Senhor Didi, Kopfgärtner von Pelé

Der Figaro des Königs

Brasiliens Fußball-Ikone Pelé lässt seit 57 Jahren nur einen Mann an seine Haare: Senhor Didi aus der Hafenstadt Santos. Wir waren auf einen Haarschnitt zu Besuch.

Marco Tripmaker

Es ist nicht die feinste Gegend in der brasilianischen Hafenstadt Santos. Weit weg von den noblen Appartements in Strandnähe, die sich nur vermögende Leute aus São Paulo leisten können. Hier, in der Nähe des legendären Santos-Stadions Vila Belmiro am Canal 2 sind die die kleinen Mehrfamilienhäuser grau und der Putz bröckelt von den Wänden. Straßenhunde bellen ihr Lied, am Horizont ziehen sich die Favelas die Serra do Mar hoch. Über das Küstengebirge hinweg liegt eineinhalb Autostunden entfernt die Mega-City São Paulo mit geschätzt 20 Millionen Einwohnern. Genau weiß das aber niemand. Der kleine Mann auf dem Plastikstuhl nahe der Vila Belmiro hat mit dem Stress des Molochs nichts zu tun. João Araújo, alle nennen ihn nur Senhor Didi, hält gerade ein Nickerchen. Das passt gut, schließlich sind seine Kunden gerade beim Mittagessen. Der 74-Jährige ist der wohl bekannteste Friseur Brasiliens. Seit 1956 schneidet er einem der prominentesten Sportler der Welt die Haare: Edson Arantes do Nascimento: Pelé. O rei. Der König.

»Friseur von Pelé und von Euch auch. Didi«

Gleichmäßiges Grau liegt an diesem Dienstag über Santos. Eine Wetterlage, typisch für die Stadt mit dem größten Hafen Südamerikas - nur schwer können die Wolken über das Küstengebirge abziehen. »Heute ist es recht ruhig. Als wenn die Leute gar nicht aus dem Haus wollen. Normalerweise habe ich sechs Kunden am Tag«, sagt Didi, schiebt den Plastikstuhl bei Seite und betritt sein weiß gekacheltes Geschäft. »Friseur von Pelé und von Euch auch. Didi« steht auf dem großen Ladenschild. Santos-Wimpel, Zeitungsausschnitte, Pelé-Fotos, Aufkleber - Didi‘s Laden könnte leicht mit dem Museum des ruhmreichen Santos FC verwechselt werden. Doch das ist ein paar Meter weiter.

1956 war für João Araújo ein Glücksjahr. Als 17-Jähriger kam er aus Minas Gerais, einem Bundesstaat im Südosten Brasiliens reich an Bodenschätzen, nach Santos und heuerte in einem Friseurgeschäft nahe des Stadions an. »Pelé kam im selben Jahr nach Santos und unterschrieb nach einem Probetraining mit 15 seinen ersten Vertrag«, erinnert sich Didi. Eines Tages stand er plötzlich im Salon. »Er war zunächst nicht sonderlich begeistert, weil ich ja noch ganz neu war und er nicht einschätzen konnte, ob ich mein Handwerk verstehe. Ich sagte: Versuchen wir es. Und wenn es Ihnen gefällt, dann habe ich einen neuen Kunden und Freund«, sagt Didi. Seitdem lässt Pelé nur noch ihn an seine Haare und verlangt immer den gleichen Schnitt. Auch ehemalige Santos-Granden wie Durval, Coutinho, Pepe oder Zito lassen sich noch regelmäßig bei Didi zum Haareschneiden blicken.

»Pelé zahlt natürlich etwas mehr«

Der zweite Kunde des Tages betritt das Friseurgeschäft, das sich direkt neben der Santos-Fankneipe »Zum Deutschen« befindet. »Bom dia Didi. Tudo bem?« »Tudo!« Schon sitzt der Mann mit dem Bart und den lockigen Haaren auf dem Friseurstuhl, den sich Didi angeschafft hat, als er 1970 das kleine Geschäft übernahm. Wenn dieser Stuhl reden könnte. Didi nimmt die Sprayflasche und feuchtet die Haare des Kunden an. Stück für Stück kürzt er die Locken, knappe zehn Euro muss man dafür auf den Tisch legen. »Pelé zahlt natürlich etwas mehr«, sagt Didi über seinen vermögenden Kunden. Pelé, das sei mittlerweile ein riesiges Unternehmen, das aus New York gesteuert werde.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!