Shootingstar Marko Marin

Der Ball ist sein Freund

Jens Lehmann wusste anfänglich nicht, mit wem er es zu tun hatte. Doch jetzt wird er sich diesen Namen eingeprägt haben: Marko Marin. Marko Marin. Marko Marin. Klingt schon ein bisschen nach Weltstar. Das Zeug dazu hat der Junge. Shootingstar Marko MarinImago Marko Marin hat auch diese Eins-gegen-Eins-Situation sauber gelöst, obwohl es eigentlich kein Entrinnen gab. Der kleine Marin, nur 1,68 Meter groß, steckte schon im Schwitzkasten seines Mönchengladbacher Kollegen Sascha Rösler und sollte wie die meisten seiner Mitspieler für den Aufstieg in die Bundesliga seine Haare lassen. »Ich hab mich noch gerettet«, sagt Marin. So ist das häufig bei ihm. Wenn gar nichts mehr zu gehen scheint, findet er doch noch einen Ausweg. »Im eins gegen eins – da ist er der Wahnsinn«, sagt Oliver Neuville, sein Kollege bei Borussia Mönchengladbach und in der Nationalmannschaft.

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Eigentlich sollte diese Saison noch ein Lernjahr für Marko Marin werden. Von Trainer Jos Luhukay wurde er in der Hinrunde häufiger ein- und ausgewechselt und manchmal sogar überhaupt nicht eingesetzt. In der Rückrunde war Marin dann kaum noch wegzudenken aus Borussias Stammelf, seine Leistungen wurden stabiler, sein Spiel effektiver, und jetzt, mit 19 Jahren, steht der in Bosnien geborene Marin vor seinem Debüt in der deutschen Nationalmannschaft. Aber das ist erst der Anfang. Vor einer Woche, zu Beginn der Vorbereitung auf die Europameisterschaft, galt der Mittelfeldspieler noch als Streichkandidat in der Castingshow von Joachim Löw; davon ist längst keine Rede mehr. »Der Kleine ist wahnsinnig positiv«, sagt der Bundestrainer. »Er kann der Mannschaft etwas Besonderes geben.«

Marin suchte immer wieder das Risiko


In Löws ausgeklügeltem EM-Plan ist Marin der Mann für die besonderen Momente. Er ist – Stand heute – zwar nicht als Stammspieler vorgesehen, kann aber als Einwechselspieler ein festgefahrenes Spiel aus der Erstarrung befreien und eine kompakte Defensive mit einem einzigen Dribbling knacken. Löw selbst hat Marin nur einmal beobachtet. Nach zehn Minuten hatte er gesehen, was er sehen wollte: Marin suchte immer wieder das Risiko. »Er macht nicht vier Übersteiger aus Selbstgefälligkeit, sondern weil er am Gegner vorbei will.«

Die Eindrücke im Training haben Löws Einschätzung bestätigt. Marins Bewegungsschnelligkeit mit dem Ball ist so hoch, dass er die Verteidiger schon hinter sich gelassen hat, während die sich noch geeignete Gegenmaßnahmen zurechtlegen. Seinem Spiel haftet nichts Zufälliges an. Wenn Marin eine Flanke schlägt, landet der Ball genau dort, wo er hin soll, und man muss sich nur einmal das Training eines ganz normalen Bundesligisten anschauen, um zu wissen, dass so etwas in Deutschland nicht mehr üblich ist. »Dreimal hintereinander eine punktgenaue Flanke zu schlagen, das ist schon imponierend«, sagt Miroslav Klose. Dabei ahnt er bisher nur, wie sehr er als Stürmer von Marin profitieren könnte. In den Trainingsspielen ist er »leider nur beim Gegner« zum Einsatz gekommen.

In der Jugend hat Marin immer als Zehner in der Zentrale gespielt, bei den Profis kommt er über die linke Seite. »Am Anfang war das schon ungewohnt«, sagt er. »Aber das ist eine super Position.« Er kann nach innen ziehen und mit dem rechten Fuß den Abschluss suchen oder außen vorbei gehen und mit links flanken. Marin ist eigentlich Rechtsfuß, doch sein linker Fuß steht dem rechten qualitativ in nichts nach.

»Er wird ein großer Spieler werden«, sagt Oliver Neuville. »Und das Gute ist: Keiner kennt ihn in Europa.« Nicht mal die eigenen Mitspieler kannten Marin vor einer Woche. Als die Nationalmannschaft vor dem Abflug nach Mallorca von ihrem Ausrüster Strenesse neu eingekleidet wurde, traf Marin zum ersten Mal auf Jens Lehmann. Er ging auf ihn zu, wie es sich gehört, und gab ihm kurz die Hand. Lehmann reagierte sichtlich irritiert: »Ich wusste nicht, ob er von den Strenesse-Leuten war oder von unserer Mannschaft.«

Vermutlich wird man Marin nicht mehr lange vor Europa geheim halten können. Er sagt, wenn es im internationalen Fußball einen Spieler gebe, von dem er sich etwas abschauen könne, sei das Cristiano Ronaldo, »aber ich vergleiche mich ungern mit solchen Spielern«. Seine Vorbilder sind der Montenegriner Dejan Savicevic und Mehmet Scholl. Marin hat sogar noch gegen Scholl gespielt, gleich in seinem zweiten Bundesligaspiel vor einem Jahr, und nach dem Abpfiff sicherte er sich das Trikot seines Idols. Marin hatte ihn schon vor dem Spiel gefragt, und noch heute ist er ein bisschen stolz darauf. Es könnte allerdings gut sein, dass Mehmet Scholl eines Tages stolz darauf ist, ein Trikot von Marko Marin zu besitzen.

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