Schade, Paul Scholes ist zurück

Taubenscheiße auf dem Denkmal

Im Mai 2011 hatte Manchester-United-Legende Paul Scholes seinen Rücktritt erklärt. Jetzt hat er im FA-Cup gegen Manchester City sein Comeback gegeben. Das hätte er nicht tun sollen, meint Alex Raack und hat Scholes einen offenen Brief geschrieben. Schade, Paul Scholes ist zurück

Lieber Paul Scholes,

kennst Du eigentlich Axel Schulz? Das war einer der besten deutschen Boxer aller Zeiten. Naja, das dachten wir jedenfalls immer alle. 1995, mit knackigen 26 Jahren, trat er gegen den 45-jährigen George Foreman an, haute ihm rundenlang auf die Nase, vergaß allerdings, den alten Mann K.o. zu schlagen. Was die Ringrichter wiederum so irritierte, dass sie Foreman am Ende gewinnen ließen. Es hagelte Klappstühle und Getränkebecher, nie wieder war unser Axel so gut wie damals. 2005, mit inzwischen 37 Jahren, stieg Axel wieder in den Ring. Er gab sein Comeback. Diesmal hagelte es keine Klappstühle, sondern Hiebe. Einer der angeblich besten deutschen Boxer aller Zeiten wurde von einem Niemand namens Brian Minto vermöbelt. Meine Güte, war das peinlich. Und unser Axel gab seinen Rücktritt vom Rücktritt vom Rücktritt bekannt.

37 Jahre, da muss es doch bei Dir klingeln, Paul! Auch Du hast dieses für Leistungssportler biblische Alter erreicht. Du warst noch 36, als Du im Sommer 2011 Deinen Rücktritt erklärt hast. Nach fast 750 Spielen für Manchester United, nach 66 Spielen für England. Nach Meisterschaften, Pokalsiegen, Champions-League-Erfolgen. Du warst ein Großer, viel größer als Axel Schulz. Und als Du gingst, haben wir geweint, jedenfalls ein bisschen. Weil Du eine fantastische Karriere hattest, weil Du ein sensationeller Fußballer warst und weil Du das getan hast, was sich selbst auf der kleinsten Dorfparty bewährt: Du bist gegangen, als es am schönsten war.

Aber jetzt, lieber Paul, bist Du wieder da. Hast den »Rücktritt vom Rücktritt« erklärt. Bist zu Deinem Trainer, Deinem Mentor, Deinem Ziehvater Alex Ferguson gegangen und hast gesagt, dass Du all das vermisst: Den fein gemähten Rasen, die Fans, die Stadien, den Geruch von Kabinenschweiß in der Nase. Die große Bühne Profi-Fußball. Und Dein Trainer hat gesagt, dass er Dich auch vermisst habe und dann seid ihr euch wahrscheinlich in die Arme gefallen oder habt euch kräftig die Hände geschüttelt.

Ein Fehlpass von Paul Scholes!

Klar, dass Du Dein Comeback im Derby von Manchester gegeben hast. Die Fans, Deine Mitspieler, Dein Trainer – alle hatten sie eine Gänsehaut, als Du in der 57. Minute eingewechselt wurdest. FA-Cup, United gegen City, die große Bühne. War es das, was Du vermisst hast? Die Aufmerksamkeit, die Gänsehaut, den besonderen Moment? Vier Minuten später hast Du einen Fehler gemacht, nach einem kurzen Einwurf einen Fehlpass gespielt. Einen Fehlpass, Du! Deshalb fiel das 2:3 für City, deshalb hätten die Blauen das Spiel fast noch gedreht. Aber es ging alles gut. Ihr habt mit 3:2 gewonnen und kein Mensch hat anschließend mehr über diesen Fehlpass gesprochen.

Es geht mir nicht um diesen Fehlpass, Paul. Ich hätte Dir diesen Brief auch ohne das Spiel gegen City geschrieben. Ich freue mich für Dich, ganz ehrlich. Auch ich habe Dich vermisst. Aber ich habe Dich auch gerne vermisst. Nimm das nicht persönlich, aber ich finde es falsch, dass Du Dein Comeback gegeben hast.

Einer, der »Tschüss« sagt und »Tschüss« meint

Du warst ein großartiger Spieler, einer der besten aller Zeiten. Aber gerade deshalb hättest Du Dich zwingen müssen, Deinen Rücktritt auch wirklich ernst zu nehmen. Gerade Du, Paul. Ein Spieler mit Stil. Immer bei ein und demselben Klub. Alle wollten so spielen wie Du. Gradlinig, ehrlich. Ein Fußballer mit Prinzipien. Der A sagt und A meint. Der »Tschüss« sagt und »Tschüss« meint.

Es wird viele geben, die es toll finden, dass Du wieder da bist. Aber das sind Egoisten. Sie denken an sich und den Unterhaltungswert, den ein so vielfach dekorierter Spieler ihnen bietet, wenn er auf einmal wieder da ist. Du wirst nicht auf die Fresse kriegen wie damals Axel Schulz. Deine Gegner heißen weiterhin Liverpool, Manchester City oder Arsenal und nicht Brian Minto. Aber auch du bist 37 und längst nicht mehr so gut wie mit 26 oder 30 oder 32. Du wirst Fehlpässe spielen und man wird sich an diese Fehlpässe erinnern, weil Du schließlich Paul Scholes bist. Der Mann, von dem der beste Mittelfeldspieler der Welt, Barcas Xavi, einst gesagt hat: »Ich wollte immer so sein wie Paul Scholes.« Dein Denkmal, das Du Dir selbst gebaut hast, wird nicht bröckeln. Aber es wird plötzlich voller Taubenscheiße sein, wenn Du verstehst, was ich meine.

Es gibt keine »Best of«-Videos von den schlechten Spielen

Ich drücke Dir jetzt die Daumen, dass Du entgegen meiner Erwartungen doch noch Erfolg hast. Nix verlernt hast, immer noch genauso gedankenschnell und bissig und robust bist, wie zu Deinen besten Zeiten. Schließlich erwarten das die Leute jetzt von Dir, dem Superhelden, den sie seit ein paar Monaten nur noch von schillernden »Best of«-Videos im Internet kennen. Von Deinen richtig schlechten Spielen, Deinen Misserfolgen gibt es keine »Best of«-Videos.

Bleibt nur zu hoffen, dass es Dir nicht ergeht wie unserem Axel. Dessen allerletzten Kampf haben fiese Spötter mit Kommentaren von den »Simpsons« unterlegt. Und ihn damit zu einer Witzfigur gemacht. Die Taubenscheiße hat sein Denkmal zersetzt und zerstört.

Lass es nicht so weit kommen.

Alles Gute,

Dein Alex

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!