Seine schönsten Entlassungen

Peter Neururer comes alive

Imago
Heft #62 01 / 2007
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"Wer Peter Neururer einen längerfristigen Vertrag gibt, kann sich auch gleich unter die
kalte Dusche stellen und die Geldscheine zerreißen. Das ist auch nicht billiger, härtet aber ab und hält gesund." Journalist Andreas Frank fand harte Worte zu Neururers Abgang bei Hannover 96. Dies begründete sich nicht nur auf Peter Neururers berühmt-berüchtigte Verbalbissigkeit, sondern vor allen Dingen auf dessen stolze Arbeitsbilanz: 12 Trainerstationen im Profifußball, zehn davon wurden "im gegenseitigen Einvernehmen" beendet. Wir dokumentieren sie für Euch: Die schönsten Entlassungen des Peter Neururer.


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September - November 87: Cheftrainer Rot-Weiß Essen
"Das letzte Mal, dass ich so hoch verloren hab, war gegen meinen Bruder im Tipp-Kick." Einer von vielen legendären Sätzen des Peter N., hier gefallen nach einer 0:7-Niederlage. Ob dem Präsidium das Armageddon-Ergebnis nicht passte, oder doch vielleicht der nassforsche Ton? Fragen über Fragen, doch nur eine Antwort: Danach mußte Neururer gehen.

April 89 - November 90: FC Schalke 04
Es begann als eine Liebesgeschichte, bei der alle Zeichen auf Glück standen. „Für Schalke würde ich von Aachen aus zu Fuß laufen!“, glühte Neururer, nachdem man ihn von der Alemannia freigekauft hatte. Mit 33 Jahren war er damals einer der jüngsten Fußballlehrer der Bundesligageschichte. Nach dem 4:1-Sieg über Blau-Weiß 90 Berlin, der den Verbleib in der 2. Liga bedeutete, stürmten hunderte Fans das Spielfeld und trugen „Retter“ Peter Neururer auf den Schultern bis vor die Kabine. „Nach Hochzeit und Geburt meines Kindes ist das der größte Tag in meinem Leben“, jubilierte der Trainer.

Im Siegestaumel schenkte Christa Paas, Präsident Eichbergs Lebensgefährtin, Neururer sogar ihren Porsche. Dieser hatte nämlich immer wieder von Eichbergs Turbo geschwärmt. Und der Präsident hatte in Bierlaune versprochen: „Wenn wir die Klasse erhalten, bekommst Du den Wagen.“ Nach der Rettung rief Christa Paas durch den Saal: „Jetzt sollst Du Deinen Porsche haben.“

In der folgenden Saison 90/91 stand man am 17. Spieltag auf dem 2. Aufstiegsplatz. Dennoch wurde Neururer völlig überraschend im November entlassen. Grund, so munkelte man, war die Eitelkeit des Schalker Präsidenten Eichberg, der den Trainerposten mit dem weltmännischen Aleksander Ristic schmücken wollte. Die Fans protestierten, beim Spiel nach der Bekanntgabe Neururers Entlassung blieb ein Block in der Nordkurve leer. Es half nichts: Neururer musste den FC Schalke, seine "Herzensangelegenheit", um es mit einem anderen Trainerphantom der Liga zu sagen, verlassen.

März - Mai 91: Hertha BSC Berlin
Seinen kürzesten Traineraufenthalt hatte Peter Neururer 1991 in Berlin. Ganze zwei Monate lang trainierte er das Team von Hertha BSC Berlin in der 1. Bundesliga. Die ungute Bilanz: Zehn Niederlagen und zwei Unentschieden in zwölf Spielen.

Juli 91 - Juni 93: 1. FC Saarbrücken
Nach seiner Entlassung beim 1. FC Saarbrücken 1993 fuhr er in Christa Paas' Ex-Porsche Cabrio in Badelatschen und Trainingsanzug vor dem Arbeitsamt vor - eine der wenigen Aktionen, die er heute bereut.

April 96 - September 97: 1.FC Köln

"Ich kassiere mein Gehalt bis Juni '98 ganz normal weiter. Ich freue mich über jede Siegprämie, die mein Nachfolger gewinnt," grinste Neururer, stieg in seinen Ford-Jeep und ließ 17 Monate FC hinter sich. Neururer hatte in Köln um die 50.000 DM pro Monat verdient, seine Worte dürften Kölns Manager Rühl den Magen umgedreht haben. Das Verhältnis zwischen Neururer und Rühl war ohnehin nicht wetterfest: "Wir brauchen wieder Leidenschaft im Klub", hatte Rühl medienwirksam nach einer Heimniederlage gefordert, und noch eine Schippe Galle draufgelegt: "Wir brauchen einen fleißigen Trainer, der der Truppe Disziplin und Ordnung beibringt." Harte Kost - Neururer blieb danach fast eineinhalb Jahre ohne Job.


Oktober 99 - August 2000: Kickers Offenbach

Sein Engagement in Offenbach sah Neururer als Intermezzo. "Hier brauchst Du eher einen Wohnwagen als eine Wohnung, so schnell bist Du wieder weg", kommentierte er dröge die Suche nach einer Bleibe. 10 Monate später war es dann soweit, Neururer konnte den Porsche vor den Anhänger spannen, und sich gen Ahlen aufmachen.

September 2000 - November 01: LR Ahlen
Im Jahre 2001 tauften ihn die Fans des westfälischen Provinzklubs LR Ahlen "Peter der Große". Aufgrund "verletzter Eitelkeiten" musst Neururer jedoch nach knapp 14 Monaten den Verein verlassen. Die Kündigung erreichte ihn übrigens dramatischerweise per Telefon: Neururer ließ daraufhin verkünden, er wolle erst einmal "entspannen, Golf spielen und Zeit mit der Familie verbringen." Neururer und ...entspannen? Honi soit qui mal y pense. Als das Telefon das nächste Mal klingelte, war glücklicherweise der VfL Bochum dran. Und seine Familie konnte aufatmen.

Dezember 01 - Mai 05: VfL Bochum
Er führte 2003/04 den VfL Bochum in den Uefa-Cup, tanzte mit den Fans und ließ sich vor der jubelnden Menge medienwirksam den Schnäuzer abrasieren. In der darauffolgenden Saison verpaßte der VfL Bochum jedoch die Gruppenphase im UEFA-Cup - der Knackpunkt für Bochums Absturz. Ein Jahr später mussten die Westfalen zum fünften Mal in der Vereinsgeschichte den Gang in die 2. Liga antreten, und `Peter der Große´ war wieder auf Normalmaß gestutzt. Wie erwartet, trennten sich Neururers und Bochums Wege, trotz Proteste von Seiten der Fans und der Mannschaft. "Spätestens nach zwei Wochen fehlt mir dieser Job," raisonierte Neururer nach seiner Entlassung. "Das Einatmen von Massageöl, das Fühlen von Rasenflächen. Da wird auch eine ganz schlimme Zeit auf meine Familie zukommen. Denn ohne Fußball bin ich, wenn ich überhaupt was wert sein sollte, höchstens die Hälfte wert."

November 05 - August 06: Hannover 96
War es nun ein Rauswurf oder ein Rücktritt? Wie auch immer, Peter Neururer geht als einer der erfolglosesten Trainer von Hannover 96 in die Geschichte ein. Ganze drei Spieltage war die aktuelle Saison jung, da kippte der erste Trainerstuhl und begrub Peter den Gestutzten unter sich. Drei Saisonauftaktpleiten mit insgesamt elf Gegentoren, ein 0:3 daheim gegen Aufsteiger Alemannia Aachen: Es war der schlechteste Saisonstart des Fußball-Bundesligisten Hannover 96 seit 35 Jahren. Forciert hatte Neururer, der seit März mit seinem Team sieglos geblieben war, seinen Abgang durch brisante Aussagen in einem Interview. In der "Sport Bild" erklärte der Coach, die Situation bei `96 sei schlimmer als bei allen anderen Vereinen. Neururer wörtlich: "Hannover ist mein zwölfter Job als Trainer. So wie hier habe ich das noch nie erlebt. Überall gibt es hier Heckenschützen."


In der Bildergalerie: Der Schnauz im Wandel der Zeit

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