Schalker vertreiben NPD-Aktivisten

Von rechts in die Kurve

Die NPD wollte auf der Schalker Meile Wahlkampf machen – und wurde verjagt. Seit den Sicherheitsdebatten im Fußball setzen rechte Gruppen auf Fanthemen. Das führt zu Konflikten in den Kurven.

Die Kurt-Schumacher-Straße in Gelsenkirchen ist lang, sie führt vom Stadtkern bis zum Schalker Stadion. Hier liegt auch die so genannte »Schalker Meile«, die Glückaufkampfbahn, das alte Schalker Stadion, in der Nähe viele Kneipen von Schalker Fan-Clubs. Es ist das Epizentrum der Schalker Fans. Der Namensgeber der Straße, Kurt Schumacher war SPD-Politiker. Die Nazis brachten ihn ins Konzentrationslager, er mahnte in einer viel beachteten Rede 1932:  »Wenn wir irgendetwas beim Nationalsozialismus anerkennen, dann ist es die Tatsache, dass ihm zum ersten Mal in der deutschen Politik die restlose Mobilisierung der menschlichen Dummheit gelungen ist.«

Plakate auf der Schalker Meile

Am Freitagabend wollten NPD-Wahlkampfhelfer auf genau dieser Straße Plakate anbringen. Laut einer Pressemitteilung der Gelsenkirchener Polizei wurden die Wahlkampfhelfer »von 10 - 15 Personen des Schalker Fanclubverbandes wahrgenommen und verbal energisch aufgefordert, die Plakate abzumachen. Gleichzeitig wurden ihnen Schläge angedroht.«

Auf Nachfrage erklärte die Polizei nunmehr, dass sich die Zugehörigkeit der Gruppe zum Schalker Fan-Club-Verband bisher nicht bestätigt habe. Die Gruppe kesselte die beiden NPD-Helfer ein, die daraufhin die Plakate entfernten. Als die beiden in ihrem Auto losfuhren, traten die Schalker Fans den Außenspiegel ab. Die Botschaft war klar: Die NPD ist auf der Schalker Meile unerwünscht.

Aufgebautes Feindbild

Schalker Anhänger treten seit Jahrzehnten energisch gegen rechts auf. Die Fan-Initiative engagiert sich seit über 20 Jahren gegen Rassismus, auch sie ist auf der Schalker Meile beheimatet. Der Verein nahm 1994 als einer der ersten einen Anti-Rassismus-Paragraf in seine Satzung auf. 

Dies alles dürfte auch die NPD mittlerweile wissen. Und dennoch hielt es die Partei nicht von der Plakataktion ab, im Gegenteil: Sie sucht immer häufiger den Weg in den Fußball.

Spätestens seit der Diskussion um das Sicherheitspapier der Fußball-Verbände nutzen Neonazis die Stimmung gegen Politiker, Verbände und Polizei, um für ihre Sache zu trommeln. »Diesen Gruppen geht es darum, über das Sicherheitsthema im Fußball einen rechten Diskurs in den Kurven zu füttern«, sagt Gerd Dembowski, der an der Universität Hannover in der Kompetenzgruppe Fankulturen sitzt. »Die Rechten greifen darauf zurück, dass die Ultras sich als unterdrückt verstehen. Daher bauen sie darauf, mit der Polizei das gleiche Feindbild zu schüren: die Polizei, die Verbände, die Politik der großen Parteien.«

Fan-Bündnis pfeift auf NPD-Solidarisierung

So solidarisierte sich die NPD Thüringen zu Beginn des Jahres in einer Mitteilung mit der organisierten Fanszene. Unter dem Titel »Sport frei! Politik raus aus dem Stadion« teilte sie mit: »Ähnlich wie beim ,Kampf gegen Rechts' setzen die Innenminister auch bei der organisierten Fanszene auf staatlich alimentierte Spitzel und Denunzianten.« Eine Solidarisierung, auf die die Fans gepflegt pfiffen.

Das Bündnis »Pro Fans« reagierte mit einer Stellungnahme: »Unterstützung von rechts? Nein danke!« Darin hieß es: »Ganz offensichtlich meint die NPD ein Thema gefunden zu haben, mit dem sie vor allem bei jungen Fußballfans punkten kann.« Jakob Falk, einer der Sprecher von »Pro Fans«, erklärte: »Dass sich die NPD an unseren Themen und Forderungen bedient, ist für uns absolut nicht hinnehmbar. Eine lebendige und vielfältige Fankultur hat keinen Platz für Nazis und Rassisten.«

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