niemals verlassen hätte. Immerhin hatte er den kleinen FC Aberdeen zu drei schottischen Meisterschaften und im Pokalsiegerwettbewerb der Saison 1982/83 zu einem grandiosen Finalsieg gegen Real Madrid geführt. Auf dem Weg ins Endspiel hatten die Schotten übrigens auch Bayern München ausgeschaltet.

Simple Verhältnisse in Schottland

Ferguson hatte das Glück, in Schottland aufzuwachsen, für einen Jungen wie ihn hätte es keinen besseren Ort geben können. Als Sohn eines Werftarbeiters kam er am letzten Tag des Jahres 1941 in Govan bei Glasgow zur Welt. Der Zweite Weltkrieg tobte noch, doch die Deutschen hatten ihre Luftangriffe auf die nahe gelegenen Werftanlagen und Fabriken eingestellt. Govan war damals ein blühendes Industriezentrum, und der Lärm der Fabriken war Tag und Nacht zu hören. Nach dem Krieg erlebte die Stadt allerdings einen schleichenden Niedergang. Die Werften wurden nach und nach stillgelegt, dennoch erlebten Alex und sein ein Jahr jüngerer Bruder Martin eine glückliche Kindheit. Die Familie bewohnte ein Apartment in einem der damals für Schottland typischen Sandstein-Wohnblöcke. Die Brüder teilten sich eines der beiden Schlafzimmer, ihre Eltern das andere. Es gab eine Toilette, doch die Badewanne musste im Wohnzimmer benutzt werden. Einmal in der Woche wurden die Jungen saubergeschrubbt. Ihre Eltern gaben ihnen einfache Prinzipien mit auf den Weg, die Ferguson viele Jahre später als »die traditionellen Werte der Arbeiterklasse« beschrieb: »Disziplin, gute Manieren, Ehrlichkeit, Anständigkeit«. Seinen Vater bezeichnete er als »redlichen Mann«, zu dessen Lieblingssprüchen die Weisheit zählte: »Wenn etwas wert ist, getan zu werden, dann ist es auch wert, gut getan zu werden.«

»Letztendlich bist du das, was deine Eltern waren.«

Wenn Alex und Martin von der Schule heimkehrten, waren ihre Eltern meistens bei der Arbeit, aber oftmals war die Tür unverschlossen und sie fanden die Nachricht eines Nachbarn, der sich Tee oder Zucker geborgt hatte. Eine weniger beschauliche Seite der Gesellschaft, in der die beiden aufwuchsen, waren die religiösen Spannungen zwischen Katholiken und der protestantischen Mehrheit. Die Fergusons standen darüber: Der Vater von Alex war Katholik, seine Mutter Protestantin. Alex selbst wurde protestantisch erzogen, sollte später aber eine Katholikin heiraten.
In seiner Autobiografie »Managing My Life«, die wenige Monate nach dem Sieg in Barcelona erschien, schrieb Ferguson: »Letztendlich bist du das, was deine Eltern waren.« Sein Vater neigte zu Wutausbrüchen, seine Mutter war stark, »unser Fels«. Beide Charakterzüge treffen auch auf Alex zu, Fairness und gute Manieren blieben indes hin und wieder auf der Strecke.

Der Fußball spielte stets eine zentrale Rolle in seinem Leben. Samstags ging er mit Martin in den Ibrox Park, um die Rangers, traditionell der Klub der Protestanten, spielen zu sehen. Daheim malte er sich dann aus, für die Blauen zu stürmen und Tore zu erzielen. Er kickte auf der Straße, wie es Jungs damals eben taten. Er spielte für seine Schule und die Mannschaften gemeinnütziger Jugendorganisationen, denen er und Martin auf Betreiben ihrer Eltern hin beitraten. Gelegentlich gerieten die beiden dennoch in Prügeleien, was angesichts der vielen Gangs in der Gegend kaum zu vermeiden war.

 
 
 
 
 
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