Schalke-Hertha in der Spielanalyse

Geistesabwesend. Ideenlos. Abgestiegen?

Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier – steht nun der Abstieg vor der Tür? Nach dem 0:4 auf Schalke hat unser Experte Tobias Escher keine allzu rosige Prognose für Hertha BSC parat.

Samstagnachmittag, frühsommerliches Sonnenwetter in der Bundesrepublik. Als Berliner Anhänger hätte man den Tag so schön am Wannsee verbringen können. Stattdessen reisten knapp 2000 Auswärtsfans quer durch das Land in die Arena aif Schalke. Nur, um dann abermals eine taktisch schwache Leistung ihres Teams miterleben zu müssen.

Den Außenseitern aus Berlin waren von der ersten Minute nicht gewillt, allzu großes Risiko einzugehen. Sie reihten ihre Viererkette tief in der eigenen Hälfte auf und überließen den Schalkern das Spiel. Im Angriff verließen sie sich voll und ganz auf Konter. Dem 17. der Tabelle kann dabei sicher nicht zur Last gelegt werden, dass er gegen einen Champions-League-Kandidaten zu defensiv agiere – es war vielmehr die Tatsache, wie sie es taten, die Hertha-Fans sauer aufstoßen dürfte.

Von wegen: «Attack« – Ottos Elf zu passiv

Die Verteidigung ließ in zu vielen Fällen den Druck auf den Ballführenden vermissen. Schalke konnte in der eigenen Hälfte das Spiel verwalten und in Ruhe den Ball zu ihren Kreativspielern bringen. Die Ballgewinne erfolgten so, wenn überhaupt, tief in der eigenen Hälfte – zu weit weg vom gegnerischen Tor, um schnelle Konter zu fahren. Zumal Berlin nie wirklich Zugriff auf das Spiel bekam – ein Drittel Ballbesitz und nur 55 Prozenz gewonnene Zweikämpfe sprechen eine deutliche Sprache.

Schuld daran war auch, dass in der Offensive der Ball oftmals zu schnell wieder weg war. Je näher Berlin an das gegnerische Tor kam, umso größer wurde die Fehlpassquote. Einzig Sechser Ronny streute ein bis zwei gute Ideen zum Offensivspiel bei, die anderen Akteure agierten im letzten Drittel vollkommen uninspiriert. Über 90 Minuten kamen sie nur einmal im gegnerischen Sechzehner zum Schuss. Wenn man bedenkt, dass sie in dieser Saison noch keinen Treffer von außerhalb des Strafraums erzielten, ist dies eine verheerende Statistik.

Schalke reicht uninspirierte Leistung

Auch seltsam war, wie wenig sich Rehhagel und seine Co-Trainer auf die Schalker Taktik eingestellt hatten. Bei den Königsblauen ließ sich in dieser Partie wie auch in den vorherigen beobachten, dass Jones im Spielaufbau sehr tief stand. Hierdurch wurde aus der Vierer- eine Dreierkette, die Außenverteidiger Atsuto Uchida und Christian Fuchs rückten weiter auf. Gegen solch eine Strategie gibt es mehrere Gegenmittel, doch die Berliner praktizierten weder schnelle Konter über die Räume hinter den aufgerückten Außenverteidigern noch ein aktives Pressing gegen den spielaufbauenden Jones. Auch die Auswechslungen in der zweiten Halbzeit waren allesamt 1:1-Positionswechsel. Taktische Ideen? Fehlanzeige.

So musste Schalke nicht groß glänzen, um zu vier Treffern zu gelangen. Sie konnten sich relativ uninspiriert auf ihr starkes Flügelspiel und die guten Flanken verlassen. Von 20 hohen Hereingaben führten neun zu Torschüssen – mit fast 50 Prozent Flankenverwertung ein sehr starker Wert.

Obwohl Hertha defensiv recht gut die Positionen hielt, waren sie in den entscheidenden Situationen geistesabwesend. Symbolisch hierfür die Leistung Roman Hubniks, der zwei Drittel seiner Zweikämpfe gewann, aber ausgerechnet bei einem hohen Abschlag des Torhüters, einer eigentlich leicht zu verteidigenden Situation, patzte. Da Hertha spätestens nach dem 0:2 psychologisch und damit auch defensivtaktisch auseinanderbrach, durfte Schalke noch nachlegen. Trotz der vier Tore war der interessanteste Moment des Spiels die Verabschiedung Rauls – wohlgemerkt nach dem Abpfiff.

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