Schiedsrichter-Tauschgeschäfte der Achtziger

72 Mark pro Tag

Jüngst verpflichtete Werder Bremen einen Verteidiger von den Berner Young Boys. So weit, so unspektakulär. Wäre da nicht dieser Name: Francois Affolter. Er erinnert an eine fast vergessene Episode der Bundesligageschichte. Schiedsrichter-Tauschgeschäfte der Achtzigerimago

In Sachen Transferpolitik hatte der SV Werder Bremen in der jüngsten Vergangenheit nicht immer ein glückliches Händchen – zumindest nicht, was die Zusammenstellung einer bundesligatauglichen Abwehrreihe betrifft.

Nachwuchstalent Mikael Silvestre wartet seit fast zwei Jahren auf seinen Durchbruch; der Brasilianer Samuel, der im Winter 2011 geholt wurde, tingelt weiter quer durch halb Europa; der im Sommer verpflichtete und zu Nürnberger Zeiten hoch gelobte Andreas Wolf versucht inzwischen, den AS Monaco vor dem Abstieg in die Drittklassigkeit zu bewahren.

Bruno Galler: Die erste ausländische Pfeife

In welche Richtung sich der im Januar per Ausleihgeschäft verpflichtete Francois Affolter entwickelt, ist noch schwer abzusehen. Dankbar sollte man Klaus Allofs für diesen Transfer jedoch auf jeden Fall sein. Denn der Name des Schweizer Spielers, der ohne das Dazutun des Bremer Sportdirektors wahrscheinlich nie in die deutsche Eliteliga gefunden hätte, erinnert an eine schöne, längst vergessene Episode internationaler Kontaktpflege.

Ab der Saison 1981/82 tauschten der DFB und der Schweizer Fußballverband in schöner Regelmäßigkeit Schiedsrichter aus, die in den jeweils »fremden« Ligen Punktspiele pfiffen. Bruno Galler hatte die Ehre, als erste ausländische Pfeife ein Spiel zu leiten: Am 4. Spieltag besiegte Darmstadt 98 am Böllenfalltor den VfL Bochum mit 2:0.

Rudolf Affolter aus Zürich in Stuttgart

Nur wenige Tage später, am 5. September 1981, kam ein gewisser Rudolf Affolter aus Zürich – im Übrigen nicht verwandt mit dem aus dem zweisprachigen Biel stammenden Neu-Bremer Francois – zu seinem einzigen Einsatz: Borussia Dortmund entführte mit Spielern wie Jürgen Sobieray, Lothar Huber und Manfred Burgsmüller beim 2:0-Auswärtserfolg über den VfB Stuttgart zwei wichtige Punkte im Kampf um Uefa-Pokal-Plätze (auf dem Foto: Schiedsrichtergespann um Rudolf Affolter, daneben Mani Burgsmüller vom BVB und Hermann Ohlicher vom VfB Stuttgart).

Die prominentesten Schweizer der damaligen Schiedsrichtergilde wurden nach Deutschland entsandt: Der mehrmalige WM-Referee Kurt Röthlisberger beispielsweise leitete fünf Spiele, darunter gleich zweimal die Partie Bayern München – Fortuna Düsseldorf; Serge Muhmenthaler, der einst selbst in der höchsten schweizerischen Spielklasse gegen den Ball trat, bevor er zu den erfolgreichsten Schiedsrichtern des Landes avancierte, pfiff vier Bundesligapartien.

Es gab es 72 D-Mark pro Tag

Im Gegenzug pfiffen nicht weniger als 22 Bundesliga-Schiedsrichter ausgewählte Partien in der Schweiz, darunter Größen wie Aron Schmidhuber, Dieter Pauly und der unvergessene und viel zu früh verstorbene Manfred Neuner.

Für das Abenteuer Bundesliga wurden die eidgenössischen Kollegen im übrigen nicht besser und nicht schlechter entlohnt als ihre deutschen Kollegen – Anfang der achtziger Jahre gab es immerhin 72 D-Mark pro Tag.

Mit Galler endete der Schiedsrichteraustausch

In der Saison 1989/90, nach neun Jahren also, endete der Schiedsrichteraustausch. Kurioserweise blieb es Bruno Galler vorbehalten, das bis heute letzte Spiel eines Schweizers in der Bundesliga zu leiten. Jener Galler, mit dem alles an einem warmen Augustabend im Jahre 1981 begann.

Wieder endete die Partie 2:0, diesmal besiegte Borussia Dortmund am 27. Spieltag Waldhof Mannheim. Die Begegnung fand im März 1990 statt – ein Jahr, bevor ein gewisser Francois Affolter das Licht der Welt erblickte.

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