Schalke-HSV in der Spielanalyse

Verteidiger im Sommerurlaub

Der HSV erinnert an Manchester United, der FC Schalke phasenweise an einen Hühnerhaufen. Das Topspiel vom Sonntag in der Spielanalyse.

Endlich wieder Bundesliga! Unzählige Woche schluckten die Zuschauer Ersatzdrogen in Form von Freundschaftsspielen gegen Achtzehntligisten und Steuerhinterziehungs-Gedächtnispokalen. Jetzt begann die Liga wieder – und der erste Spieltag war torreicher als erwartet. Auf Schalke flutschte der Ball gleich sechsmal ins Netz, nachdem die Abwehrreihen einen Fehler nach dem anderen begingen.

HSV bis zur Pause stärker

Der HSV wählte in der Offensive einen Ansatz, den Sir Alex Ferguson vor einigen Jahren mit Rooney, Tevez und Ronaldo bei Manchester United spielen ließ. Im Angriff gab es keinen festen Stürmer, stattdessen tauschten die vier offensiven Kräfte immer wieder die Positionen. Rafael van der Vaart und Maximilian Beister sowie Hakan Çalhanoğlu und Jacques Zoua interpretierten ihre Rollen flexibel. Mit ihren ständigen Rochaden wollten sie die Ordnung der Knappen durcheinanderwirbeln.

Der Hauptgrund, weshalb der HSV bis zur Pause einen stärkeren Eindruck hinterließ, war jedoch ein anderer: das Pressing. Trotz der Rochaden wussten die Hamburger Angreifer immer, wie sie sich gegen den Ball zu verhalten hatten. Die beiden zentralen Spieler pressten die gegnerischen Innenverteidiger, während sich die Außen an den gegnerischen Flügelverteidigern orientierten. Atsuto Uchida und Christian Fuchs blieben bei ihren Vorstößen nie unbewacht. Wenn die beiden zu ihren typischen Vorstößen ansetzten, blieben Beister und Co. bei ihnen, während sich die Viererkette zusammenschob. Der HSV stand so teilweise in einer Fünfer- oder gar Sechserkette, die aber effektiv die Schalker Stärken auf den Außen neutralisierte.



Schalke hatte über weite Strecken keine Idee, wie sie dieses Pressing umspielen sollten. Die Außenverteidiger kamen nur in der eigenen Hälfte ungestört an den Ball, sodass Schalke durch die Mitte spielen musste. Roman Neustädter und Jermaine Jones (nur 75 Prozent Passgenauigkeit) brachten jedoch wenig spielerische Impulse, sodass die Angriffe meist verpufften. Nur in der Anfangsphase gelang es ihnen einmal, schnell umzuschalten, was zugleich mit dem frühen Tor von Klaas-Jan Huntelaar belohnt wurde (2.).

Danach gab es jedoch fast nur noch Torchancen für den HSV. Rafael van der Vaart alleine legte fünf Torschüsse auf. Die Hamburger kamen besonders gut hinter die Abwehr der Schalker, wenn sie lange Diagonalbälle von der Abwehr auf die Flügel spielten. Dabei gelangten sie manches Mal sogar hinter die aufgerückten Außenverteidiger. Sowohl dem Elfmeterpfiff vor dem 1:1 (12.) als auch dem 1:2 (24.) ging ein Angriff über die Flügel voraus.

Schalke nach der Pause stärker

Dass es dennoch mit einem 2:2 (45.) in die Pause ging, war allein die Schuld der Hamburger Schludrigkeit. Nach einer Ecke funktionierte die Deckung nicht, Huntelaar köpfte ein. Überhaupt war es ein Nachmittag der Fehler: Beim 2:3 (49.) pennte die Schalker Defensive kollektiv bei einer simplen Eckballvariante, beim 3:3 ließ René Adler einen Ball fallen.

Den Schalkern darf dabei zugutegehalten werden, dass sie für den dritten Treffer hart gearbeitet hatten. Der HSV wirkte in der letzten halben Stunde etwas müde und ließ im Pressing nach. Gerade auf den Flügeln hielten die HSV-Spieler mehr Abstand als in der ersten Halbzeit. Schalke-Coach Jens Keller brachte einen zweiten Stürmer, stärkte mit Leon Goretzka die Kreativität der Doppelsechs und ließ mehr Angriffe über Fuchs fahren. So konnten sich die Schalker in der letzten halben Stunde mehr Torschüsse erarbeiten als in den 60 Minuten zuvor.

Das Unentschieden war letzten Endes nach Torszenen gerecht. Die Schalker Verantwortlichen sollte allerdings alarmieren, dass knapp der Hälfte ihrer Torschüsse eine Standardsituation vorausging – überdurchschnittlich viel. Spielerisch und auch im Pressing schien der HSV in der Frühphase der Saison einen Schritt weiter zu sein als die Knappen. Das ist wohl die größte Überraschung nach der eher durchwachsenen Vorbereitung der Hansestädter.

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