16.06.2012

Sebastian Boenisch, im Schatten der BVB-Fraktion

Pumpen auf links

Sebastian Boenisch wurde mit Deutschlands U21 Europameister. Nun spielt er für Polen - und steht in der Kritik. Weil seine Leistungen nicht an die des rechten Flügels heranreichen.

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»Und schon wieder über rechts«, krakeelte Gerd Gottlob durch die Warschauer Schlussphase. Ein dezenter Hinweis, nicht zum ersten Mal. Unten auf dem Rasen mühten sich die Polen, den flinken Russen ein Remis abzutrotzen. Oben in seiner Sprecherkabine mühte sich Gottlob, auch dem letzten TV-Zuschauer begrifflich zu machen, wie gut die rechte polnische Seite ist. Und wie schwach im Vergleich dazu der linke Flügel. Bei keinem Team dieser EM tritt das Ungleichgewicht zwischen hier und da so stark zutage wie bei der Mannschaft von Franciszek Smuda. Rechts wirbelt die schwarz-gelbe Fraktion um Lukasz Piszczek und Jakub Blaszszykowski, links verteidigt Sebastian Boenisch. Ein undankbarer Job.

Ein Tor, natürlich über rechts

Gegen Russland hätte Boenisch in der 7. Minute fast die Führung besorgt. Einen Freistoß rammte der Verteidiger von Werder Bremen mit dem Knie auf das Tor, Wlatscheslaw Malafejew war auf dem Posten. Ein Treffer hätte die Art und Weise, wie Boenisch in den Medien wahrgenommen wird, zweifelsohne aufgewertet. So aber blieben nur zwei Flanken in Erinnerung, die ins Exil der Tartanbahn getrudelt waren, dazu ein leichtfertige Ballverlust kurz vor dem Ende. »Sebastian«, schrie Smuda wütend in die Außenmikrofone, »Sebastian!« Sebastian nickte, Sebastian pumpte. Sebastian sehnte den Abpfiff herbei. Schiedsrichter Stark tat ihm den Gefallen. 1:1 gegen Russland, durch den Treffer von Blaszszykowski. Natürlich über rechts.

Die Thematik um das Leistungsgefälle auf den polnischen Flügeln erinnert rudimentär an die deutsche Gretchenfrage, wer auf der rechten Seite verteidigt, wenn Philipp Lahm links startet. Joachim Löw hat sich für Jerome Boateng entschieden. Anders als Boateng allerdings, der spätestens seit seiner Grätsche gegen Ronaldo die deutschen Fanmeilen erobert hat, blieb Boenisch bisher den Beweis seiner Klasse schuldig. Im Eröffnungsmatch ließ er sich mehrfach überrennen. Wohlgemerkt von den Griechen, die nicht gerade für schnellen Offensivzauber stehen.

Gefärbter Fuchs

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