Schon so abgeklärt: Holger Badstuber

Deutsche Sachlichkeit

Holger Badstuber ist das deutsche Wunderkind auf der linken Abwehrseite. Nach nur einer Saison bei den Profis ist der Bayern-Spieler jetzt auch in der Nationalmannschaft gesetzt. Die Trainer schätzen seine deutschen Tugenden. Schon so abgeklärt: Holger Badstuber War ja klar, der Lukas wieder. Als wäre Holger Badstuber, 21, nach seinem ersten Länderspiel nicht schon aufgeregt genug gewesen. Er stellte sich, so will es die Tradition in der deutschen Nationalmannschaft, im Hotel vor die Kollegen und hielt eine kleine Ansprache. Blamiert hat er sich nicht, aber dass Lukas Podolski diese Zeremonie mit seinem Handy aufnahm und das Filmchen bei Youtube ins Netz stellen wollte, fand der Bursche doch etwas unheimlich.

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Natürlich war das nur ein Scherz, was ein bisschen schade ist, denn: Gehört hätte man diesen Badstuber ja schon gern mal, wie er auf all die Nationalspieler einspricht. »Selbstbewusst und abgeklärt für sein Alter« sei der Holger, erzählt Kotrainer Hans-Dieter Flick im WM-Quartier der deutschen Mannschaft. Dann aber erscheint dieser selbstbewusste und abgeklärte Abwehrspieler, die Haare platt auf die Stirn gedrückt, die Augen auf den Boden gesenkt, und bleibt lieber erstmal in der Dunkelheit des Saals stehen.

Er passt hervorragend in die deutsche Viererkette

Man sollte sich nicht täuschen lassen von Holger Badstuber, auf den es an diesem Freitag im zweiten WM-Spiel gegen Serbien sehr viel mehr ankommen wird als beim munteren 4:0 gegen Australien. Mit seiner sachlichen Art passt er hervorragend in die Viererkette, auf deren linker Seite er gesetzt ist. Neben ihm spielen Arne Friedrich, Per Mertesacker und rechts Philipp Lahm. Sie sind alle im Mannschaftsrat und aufgrund ihrer Erfahrung die Chefs im Kader, aber auch sie sind nicht gerade bekannt für kernige Sprüche. Hinten steht deutsche Sachlichkeit. Und ein bisschen Unaufgeregtheit kann gegen Stürmertypen wie Marko Pantelic (Flick: »Ein Schlitzohr«) nicht schaden.

»Die Serben werden mehr über die Außen kommen«, sagt Flick, und weil sie mit Nikola Zigic vom FC Valencia einen 2,02 Meter langen Stürmer in der Spitze haben, der die Flanken auf die Hintermänner ablegen wird, muss die Mannschaft auch auf die Serben in der zweiten Reihe achten. Aber Flick ist nicht bange, »die junge Generation hat Respekt, aber keine Angst«.

Badstuber hört ein bisschen verträumt zu. Vor knapp einem Jahr hat er erstmals bei den Profis des FC Bayern München gespielt, seitdem absolvierte er fast 50 Einsätze für seinen Arbeitgeber – darunter das Finale in der Champions League – und wurde zum WM-Trainingslager nach Südtirol eingeladen. Und weil sich so viele andere Defensivspieler verletzt haben und er den Bundestrainer Joachim Löw überzeugt hat, gehört er nun zur ersten Elf. Bei den Bayern spielt Franck Ribéry vor ihm, in der Nationalmannschaft Lukas Podolski. »Ich spiele mein Spiel«, sagt Badstuber. »Ob mit Franck oder Poldi, es klappt.«

»Ich war der Mittelpunkt des Spiels«

Um das Spiel des etwas schlaksig wirkenden Badstubers verstehen zu können – er kommt bei fast 1,90 Meter Körpergröße auf 78 Kilogramm – , muss man einen Schritt zurückgehen. Bei Bayerns Amateuren spielte er im defensiven Mittelfeld. »Ich war der Mittelpunkt des Spiels«, erzählt Badstuber, »ich musste das Spiel lesen und bin Führungsspieler geworden. Das war die Zeit, in der ich der Spieler wurde, der ich jetzt bin.« Vielleicht nicht so explosiv wie Philipp Lahm, aber mit »einem guten Passspiel in die Spitze«, wie Flick sagt. Die Abwehr profitiert von dieser taktischen Erfahrung. Auch Lahm und Friedrich haben nicht immer schon auf ihren jetzigen Positionen gespielt. Dies ermöglicht ihnen eine gewisse Flexibilität im Spiel und ein Gespür für Gefahrensituationen. Gegen die Serben sollte das nicht schaden.

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