Schalker Fangruppen wollen Satzung ändern

Mehr Aufsicht über Tönnies

Die großen Fangruppen des FC Schalke wollen die Satzung des Klubs reformieren. Dabei geht es ihnen um mehr Transparenz und Demokratie. Die Pläne könnten auch für den starken Mann im Verein Folgen haben: den Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies.

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Die Fans waren aufgebracht, es gab laute Pfiffe und Buh-Rufe. Bei der Schalker Mitgliederversammlung im vergangenen Juni kochten die Emotionen hoch, auch aufgrund der angedachten Partnerschaft des Vereins mit der umstrittenen Ticketplattform »viagogo«. Clemens Tönnies, Fleischfabrikant und S04-Aufsichtsratsvorsitzender, mahnte immer wieder zur Ruhe. Tönnies kündigte später an: »Ich will die Gräben, die sich zwischen uns auftun, zuschütten - und wenn ich dafür den größten Bulldozer der Welt anschaffen muss.« Er selbst wurde an jenem Tag in seinem Amt wiedergewählt. Doch die Begleitumstände dieser Aufsichtsratswahl verstimmen Teile der Schalker Fanszene.

Zweifel am Wahlausschuss

Der Wahlausschuss hatte seinerzeit nur drei Kandidaten, darunter Tönnies, für die Wahl von zwei Posten zugelassen. Neben Tönnies waren dies ein amtierender und ein früherer Aufsichtsrat, keine Neuen, keine Unbekannten. Die Absage an weitere Bewerber interpretierte mancher Beobachter als Schritt gegen die Kritiker. »Die Opposition wird klein gehalten«, kommentierte der »RevierSport«. In der Folge wurden Zweifel an der Unabhängigkeit des Wahlausschusses laut. Die Kritik: Einige Mitglieder des Gremiums hätten enge Verbindungen zu Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern, also zu Personen, über deren Zulassung sie befinden.

Wie genau diese Zulassung stattfindet oder nach welchen Kriterien, bleibt intransparent. In der Schalker Satzung heißt es gar: »Die Entscheidungen des Wahlausschusses sind nicht zu begründen und unanfechtbar.«

»Der Charakter einer Black Box«

Am Montag nun haben mitgliederstarke Gruppierungen der Schalker Fanszene Anträge auf Satzungsänderungen eingereicht. »Mehr Demokratie im Verein«, heißt es in einer Mitteilung, die von den Ultras Gelsenkirchen, dem Supportersclub und der Schalker Fan-Initiative unterzeichnet wurde.

»Der Wahlausschuss soll künftig nicht mehr das letzte Wort haben«, heißt es in dem Schreiben. Vielmehr sollen nunmehr die Mitglieder auf der Versammlung über die Zulassung befinden. »Diese Befugnis erhöht die Transparenz und nimmt dem Wahlausschuss den oftmals kritisierten Charakter einer ,Black Box`«, so die Fangruppen.

Wie unabhängig ist der Ehrenrat?

Außerdem wollen die Fans das vereinsinterne Schiedsgericht, den Ehrenrat, reformieren. Der Rat soll eigentlich Streit im Verein schlichten und gegebenenfalls Beschlüsse des Vorstandes oder Aufsichtsrates prüfen. So im vergangenen Jahr rund um die Partnerschaft mit »viagogo«. Auch hier ist die Unabhängigkeit des Gremiums ein Thema, denn: Bestimmt werden die Mitglieder des Ehrenrates einzig und allein vom Aufsichtsrat. Die Fans wollen ein Vorschlagsrecht für Mitglieder.

Der Aufsichtsrat rund um den Vorsitzenden Clemens Tönnies müsste sich also bei der kommenden Wahl wohl mehr Gegenkandidaten stellen und müsste in Bezug auf den Ehrenrat Befugnisse abgeben – an die Mitglieder. Mit anderen Worten besagen die Anträge: Mehr Macht dem Volke, mehr Aufsicht über den Aufsichtsrat, also auch über Tönnies. Der Mann, der mit dem Bulldozer die Gräben zuschütten wollte.

Die Schalker Jahreshauptversammlung findet am 4. Mai 2014 statt, dem 110. Geburtstag des Vereins. Es könnte wieder turbulent werden.

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