11.04.2012

Schalkes nächster Gegner: 11 Dinge über Athletic Bilbao

Messi nicht mal geschenkt

Im Viertelfinale der Europa League spielt Schalke 04 heute Abend gegen Athletic Bilbao. Was weißt du über den Klub, bei dem ausschließlich Basken spielen? Nichts? Kein Problem: Elfmal nützliches Wissen zu Athletic Bilbao. 

Text:
Andreas Bock
Bild:
Imago

1.
Vorweg ein bisschen Statisitik: Seit Ligagründung spielt Bilbao ununterbrochen erstklassig, wurde achtmal Meister und gewann 24 Mal den spanischen Pokal. Der höchste Liga-Sieg aller Zeiten datiert auf den 8. Februar 1931. Damals gewann man 12:1. Gegner: der FC Barcelona. International ist Athletic allerdings weniger erfolgreich, 1977 konnte man immerhin uns Endspiel des Uefa-Cups einziehen, 1957 erreichte man das Viertelfinale des Landesmeistercups. 

2.
Athletic Bilbao setzt ausschließlich Spieler baskischer Herkunft ein und gilt deswegen als Nationalmannschaft des Baskenlandes. Auch Spieler aus dem französischen Teil des baskischen Siedlungsraums dürfen für Athletic spielen – so wie etwa Bixente Lizarazu, der 1996/97 für den Verein auflief. Seit einigen Jahren hat man diese Politik ein wenig gelockert. Die Fans plädieren allerdings weiterhin für eine rein baskische Mannschaft. Im März 2010 wurde unter über 6000 Mitgliedern darüber abgestimmt, ob man die Vereinsstatuten ändern sollte. 93 Prozent stimmten dagegen. 

3.
Wie die Statuten gelockert werden können, wird von Fall zu Fall entschieden. 2009 gab es einen großen Aufschrei, als mit Binke Diabate ein Spieler aus Afrika verpflichtet wurde. Diabate war mit seinen Eltern einst aus Bamako, der Hauptstadt Malis, geflüchtet. Zuvor hatte bereits Jonás Ramalho, Sohn einer Baskin und eines Angolaners, sein Debüt bei den Profis gegeben. Beide Spieler lösten Diskussionen darüber aus, was ein Baske ist und wie er auszusehen hat. Der Afrikaner Blanchard Moussayou wurde einst ebenfalls von Athletic aufgenommen. Er beendete seine Karriere allerdings verletzungsbedingt. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte er einmal zur Zukunft Ramalhos: »Es wird vielen Leuten schwer fallen, ihn zu akzeptieren.«

4.
Fernando Suárez, der Neffe von Adolfo Suárez (einst Ministerpräsident Spaniens), sagte in der Sport Bild einmal: »Warum sollten wir unsere Prinzipien ändern? Ich spreche für alle Fans: Messi nehmen wir nicht einmal geschenkt!« Jupp Heynckes, Bilbao-Trainer von 2001 und 2003, sagte: »Man hat so den Vorteil, dass das Team sehr homogen ist. Dort herrscht ein außergewöhnlicher Teamgeist.« Andoni Zubizarreta, in den Achtzigern Torwart bei Athletic, ergänzte »Ein Athletic-Spieler kann der Freund der Schwester, der Nachbar aus dem fünften Stock oder der einstige Schulkamerad sein.« Schöne Vorstellung.

5.
Unschön indes die Vorstellung, dass es nach wie vor ein Risiko ist, im Athletic-Umfeld den Opfern der Eta zu gedenken. Als etwa der ehemalige Bilbao-Präsident Fernando García Macua zum ersten Mal in der Klubgeschichte im Stadion eine Schweigeminute für ein Opfer der Terrororganisation organisierte, galt er in den Augen der Ultras als Verräter. Die Schweigeminute wurde nach zehn Sekunden niedergeschrien. Auf Transparenten wird außerdem gerne mal die Freilassung gefangener Eta-Mitglieder gefordert. Zur Melodie von »Oh, when the Saints« erklingt der Schlachtruf: »Lasst uns einen Spanier töten.«

6.
Über 100 Jahre liefen die Mannschaften Athletic Bilbaos ohne Trikotwerbung auf. Vor wenigen Jahren beugte man sich allerdings ökonomischen Zwängen. Zur Saison 2008/09 schloss der Klub einen Vertrag mit dem Mineralölkonzern Petronas ab – und erhielt vergleichsweise geringe zwei Millionen Euro dafür. Bei der Präsentation der Trikots kam es zu Fanprotesten.

7.
Als Jupp Heynckes Trainer von Athletic Bilbao war, legte er sich nicht nur einmal mit den Direktoren des Klubs an. Bei einem Auswärtsspiel gegen Atletico Madrid forderten die Athletic-Funktionäre, dass die eigene Mannschaft nur in rot-weiß spielen könne. Das Problem: Atletico Madrid spielt seit jeher ebenfalls in rot-weiß.  Heynckes störte das alles nicht. Er ließ die Männer toben – und schickte seine Mannschaft in blau aufs Feld. Bilbao gewann.

8. 
Ein anderes Mal verlegte Heynckes in Eigenregie das Abendessen von 22 Uhr auf 19:30 Uhr vor. Dieses Mal gingen die Spieler auf die Barrikaden, schließlich isst man in Spanien traditionell immer etwas später. Heynckes fand einen Kompromiss. Das Abendessen fand zwar um 19:30 Uhr statt, doch um 22 Uhr reichte er höchstpersönlich kleine Häppchen und Rotwein. Nachtruhe um 24 Uhr. 

9.
Auch Dragoslav Stepanović arbeitete einst als Trainer von Athletic Bilbao. Auf die Frage, wie er damit umgehe, dass nur Basken in der Mannschaft spielen dürfen, antwortete er: »Ist doch super, Fehleinkäufe gibt's nicht mehr!« Sorge, dass die Spieler ihn nicht verstehen könnte, hatte er auch nicht: »Die Fußballsprache ist international und einfach.« Würden Sie denn was anders machen, als in Deutschland, fragte derKicker: »Nein, die Leute von Bilbao wollen den Stepi, den harten und kompromißlosen Hund, den sie von der Bundesliga her kennen und den sie verpflichtet haben. Das habe ich bei den Verhandlungsgesprächen genau herausgehört.« Nach zwei Monaten besuchte ihn ein Reporter der FAZ, der Klub dümpelte im unteren Tabellendrittel umher. Auf die Frage, was er denn am meisten vermisse, antwortete der ehemalige Frankfurt-Trainer: »Das Babbeln.« Ein halbes Jahr später war er entlassen. Bei seinem letzten Spiel wedelten die Fans mit weißen Tüchern. Diese Geste gilt in Spanien nicht als Abschied – sondern als Zeichen der Unzufriedenheit mit einem Torero.

10. 
Einen Teenie-Hype sondergleichen löste Anfang der neunziger Jahre Julen Guerrero aus. Als sein Entdecker gilt Jupp Heynckes. Bereits nach einer Trainingswoche klopfte der deutsche Trainer beim damaligen Präsidenten Jose Julian Lertxundi an und sagte: »Dieser Junge stellt die Zukunft unseres Klubs dar. In zwei Jahren ist er zehn bis fünfzehn Millionen Mark wert.« Die kommenden Trainingseinheiten flankierten 1500 bis 2000 weiblichen Fans, »weil er gut aussieht und ein leutseliger Typ ist« (Heynckes). Bei Auswärtsfahrten sollen sich Verehrerinnen als Zimmermädchen verkleidet haben, um Guerrero nahe zu sein. Andere versteckten sich in Wäschekörben. 15 Millionen gab es übrigens nie. Guerrero blieb bis zum Ende seiner Karriere Athletic treu und absolvierte 372 Spiele.   

11.
Der aktuelle Star des Teams heißt Fernando Llorente. Der Stürmer spielt seit 2004 bei Athletic und hat in 227 Spielen bislang 77 Tore geschossen. Er tritt außerdem für die baskische Fußballauswahl an. Im November 2010 verkündete Bilbao, dass man ihn verkaufen würde – für läppische 82 Millionen Euro. Ach, und ein Frauenschwarm ist er auch. Das hier ist kein Tagebucheintrag über Marky Mark von 1989: »Gell? Man, man, man … Ein Spanier mit solch blauen Augen, das ist schon etwas … etwas … hmm … schön ist es. :-9 Zwar keine Sommersprossen, aber zu viel auf einmal könnte ich auch nicht ertragen. Dafür lacht er auch ganz süß. :-9«

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