Scharping, Vogts und der Lügendetektor

Das achte Gebot

Der bulgarische Erstligist Lokomotive Plowdiw schickt seine Spieler und Trainer an den Lügendetektor, um mögliche illegale Spielabsprachen zu verhindern.

Es nicht das erste und sicherlich auch nicht das letzte Mal, dass Fußballer von ihren Arbeitgebern mit dem Lügendetektor gewarnt werden, um so irgendwie Herr der immer dreisteren Spielmanipulation zu werden. Diesmal hat es die Spieler und Trainer des bulgarischen Erstligisten Lokomotive Plowdiw erwischt. Vor einigen Jahren las man solche Meldungen aus Singapur oder Polen. Es ist ein hilfloser, beinahe lächerlicher Versuch, die Schweinereien zu verhindern oder zumindest unkompliziert aufzuklären. Auch der deutsche Fußball hatte seinen Lügendetektor-Fall. Im Mai 1994, die Nationalmannschaft bereitete sich gerade auf die WM in den USA vor, ließ sich der SPD-Politiker Rudolf Scharping im Zuge des beginnenden Wahlkampfes von Reinhold Beckmann in dessen Sendung »ranissimo« verdrahten und befragen. Ein technisch legitimierte Fragestunde mit Folgen.

Frühjahr 1994. Helmut Kohl ist noch immer Kanzler, Berti Vogts noch immer Bundestrainer. Auf die beiden Männer, laut Informationen der »Bild«-Zeitung gute Freunde mit regelmäßigem Telefonkontakt, wartet ein Jahr der Entscheidungen. Vogts soll den amtierenden Weltmeister zur WM in den USA führen – und dort möglichst den Titel verteidigen – , Kohl stellt sich im Herbst 1994 seiner vierten und letzten Bundestagswahl. Auch in der öffentlichen Wahrnehmung weisen Kohl und Vogts erstaunliche Parallelen auf. Selten war es so einfach, sich auf Kosten des Kanzlers und des Nationaltrainers lustig zu machen. Der Hüne Helmut und der Zwerg Berti sind eine Steilvorlage für jeden Kabarettisten.

Und als Kabarettist begreift sich offenbar auch Rudolf Scharping, der Kanzler-Kandidat der SPD. Er fährt Fahrrad und trägt einen Bart, das reicht 1994 schon aus, um cooler als Kohl zu wirken. Als ihn Reinhold Beckmann im Mai in seine quietschbunte Fußball-Plauderrunde »ranissimo« einlädt, lässt sich Scharping nicht zweimal bitten. Fußball! »ranissimo«! Im Wahlkampf will jede Steilvorlage verwertet werden, schließlich fährt Scharping nicht nur Fahrrad und trägt Bart, er hat laut »Bild«-Informationen auch eine respektable Kicker-Karriere zu bieten: »Lautern-Fan Scharping spielte früher in der B-Jugend des SV 1911 Niederlahnstein und ist heute ehrenamtlicher Boss der SG Eintracht Lahnstein.« Was auch cooler ist als Helmut Kohl.

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