Saisonvorbereitung der Redakteure

Der lange Lauf zu uns selbst

Unser neues Bundesliga-Sonderheft ist im Handel – das perfekte Training für die Psyche. Doch wie haben die 11FREUNDE-Redakteure ihre schlaffen Leiber renoviert? Hier erzählen sie von Elektrolyt-Kaffee und Jogging zum Kopierer. Saisonvorbereitung der RedakteureImago
Heft #93 Sonderheft 2009/10
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93
Benjamin Apitius

Mein Kampfname auf dem Platz lautet kurz: Eisensack! Kollege Gieselmanns Version einer Erklärung hierzu: Einmal hätte ich eine butterweiche Flanke von ihm mit meinem Unterleib über die Linie gedrückt. Meine Version: Gieselmann schoss mir eine Ecke dermaßen hart in die Eier, dass der Ball nur zwei Möglichkeiten hatte: Entweder er teilt mich in zwei Stücke, oder er prallt nach vielen mathematischen Gesetzen mit 120 Sachen ins Tor. Eisensack. Hahaaa. In der Folge wurde ich auch Fremden mit diesem sympathischen Namen vorgestellt. Eindruck machte es nie. Für diesen Sommer habe ich also nur ein Ziel: Ich brauche einen neuen Namen. Wirklich vorbereiten kann man sich darauf jedoch nicht.

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Jens Kirschneck

Ich habe mich auf einem medizinischen Ergometer vorbereitet, mit fiesen kleinen Saugnäpfen an mir dran, welche Blutergüsse zurücklassen, die aber angeblich innerhalb von zwei Tagen wieder weg sind. Strampeln bis der Arzt kommt, beziehungsweise in diesem Fall war der/die schon da und sagte mit diabolischen Grinsen zur Sprechstundenhilfe: »Bitte richtig ausbelasten, den Herrn!« Eine Schnapsidee meiner Hausärztin, die glaubt, ich würde jetzt in das Alter kommen, wo man mal überprüfen sollte, ob alles noch richtig tickt. Weiß nicht, was sie meint.


Fabian Jonas

Ich habe mich im Eiscafé Venezia in Kaufbeuren bei Spaghetti-Eis und Weißbier auf die längste Saison aller Zeiten vorbereitet. Dabei jeden Tag einen Aphorismus und ein Gedicht geschrieben und im Aschenbecher wieder verbrannt. Kläglich gescheitert beim Versuch, Vuvuzela zu lernen. Und all das nur, weil Kollege Gieselmann mich nicht mit ins Eiscafé Nevegal nach Diepholz mitnehmen wollte, weil es ihm peinlich sei, mit mir in Lederhosen gesehen zu werden.


René Scheufen

Die kommende Saison wird knüppelhart, die Vorbereitung ist somit die halbe Miete und muss genauestens bedacht sein. Denn wenn van Gaal die Bayern dirigiert, Magath die Schalker diszipliniert und Heynckes Leverkusen erleuchtet, muss die Kondition und das Durchhaltevermögen zu tausend Prozent stimmen – und da kommt das S-Bahn-Chaos in Berlin gerade recht. Der Countdown der nächsten, natürlich verspäteten, Bahn-Ankunft wird damit verbracht, den Bahnsteig auf und ab zu laufen. Doch das ist kein reines, stupides Latschen. Nein, ich übe das traumwandlerisch sichere Um-die-wartenden-Menschen-Herumtänzeln. Ich lasse sie einfach wie Stangen stehen, grinse mal nach links und lächele mal nach rechts. Eine absolut perfekte Saison-Vorbereitung: Es bringt Durchhaltevermögen, Eleganz, und man findet sein inneres Chi. So kann mir mein Lieblingsverein in der nächsten Saison keine runzelige Stirn bereiten, und die Fäuste bleiben vom Auf-den-Tisch-Hauen verschont. Doch das alles funktioniert nur mit einer perfekten Vorbereitung – dank des Berliner S-Bahn-Chaos.

Andreas Bock

Ich bin den Passionsweg vom Bürostuhl über den Fahrstuhl zum Innenhof gegangen – immer wieder. Dabei habe ich mir über Kopfhörer die ersten acht Jahre des bis zum 4. September 2640 andauernden Konzertes »ORGAN²/ASLSP« von John Cage angehört. Denn Ohrwürmer schaffen zwei, drei, viele Tunnelblicke (Olli-Kahn-Methode).



Stephan Henke

Diese Saison fiel die Vorbereitung wegen Hoffnungslosigkeit aus. Bereits der erste Sprint zur Toilette ging in die Hose, der Laktattest brachte Ergebnisse caioschen Ausmaßes zu Tage, von weiteren leistungsdiagnostische Methoden wurde daraufhin abgesehen. Durch die großen Verdienste wurde, ähnlich wie bei Ivan Klasnic oder Bastian Reinhardt, mein Vertrag trotzdem verlängert, die Redaktionsärzte haben ein Aufbauprogramm ausgeklügelt, es geht bereits bergauf.


Tim Jürgens

Ich habe mich beim Friseur vorbereitet. In der Eisdiele. Im ICE. Im P1. Beim Windhundrennen. An der Cote d'Azur. Wo sich ein Mann in meinem Job eben so aufhält. Dabei habe ich sehr, sehr viel Kopfrecherche betrieben. Nachgedacht, wie es kommen könnte, wenn bestimmte Eventualitäten eintreffen würden. Was bleibt einem übrig? Gute Vorbereitung ist alles. Viel Nachdenken soll zudem das Gewinde auf meiner Stirn intensivieren, was angeblich sehr attraktiv wirken soll. Und 50 Prozent der heutigen Stadiongänger sind schließlich Frauen.


Dirk Gieselmann

Ich habe mir einen Zusammenschnitt der größten Massagen von Hermann Rieger reingezogen. Täglich dreimal. Dazu Kaffee auf Elektrolytbasis getrunken. Aaaah! Das erfrischt und gibt Kraft für die neue Saison. Kollege Jonas kann einpacken, mein Mauspfeil wird schneller sein. Wahrscheinlich werde ich noch vor der Winterpause von Betis Sevilla verpflichtet. Hauptsache, Italien.

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