Schiedsrichter Knut Kircher

Die lange Leine

Ob es jemals den perfekten Mittelweg für Fußball-Schiedsrichter geben wird, ist eine Frage für die Ewigkeit. Knut Kircher (TSV Hirschau) ist diesem Idealzustand am Mittwochabend allerdings ziemlich nahe gekommen. Schiedsrichter Knut Kircher Würde Rolf Töpperwien diesen Text verfassen, müsste der erste Satz vermutlich lauten: »Schiedsrichter Knut Kircher vom württembergischen TSV Hirschau...« Glücklicherweise aber ist »Töppi« Zeit seines Lebens dem bewegten Bild treu geblieben, was zum einen dafür gesorgt hat, dass die fußballbegeisterte Nation viel gelernt hat über die Heimatvereine deutscher Schiedsrichter, und zum anderen, dass dieser Text einen halbwegs galanten Einstieg verpasst bekommen hat.

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Knut Kircher also. Der Mann, der das zweite Pokal-Halbfinale zwischen Schalke und Bayern München gepfiffen hat. Ein 1,96 Meter großer Maschinenbauingenieur aus Rottenburg, der die dunkle Schiedsrichterhose immer etwas zu weit Richtung Bauchnabel festzurrt. Das hat nichts mit seinen Fähigkeiten als unparteiischer Leiter eines Fußballspiels zu tun, aber wir beobachten ja nur.

»Knut Kircher vom TSV Hirschau...«

Kircher ist seit 1997 als DFB-Schiri aktiv, seit 2002 darf er in der deutschen Eliteklasse pfeifen und man darf anmerken, dass er in der angesprochenen Pokalpartie am Mittwochabend eines seiner besten Spiele gemacht hat. Dass selbst eingefleischte Schalke-Fans aus der 11FREUNDE-Redaktion nach dem Ausscheiden Ihrer Mannschaft zähneknirschend zugeben mussten, dass die 0:1-Pleite nicht am Schiedsrichter festzumachen sei, spricht für den 120-Minuten-Auftritt von Kircher.

Der hatte zwar keinen Spieler vom Feld schmeißen müssen, keinen Elfmeter gepfiffen oder ein Wembley-Tor korrigiert, Kircher (Hobbys: Skifahren, Radfahren, Inlinen) hatte einfach dafür gesorgt, dass die rasant-rassige Partie zwischen den beiden Traditionsvereinen nur dann unterbrochen wurde, wenn es auch wirklich notwendig war. Mehrmals deutete Kircher nach einem harten Zweikampf an, dass das Spiel weiterzuführen sei, was TV-Beobachter Marcel Reif gleichwohl mehrmals aufschrecken ließ: »Kircher lässt sehr viel durchgehen. Wenn er Pech hat, zu viel.« Reifs Pessimismus in Ehren, aber diesmal täuschte er sich. Die lange Leine des Unparteiischen sahen die Pokalduellanten nicht als Aufforderung, viel mehr als Anreiz für ein sehr körperliches, aber faires Spiel. Selbst ein notorischer Vieltreter, wie Mark van Bommel, nutzte die weiche Regelauslegung von Kircher nicht aus, um das Spiel in seine Einzelteile zu zergrätschen.

Vorteil für die lange Leine

In Deutschland schwärmen die Fußball-Puristen (und davon gibt es viel mehr, als man denkt) immer noch von der englischen Liga und – damit einhergehend – von britischen Fußball-Schiedsrichtern. »Das hätte ein Schiri aus Schottland sicherlich nicht gepfiffen«, urteilen Experten gerne, wenn nach einem kollegialen Bodycheck in einem Bundesligaspiel sofort der schrille Ton der Pfeife ertönt. Eine schöne Vorstellung ist das: So wenige Spielunterbrechungen wie möglich, weil sich Schiedsrichter und Spieler auf einen unausgesprochenen Mittelweg geeinigt haben.

Mit der Realität hat das freilich wenig zu tun. Zu häufig verlieren Schiedsrichter die Kontrolle über den Spielverlauf, was böse tretende Fußballer und eine latent aggressive Stimmung zur Folge hat, die nur mies gelaunte Menschen als angenehm empfinden würden, die auch Kneipenschlägereien einem anständig geführten Wochenende zuordnen würden. Derart gescheiterte Spielleiter bemühen sich fortan umso energischer jegliche Unsportlichkeiten im Keim zu ersticken – und ruinieren damit im schlimmsten Fall ein komplettes Fußballspiel.

Der unausgeprochene Mittelweg als Idealvorstellung

Knut Kircher hat am Mittwoch einen Mittelweg gesucht und gefunden, er ist damit dem Idealzustand recht nahe gekommen. Das liegt an Kirchers Talent und seiner physischen Präsenz (siehe 1,96 Meter Körpergröße) und der daraus resultierenden natürlichen Autorität gegenüber den allesamt kleineren Fußballern. Und natürlich auch an den Spielern von Schalke und Bayern, die Kirchers Signale von Beginn an richtig interpretierten.

Solche Spiele würde sicherlich auch Rolf Töpperwien gerne häufiger kommentieren dürfen. Selbstverständlich nur mit der korrekten Aussprache der jeweiligen Heimatvereine.

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