Schritt für Schritt zum Montagsspiel

Gewöhnung auf Raten

Weil am 1. Mai nicht gespielt wird, legt die DFL das Spiel Bremen gegen Stuttgart auf den Montag. Aus Sicherheitsgründen, wie der Verband sagt? Eher sollen die Fans an zukünftige Anstoßzeiten gewöhnt werden.

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Die DFL hat derzeit wahrlich keinen einfachen Job. Während die Premier League demnächst im Geld schwimmt, stehen die deutschen Kollegen vor der undankbaren Aufgabe, bei der nächsten TV-Rechte-Ausschreibung nachziehen zu müssen. Dummerweise wird es neben »Sky« wohl keinen zweiten Wettbewerber geben, weshalb die DFL dem Sender entgegenkommen muss. Hinzu kommen die Belange der Klubs, der Sponsoren, der Fans – »ein Spagat in alle Richtungen«, so DFL-Chef Christian Seifert im vergangenen Jahr gegenüber der »Welt«. Zuvor hatte er bereits laut über »unpopuläre Maßnahmen« nachgedacht, womit er konkret zwei neue Spieltermine meinte, einen Sonntagmittags, einen am Montagabend. Ein Anreiz der DFL in Richtung des TV-Partners.

Nun sind die TV-Rechte gerade erst ausgeschrieben, und der neue Vertrag tritt auch erst zur Saison 2017/18 in Kraft. Die »unpopulären Maßnahmen« indes kommen gerade schon im deutschen Fußball an, quasi als Testballon. Nachdem vor wenigen Wochen die Partie Eintracht Frankfurt gegen den FC Schalke 04 an einem Sonntagabend um 19:30 Uhr stattfand, obwohl man es auch parallel zum 15:30-Spiel oder wenigstens zum 17:30 Uhr-Termin hätte laufen lassen können, soll nun das Spiel Werder Bremen gegen den VfB Stuttgart am 2. Mai stattfinden. Einem Montag, abends zur besten Sendezeit um 20:15 Uhr. Vor allem für die Stuttgarter ein echtes Ärgernis, schließlich liegen zwischen beiden Städten knapp 600 Kilometer, was vielen Fans die Anreise unmöglich machen dürfte. Sportdirektor Robin Dutt sprach von einer »nicht nachvollziehbaren« Entscheidung, gar von einer »Wettbewerbsnachteil«, dadurch, dass der VfB-Block in diesem wichtigen Spiel eher spärlich besucht sein dürfte.

Wofür genau wurden nochmal die Sonntagsspiele eingeführt?

Dass am ersten Mai deutschlandweit nicht gespielt wird, ist dabei nur logisch: Vor allem in diesen unsicheren Zeiten wäre der Polizei eine solche zusätzliche Belastung kaum zuzumuten. Dass die DFL dennoch auf die Sicherheitslage verweist, ist aber einfach nur ärgerlich. Denn was spräche gegen ein weiteres Samstagsspiel? Bereits im Interview mit der »Welt« sagte Seifert, die geplanten Sonntagmittag- und Montagsspiele –  je fünf pro Saison – seien als »entlastende« Spiele für die Europacup-Teilnehmer geplant. Und wofür genau wurden nochmal die Sonntagsspiele um 15:30 und 17:30 Uhr eingeführt? Aha.

Der Gedanke liegt also nahe, dass weder sicherheitspolitische Bedenken noch Fragen der Regeneration bei den neuen Anstoßzeiten eine Rolle spielen, sondern dass die Fans schrittweise mit den neuen Zeiten konfrontiert werden, sozusagen als Vorgeschmack auf das, was da kommt. Eine Gewöhnung auf Raten. Mit Blick auf Spanien sagte Seifert der »Welt«, dort habe man »für zehn Spiele zehn verschiedene Anstoßzeiten. Ich habe nicht den Eindruck, dass sich dort jemand um mitreisende Fans schert.« Sollten die »unpopulären Maßnahmen« in Deutschland umgesetzt werden, hätte man in der Spitze ein Freitagsspiel, die Samstagskonferenz, das Topspiel, drei Sonntagsspiele und ein Montagsspiel. Macht in der Summe sieben Anstoßzeiten. Von den spanischen Verhältnissen wäre das nicht mehr weit entfernt.

Montagsspiele werden selbstverständlich sein

Zumal nach dem nächsten der übernächste TV-Vertrag kommen wird, Montagsspiele werden darin dann selbstverständlich sein. Und auch der übernächste Vertrag wird nur höhere Erlöse gerieren, wenn eine immer exklusivere Gegenleistung der DFL darin verankert ist – etwa in Form neuer Termine. Und am Ende dieser Entwicklung dürften sehr viele treue Stadiongänger zuhause vor dem Fernseher sitzen.

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