Siehst du Ballack, so wird das gemacht!

Die schönsten Abschiedsspiele

Weil er dem Bundestrainer und dessen Anhang böse ist, will Michael Ballack offensichtlich auf sein Abschiedsspiel verzichten. Ein grober Fehler! Oh, wie schön ist doch ein würdiges Abschiedsspiel: Love, Peace and De Höhner! Unsere Top Ten. Siehst du Ballack, so wird das gemacht!

1.
Paul Breitner
Dass ein Abschiedsspiel für Paul Breitner kein gewöhnliches Abschiedsspiel werden konnte, war ja schon von vornherein klar. Also brach Karl-Heinz Förster (Weltauswahl) seinem Gegenspieler Kalle del´Haye (Bayern München) bei einem Kopfballduell die Nase, schoss Franz Beckenbauer ein Eigentor (Endstand 3:2 für die Weltauswahl) und durfte Sepp Maier – seit seinem schweren Autounfall im Sommer 1979 kein Profi mehr – nicht bei den seinen alten Kollegen aus München mitspielen (sondern »nur« in der Weltauswahl), weil die gestrengen Betonköpfe beim DFB einem Amateur nicht gestatten wollten, in einer Profi-Mannschaft mitzuspielen. Breitner (»Ich bin zu 85 Prozent Geschäftsmann und zu 15 Prozent Fußballstar«) verdiente trotzdem abzüglich aller Abgaben 600.000 Mark und durfte sich um zwei Uhr morgens im Salon »Cherubin« des Münchener Hotels »Vier Jahreszeiten« auch noch von Kumpel Udo Jürgens berieseln lassen. Nett: Extra für »Freibier-Paule« hatte der Schlagerstar seinen Hit vom »ehrenwerten Haus« sprachlich leicht umgewandelt. Und so grölte die ganze Partyschar: »Er sagte nicht zu allem ja / Er war kein Paulus aus der Bibel / Und auch gewiss kein Saul / kein anderer zeigte so viel Mut / Wie unser ehrenwerter Paul!«

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2.
Johan Cruyff
Es sollte ein Freudenfest werden – und endete in einem »Schlachtfest« (Die Welt). Mit 8:0 rasierte der FC Bayern Gegner Ajax Amsterdam 1978 im Abschiedsspiel für Altmeister Johan Cruyff, ein einmaliger Verstoß gegen den Kodex der heiter-kumpeligen Und-Tschüss-Sausen. Erst später kam heraus: Holländische Fans hatten Breitner und Co. bereits am Flughafen mit wüsten Beschimpfungen empfangen, auf dem Trainingsplatz begrüßte man die Deutschen gar als »Nazi-Schweine«. Die Bayern schworen Rache – und legten den verdutzten Amsterdamern acht Eier ins Nest. Vorschlag zur Güte: Beim nächsten Mal einfach wieder die Weltauswahl einladen.

3.
Pelé
Ozonloch, George W. Bush, Baseball – man kann den US-Amerikaner ja viel vorwerfen, nicht aber, dass sie nicht in der Lage wären, ein Abschiedsspiel zum emotionalen Mega-Event aufzupimpen. 1977 verabschiedete sich mit Pelé der vielleicht beste Fußballer der Welt und das musste natürlich groß gefeiert werden. 75.646 Zuschauer im New Yorker Giant-Stadium waren Zeugen, als der Großmeister zum letzten Mal den (Kunst-)Rasen betrat und den kunterbunten Abend mit einer bewegenden Rede einleitete. Minutenlang kämpfte Pelé mit seinem Schulenglisch und den Tränen, begeisterte letztlich aber mit philosophischen Ergüssen (»In mir stirbt heute ein Stück«) und outete sich dann auch noch als Ober-Hippie. »Liebe ist alles was zählt im Leben«, leitete Pelé seine Schlussworte ein, nur um dann einen »LOVE!«-Wechselgesang mit dem Tribünenvolk anzustimmen. Fußball wurde schließlich auch noch gespielt, in seinem 1363. Spiel gelang dem Brasilianer das 1278. Tor mit einem 30-Meter-Freistoß, Papa Joao Ramos do Nascimento durfte zur Halbzeit das Trikot des Sohnemanns als Geschenk für dessen Privatmuseum entgegen nehmen, der angeschlagene Franz Beckenbauer ruinierte sich fast die ohnehin geschädigte Achillessehne und Ende sangen noch einmal alle Pelés »Farewell-Song«. Geht es denn schöner?


4.
Lew Jaschin
Wenn Klischees klebrig werden wie Eistee mit Honig: 1971 wollte der sowjetische Ausnahmetorwart Lew Jaschin seinen Abschied stilvoll feiern und lud dafür eine »Welt-Elf« nach Moskau. »So aber nicht«, maulten die Offiziellen der FIFA und entschieden im Stile von routinierten Schreibtischtätern: »Die Welt-Elf darf nicht Welt-Elf heißen.« Dieser Name, so die Gag-Apparate des Weltfußballverbands, käme dann doch der »FIFA-Auswahl« zu nahe. Warum auch immer. Jaschins Spiel fand trotzdem statt und die Medien nannten die exklusive Auswahl internationaler Stars einfach? Richtig, exklusive Auswahl internationaler Stars. Würg.

5.
Zico
Als 1990 Brasiliens Weltfußballer Zico leise Servus sagen wollte, war auch »Uns« Kalle Rummenigge eingeladen. Für die »Welt am Sonntag« textete Kolumnist Rummenigge anschließend begeistert: »Ein wunderschöner Abend, um halb zehn noch 28 Grad warm, ein satter, voller Mond am Himmel. Elektrisierende Samba-Rhythmen hallten durch das berühmte Maracana-Stadion.« 200.000 Menschen verabschiedeten den Volksheld, eine »unglaubliche Zahl« fand auch Rummenigge, der die neugierigen Leser dann auch gleich mit einem überraschenden Vergleich überzeugte: »Am Sonntag vor Zicos Abschied sahen lediglich 20.000 den lokalen Fußball-Schlager Fluminense gegen Flamengo. Das Fußball-Paradies Brasilien stirbt.« Amen.

6.
Dieter Müller
Alain Giresse, Jean Tigana, Franz Beckenbauer, Karl-Heinz Rummenigge, Pierre Littbarski, Thomas Häßler, Uwe Seeler, Gerd Müller, Oleg Blochin, Paolo Rossi, Jean-Marie Pfaff, Sepp Maier – die Liste verdienter Spitzenfußballer, die Dieter Müller im Juni 1989 am Bieberer Berg verabschieden wollten, war lang. Dass trotzdem nur 15.000 Menschen dem Spektakel beiwohnen wollten, kommentierte Müller-Kumpel Tigana anschließend gewohnt griffig: »Der Dieter ist ein ganz lieber Mensch. Vielleicht sogar zu lieb«, und meinte damit den Geschäftssinn des Offenbacher Idols, der den Erlös seines Abschiedsspiel generös in eine beeindruckende Pyro-Show und eine ordentliche After-Abschiedsspiel-Sause in einer Frankfurter Edeldisko investierte.

7.
Uli Stielike
Warme Worte müssen erstmal gelernt sein, aber Gilbert Facchinetti, Präsident von Neuchátel Xamax, zeigte Talent, als er im Mai 1989 seinen Spieler Uli Stielike vor 12.300 Zuschauern würdevoll verabschiedete. »Ich habe große Menschen kennengelernt«, sprach Facchinetti mit Tränen in den Augen vor dem Anstoß zwischen Stielikes schweizerischen Arbeitgebers Xamax und der »Equipe des Etoiles«, der »Weltauswahl« (hatte die FIFA nichts dagegen?), »die aber nur mittelmäßige Fußballer waren. Ich habe große Fußballer kennengelernt, die mittelmäßige Menschen waren. Stielike war als Fußballer und Mensch außergewöhnlich.« Schluchz. Als sich Stielike dann nach 71. Minuten auswechseln ließ, Schiri Sandoz zum Abschied die Hand drückte und samt Spielball in die Katakomben entschwand, da heulte sicherlich nicht nur sein Präsident.

8.
Rudi Völler
Welch ein Abschiedsfest für Rudi Völler, immerhin der Mann, der Deutschland zum Weltmeister gestolpert hatte: Bundestrainer Berti Vogts hatte sich was ganz Raffiniertes einfallen lassen und erklärte einfach ein Testspiel gegen Mexiko am 14. Oktober 1992 zu »Tante Käthes« Ehrenrunde. Endergebnis: 1:1. Gähn. Nur einer wird sich an diesen Kick sicherlich noch heute erinnern: Heiko Scholz. Der inzwischen 26-jährige ehemalige DDR-Auswahlkicker durfte gegen Mexiko sein erstes, aber auch letztes Länderspiel bestreiten. »kicker«-Autor Günter Wiese 2008 über den emotionalen Moment der Nominierung: »Die Nationalelf bereitet sich in Freital bei Dresden aufs Spiel vor. Berti Vogts, geplagt von Personalsorgen, geht über den Platz auf Scholz zu, nimmt den damals 26-Jährigen zur Seite – und flüstert: ´Heiko, du spielst morgen!´ Das Herz schlug bummbumm.« Pulitzerpreisverdächtig.

9.
Pierre Littbarski
Kurz vor seinem Wechsel auf die andere Seite des Planeten, wollte sich Kölns Alltime-Dribbler Pierre Littbarski von der großen deutschen Bühne verabschieden. Also lud sein Klub, der 1. FC Köln, alles was Rang und Namen hatte, ins Müngersdorfer Stadion. 20.000 Zuschauer kamen, riefen artig das fix angelernte »Arigato – danke, Litti!« und freuten sich angemessen über das 5:2 ihrer Kölner gegen die »All-Star-Mannschaft« samt Uwe Bein, Lothar Matthäus und Thomas Häßler. Ebenfalls eingeladen: »De Höhner«, die extra für den nach Japan abwandernden Volkshelden ein kleines Liedchen komponiert hatten. Auszüge: »Ich bin ´ne kleine Mann und spiele abjetzt in Japan; Saynonara, Litti, und danke schön, hier in Kölle werden wir uns wiedersehen.« War sicher nett gemeint.


10.
Rudi Wimmer
Was um alles in der Welt den Torwart Rudi Wimmer geritten hatte, zu seinem Abschiedsspiel im Karlsruher Wildpark ausgerechnet den Mann einzuladen, der ihm 20 Jahre lang den Sprung in die Nationalmannschaft verwehrt hatte, wird wohl auf ewig sein Geheimnis bleiben. So es der reine Show-Faktor war, hat Sepp Maier jedenfalls alles dafür getan, seinen Ansprüchen gerecht zu werden. Der Abschiedskick Wimmers im Herbst 1984 geriet zum großen Gag-Feuerwerk des Altmeisters Maier, der die Zuschauer mit einem Potpourri seiner lustigsten Streiche bestens unterhielt. Während also Wimmer einfach nur würdevoll »Tschüss« sagen wollte, stellte sich Maier beim Abstoß auf den Ball, rannte bei Eckbällen der eigenen Mannschaft mit nach vorne und setzte sich bei Angriffen der Kollegen entspannt auf die Ersatzbank. Irre komisch. Wimmer durfte immerhin einen Elfmeter versenken und sich nach 50 Minuten unter Beifall auswechseln lassen. Dass ausgerechnet in seinem letzten Spiel die legendäre halblange Torwarthose riss – geschenkt. KSC-Präsident Roland Schmider nahm den historischen Stofffetzen trotzdem gerührt in Empfang.

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