Saisonfinale in der Schweiz

Wie gemalt

Wenn sich der FC Basel einen Spieltag hätte malen dürfen, hätte er wohl so ausgesehen: Basel gewinnt hoch, Bern verliert hoch. Und Alex Frei schießt zwei Tore. Christoph Ries mit dem Protokoll eines gemalten Abends. Saisonfinale in der Schweiz Im Moment, in dem sich der vorletzte Spieltag der Schweizer Liga für den FC Basel zum Perfekten zu wenden beginnt, betreten zwei Herren mit Regenschirmen den Rasen des St. Jakob-Park. Sie laufen Xamax-Spieler Carlos Varela entgegen, der gerade für eine Tätlichkeit Rot kassiert hat und nun Kusshände in Richtung Basler Fankurve wirft. Falls mehr als Kusshände zurückkommt, stehen die Männer mit den Regenschirmen bereit. Doch die 30.000 Fans im St. Jakobs-Park, allen voran die Ultras in der Muttenzer Kurve, kümmern sich nicht um den als leicht provozierbar geltenden Varela. Für Gehässigkeiten ist heute keine Zeit. Der »Schreyhals«, das Fanzine der Muttenzer Kurve, hat das Motto vorgeben: QSchrey dr d Lunge uss em Körper. Mir hole dr Kübel!« Und Muttenz tut wie geheißen.

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Alle reden sie hier vom »Halbfinal«. Am vorletzten Spieltag fehlen Basel drei Punkte fehlen auf Tabellenführer Young Boys Bern. Es waren mal dreizehn. Wenn Basel heute nicht gewinnt, kann Bern mit einem Sieg in Luzern Meister werden. Wenn Basel siegt, kommt es am letzten Spieltag zum Showdown in Bern: Young Boys gegen Basel. Als kurz nach Varelas Abgang der Zwischenstand aus Luzern über die Stadionanzeige flimmert, ist allen im Stadion klar, dass die Entscheidung vertagt ist: Bern liegt mit 0:3 zurück.

Thorsten Fink riskiert viel

Der Basler Trainer Thorsten Fink hat viel riskiert vor diesem Spiel. Benjamin Huggel, Xherdan Shaqiri und David Abraham, allesamt Stammspieler, stehen auf Grund drohender Gelbsperren nicht in der Startelf. Fink will sie schonen für ein mögliches Finale. Der Schweizer Nati-Käptn Alex Frei ist nach seiner Schulterverletzung noch nicht fit und darf allenfalls auf einen Kurzeinsatz hoffen. Die fehlende Kreativität macht sich vor allem ab der Strafraumgrenze bemerkbar. Wie ein Rammbock dreschen die Angriffe der Basler in der ersten Hälfte auf die Abwehrkette von Xamax. Doch der entscheidende Schlag will nicht gelingen. Bis zur 56. Minute.

Nach einer Ecke köpft Cagdas den Ball an die Unterkante der Latte. Gelabert ist zur Stelle und jagt die Kugel im Kung Fu-Schritt über die Linie. Basel führt. Die Wendung zum perfekten Tag für den FCB ist beinahe abgeschlossen. Dann gibt Thorsten Fink seine defensive Schonhaltung auf und bringt Alex Frei. Der Kapitän der Schweizer Nationalelf war zweieinhalb Monate verletzt, einen einzigen Kurzeinsatz im Pokal hat Frei seit Februar absolviert.

Der schönste Moment in der Karriere

Nach dem Spiel im Kabinengang wird Frei vom schönsten Moment seines Comebacks erzählen und beide Tore zum 2:0 und 3:0 auslassen. Kein Wort von der Flanke, die passgenau auf seinen Fuß segelte und die Frei elegant unter die Latte chippte. Kein Wort von dem Moment, als er den Ball im Eins-gegen-eins-Duell am Xamax-Keeper vorbei lupfte und Basel damit einen neuen Torrekord in der Schweizer Liga aufstellte (88 Tore in 35 Spielen). Frei erzählt davon, »wie ich von einem halben Meter Höhe zu Boden fiel und mein Arm keinen Schaden nahm.« Er lächelt nicht einmal dabei. Die Gedanken sind bereits auf den kommenden Spieltag gerichtet, wenn die Young Boys den FC Basel zum Showdown bitten.

Während Alex Frei im Kabinengang des St.-Jakob-Park den Coolen gibt, feiern die Fans draußen den neuen Tabellenführer. Denn Bern verliert mit 1:5 in Luzern. Ein perfekter Tag geht zu Ende.

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