»Shorty« und seine fliegende Fahne

Der lange Weg des Kurzen

Seit die Nationalelf 1990 ihren letzten Titel holte, begleitet Werner »Shorty« Kurz das Team zu jedem WM-Turnier. Seine Fahne hat der Crailsheimer immer im Gepäck. Doch die FIFA macht ihm zunehmend das Leben schwer.

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Das Ungetüm hat seine Mutter genäht. Irgendwann in den späten Achtzigern, als die deutschen Kicker Vokuhila und Schnauzbart trugen. So wie er selbst, als er im EM-Sommer 1988 volljährig wurde. Der örtliche Malermeister half ihm beim Anbringen der Buchstaben. Seitdem steht da: »Shorty Crailsheim on Tour«.

Als Lothar Matthäus im ersten Gruppenspiel 1990 in San Siro wie ein Wirbelwind auf das Tor der Jugoslawen lossprintete, hing der knapp fünf Quadratmeter große Fetzen das erste Mal bei einer WM am Gitter hinterm Tor. Seitdem hat die Fahne kaum ein Turnierspiel der deutschen Elf verpasst.

Greyhoundbus, Van, Extra-Flug – die Liebe ist groß

Der Schnauzbart ist längst ab und die Frisur mit der Zeit gegangen. Werner »Shorty« Kurz hatte einen guten Job als pharmazeutischer Techniker. »Meine Lebensgefährtin und ich,« sagt er, »führen ein zufriedenes Leben.« Doch wenn das nächste Turnier vor der Tür steht, müssen der 44-Jährige und seine Flagge wieder los.

Gemeinsam sind die beiden 1994 mit dem Greyhoundbus durch die USA gereist. In Frankreich 1998 haben sie von Cannes aus im Van die Spiele des DFB besucht. Und als er 2002 nach der Vorrunde nach Hause musste, drückte »Shorty« das liebgewonnene Stück der Abteilungsleiterin beim DFB-Ticketing in die Hand, die es in seinem Namen bei jedem Zwischenrundenspiel in Südkorea an den Spielfeldbegrenzungen befestigte. Die Sehnsucht war groß, also flog er zum Finale nach Yokohama wieder ein, um den Lappen persönlich zurück nach Deutschland zu überführen.

Die üblichen Stammgäste bei Länderspielen

Deutschland 2006, Südafrika 2010, egal, ob die Jungs aus der Clique mit dabei waren oder »Shorty« den Trip alleine machen musste: »Die Fahne muss hängen«. Er sagt diesen Satz, als sei es seine Bestimmung. Mit sichtbarem Stolz. Dabei ist das ein ziemlicher Stress. Zwei Stunden vor Anpfiff will er spätestens im Stadion sein, damit das er einen adäquaten Platz findet und der Gefährte in Sichtweite hängt. Dafür muss er schnell sein, über Sitzplätze steigen, manchmal sogar ganze Blöcke überwinden.

Bei der WM 2002 musste er von seinem Platz am Spielfeldrand nach dem Match in den Oberrang laufen, um die Flagge zurück zu holen. Gegen den Strom der abwandernden Zuschauer wäre er fast nicht angekommen. Gute Plätze für Spruchbänder sind rar, schließlich gibt es eine ganze Reihe von Fans, die mit ihrem Markenzeichen reisen. »Shorty« kennt viele persönlich, die Stammgäste bei Länderspielen, die mit der Aufschrift ihrer Transparente eins geworden sind: »Menden Sieg«, »Dudenhofen«, »Deizisau« oder »Air Bäron«.

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