Sepp Blatter fordert Alkohol- und Rauchverbot

Fußball und Oper

Spätestens seit Nick Hornby weiß man, dass man Tore »reinrauchen« kann. Bloß Sepp Blatter hat im Elfenbeinturm der Fifa wieder nichts mitbekommen und schert mal eben so Fußball, Oper und Theater über einen Kamm.

Aussagen von Fifa-Präsident Sepp Blatter wirken manchmal undurchsichtiger als die Vergabe von WM-Standorten. Letzte Woche sagte Blatter in der Schweizer Boulevardzeitung »Blick« sinngemäß: Der Fußball ist wie eine Oper. Die Oper wiederum ist wie das Theater und ein Konzert. Und alle zusammen sind: Kulturereignisse. Und bei Kulturereignissen darf man bekanntlich nicht rauchen. Oder? Irgendwo in Sepp Blatters Argumentation hatte sich ein Wurm versteckt: »Wir müssen uns jetzt in den Stadien ein bisschen erheben – und damit aufhören.« Noch nie habe er gesehen, »dass in der Oper, im Theater oder auf einem Konzert geraucht würde«.

Apfel-und-Birnen Vergleich und Weißweinschorle in der Theaterpause

Nun stellt sich die Frage, ob der Obmann des Weltfußballverbandes jemals ein Konzert besucht oder bei einer Theatervorstellung in der Pause eine kleine Weißweinschorle eingenommen hat. Anscheinend nicht, denn sonst wüsste Blatter, dass Tabak und Alkohol traditionell Teil von Kulturereignissen sind. Rauchen dient regelmäßig als dramaturgisches Element auf Theaterbühnen und Alkohol hat seinen festen Platz als Genussmittel in Spielpausen – nicht erst seit Hermann Hesses »Steppenwolf« sind Drogen fester Teil des Kulturbetriebes, ganz zu schweigen vom Klischee des rauchenden und trinkenden Künstlers.

Blatters Argumentationsansatz ist jedoch nicht nur inhaltlich falsch, sondern entbehrt auch jeglicher Konversationsmaximen, da derartige Apfel-und-Birnen-Vergleiche vom eigentlichen Problem wegführen, anstatt mit Bezug aufs eigentliche Thema zu argumentieren. Man könnte Forderungen nach Drogenfreiheit durchaus vernünftig rechtfertigen: Mit Horrorbildern von Walter Froschs Abschiedsspiel etwa ließe sich schnell die Gesundheitsschädlichkeit von Glimmstengeln dokumentieren. Auch hätte man staatsmännisch sagen können, dass die gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit, Alkohol als schädliche Droge wahrzunehmen, auch in den Fußballstadien bekämpft werden muss. Stattdessen aber hat Blatter lieber den Fußball mit der Oper verglichen. Dieser Vergleich geht so weit an der Realität vorbei, dass sich eine Frage aufdrängt: Was weiß man über Fußballkultur, wenn man Rauchen im Stadion unter freiem Himmel mit dem Hinweis auf andere kulturelle Institutionen verbieten will? Die Antwort: Nichts.

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