Schalkes Jugendtrainer Norbert Elgert über Özil

»Mesut schleicht sich frei!«

Mesut Özil, ein faules Genie? Schalkes Jugendtrainer Norbert Elgert sieht das anders. Für unsere Reportage über den Arsenal-Profi trafen wir ihn am alten Parkstadion.

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Norbert Elgert, neulich haben Sie gesagt, dass Sie den Begriff »Superstar« nicht mögen. Was ist Mesut Özil dann?
Mesut ist ein sehr bodenständiger Mensch, der einfach großartig Fußball spielen kann.
 
Warum passt Ihnen der Begriff Superstar nicht?
Was ist denn ein Superstar? Das ist eine übertriebene Überhöhung von Menschen, die etwas besonders gut können und damit in der Öffentlichkeit stehen. Der Begriff birgt auch Gefahren. Wer zu schnell in die Umlaufbahn geschossen wird, fliegt unter Umständen noch schneller wieder raus.
 
Sie mögen keine Superlative?
Ich habe nichts gegen lobende Worte. Ich würde Mesut auch in der Kategorie »Weltklasse« einordnen. Aber generell stimmt es schon: Ich bin eher der Coach, der in beide Richtungen Feedback gibt.
 
Nach dem Länderspiel gegen Tschechien hieß es: »Wir haben den besten Mesut Özil seit der Olgastraße gesehen.« An anderen Tagen, etwa während der EM, wird ihm Lustlosigkeit vorgeworfen. Wie nehmen Sie die Beurteilungen und Nachberichte über Ihren ehemaligen Schützling auf?
Es gab etliche Spiele, nach denen ausschweifend über seine Körpersprache diskutiert wurde. Spiele, in denen er angeblich untergetaucht ist. De facto hatte er aber Topwerte. Und sowieso: Schauen Sie doch mal Messi an, der lässt auch die Schultern hängen und explodiert dann.
 
Aber mal ehrlich: Macht es einen Trainer nicht verrückt, wenn sein bester Spieler lethargisch über den Platz schlurft?
Das kann ja auch Taktik sein. Mesut war schon immer ein Spieler, der sich frei schleicht. Der sich zwischen den Linien anbietet, ohne dass seine Gegenspieler es mitbekommen. Außerdem sagt ein Wert wie »Laufleistung« bei Mesut nichts aus. Es kommt schließlich immer auf die Anzahl und Qualität der Sprints an. Und in dem Bereich ist er internationale Spitze. Mesut spielt selten Sicherheitspässe, er geht oft auf Risiko. Zwei, drei Pässe kommen nicht an, mit dem vierten findet er das Nadelöhr und hebt eine ganze Defensive aus den Angeln.
 
Sie nervt also eher die Kritik von vermeintlichen Experten?
Mesut kommt mir tatsächlich oft zu schlecht weg. Es gibt einige Vorgaben, die nur Trainer oder Mitspieler sehen. Selbst ein Fehlpass muss kein Nachteil sein, wenn man den Ball im anschließenden Gegenpressing sofort zurückerobert.
 
Die Kritiker werfen Mesut Özil auch vor, dass er für einen Führungsspieler zu schüchtern sei. Wie sehen Sie das?
Ich würde ihn nicht als schüchtern oder scheu charakterisieren. Er ist keiner, der sich gerne in den Vordergrund stellt. Er ist zurückhaltend, und das ist nichts Negatives. Er führt durch sein Können und seine Spielintelligenz.
 
Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Gespräch mit Özil?
Das ist über zehn Jahre her. Damals begann die Kooperation zwischen dem FC Schalke 04 und der Gesamtschule Berger Feld, die sich im Schatten der Arena befindet. Unter den Schülern, die regelmäßig bei uns trainierten, war auch Mesut Özil. Nach drei oder vier Einheiten habe ich ihn gefragt, wo er herkommt und wo er spielt. Er sagte, er wohne in Gelsenkirchen-Bulmke und spiele bei Rot-Weiss Essen.


2006 gewann Norbert Elgert mit Schalke die A-Jugendmeisterschaft. Im Team u.a.: Ralf Fährmann, Mesut Özil, Benedikt Höwedes und Sebastian Boenisch
 
Sie sollen daraufhin geantwortet haben: »Jetzt nicht mehr. Jetzt bist du Schalker.«
So ähnlich. Ich sagte: »Im nächsten Jahr spielst du bei uns.« Und so kam es auch.
 
Mesut Özils Vater Mustafa war zunächst skeptisch. Warum eigentlich?
Er war sehr fürsorglich und wollte, dass Mesut den richtigen Schritt macht. Ich war überzeugt davon, dass er es bei uns schaffen würde. Letztendlich gaben beide ihr Okay. Ein Jahr später gewannen wir mit der Schalker A-Jugend gegen den FC Bayern die Deutsche Meisterschaft. Und Mesut war neben Benni Höwedes, Sebastian Boenisch oder Ralf Fährmann einer der wichtigsten Spieler der Saison. Unser Spielmacher.

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