Sind die EM-Medien notgeil?

»Brüste! Wir brauchen Brüste!«

Unser Autor hat nichts gegen Brüste. Im Gegenteil. Und trotzdem stört ihn die ungezügelte Jagd der übertragenen EM-Medien nach schönen und mindestens halbnackten Frauen im Stadion. Eine Empörung.

Gestern war es mal wieder so weit. Es dauerte seine Zeit, aber dann hatte der Kameramann einen hübschen weiblichen irischen Fan gefunden. Ein blondes Mädchen, fröhlich bemalt mit den irischen Farben, ein weißes Lächeln im Gesicht, das es dann auch prompt dem Kameramann und damit der Großbildleinwand schenkte. Man kann sich das Prozedere in der TV-Regie lebhaft vorstellen. Regisseur: »Brüste, Leute, wir brauchen Brüste!« Kameramann: »Da! In Block E, Platz 45!« Regisseur: »Zoomen!« Kameramann: »Bin dabei, Chef!« Regisseur: »Vollbild, gut so! So, der Ball ist im Aus. Uuund...Action!« Halbnackte irische Blondine im Bild, dem Zuschauer geht daheim die Hose auf.

Eine ordentliche Portion Titten darf nicht fehlen

Ich persönlich habe nichts gegen hübsche Frauen oder Brüste. Natürlich nicht. Aber diese notorische Notgeilheit bei großen Turnieren geht mir auf den Zeiger. Schon 2006 kam offenbar kein Bilderdienst, keine Kamerateam umher, Nahaufnahmen von jubilierenden Nackedeis im Stadion oder beim Public Viewing zu zeigen. Fußball war jetzt schließlich bunt und lustig und eben nackt, da durfte eine ordentliche Portion Titten nicht fehlen.

Inzwischen werden hübsche Mädchen in nationalfarbenen Bikinis, Tops und Hotpants geradezu inflationär verwendet. Gibt man die Kombination »Deutschland Portugal« bei einem gängigen Bilderdienst ein, erscheinen zunächst sage und schreibe 76 Fotos von a.) aufreizend gekleideten Spielerfrauen (ganz weit vorne: die quasi hosenfreie Khedira-Flamme Lena Gercke), b.) aufreizend gekleidete weibliche Stadionbesucher oder c.) eine Mischung aus aufreizend gekleideten Spielerfrauen und Otto-Normal-Fans.

Fazit: Brüste gibt es auch woanders

Dann erst suchen Schweinsteiger und Ronaldo den Nahkampf. Während der Spiele ist es noch schlimmer: Keine Spielunterbrechung, die nicht mit grell geschminkten weiblichen Zuschauern ausgefüllt wird. Und weil nackte männliche Besucher zumeist nicht mehr zu bieten haben, als mit Fingerfarbe beschmierte Bierplautzen, schwenken die Kameras lieber auf die luftig bekleidete Dame dahinter. Es soll Frauen gegeben haben, die durch ihre permanente Busenschwenkerei bei großen Turnieren anschließend Verträge mit Nackedei-Zeitschriften erhielten. Na, wenn das mal nichts ist!

Quietschfidele Partynation statt grimmige Panzerfahrer

Schon klar, bei Welt- oder Europameisterschaften herrschen andere Gesetze. Da soll die Stimmung bunt und laut und ab und an eben auch nackt sein. Ein quietschfideles Völkerfest, sexy noch obendrein. Vielleicht lag es ja auch den deutschen Brüsten, dass Deutschland seit der WM 2006 in der Welt als gastfreundliche Partynation gilt und den kriegstreibenden Panzerfahrer aus den Klischeeschubladen verbannte. Aber: Es geht einem trotzdem auf den Sack. Und sexistisch ist es, nebenbei bemerkt, auch.

Ein Vorschlag zur Güte: Wie wäre es damit, in den kurzen Pausen einfach die zahlreichen Kameras im Stadion zu nutzen, um die Fußballer auf und neben dem Platz in Nahaufnahmen zu präsentieren. Popelt Jogi schon wieder? Lacht Huntelaar, wenn Sturmkonkurrent van Persie eine Chance vergibt? Wie guckt eigentlich Manuel Neuer, wenn der Ball gerade im Aus ist? Wie häufig kratzt sich Wayne Rooney wohl bei Verletzungspausen am Sack? DAS sind doch die Dinge, für die es sich lohnt, auch dann auf den Bildschirm zu gucken, wenn der Ball gerade nicht rollt. Brüste gibt es auch woanders.

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