26.02.2014

Russische Hools machen Jagd auf Dortmund-Fans

»Sie waren unglaublich brutal«

Der 4:2-Erfolg von Borussia Dortmund gegen Zenit St. Petersburg hat einen ekligen Beigeschmack: Russische Hooligans machten vor dem Spiel gezielt Jagd auf friedliche Dortmunder Fans.

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imago

Ole ist Fan von Borussia Dortmund und war mit seiner Mannschaft in St. Petersburg. Aber er will seinen richtigen Namen hier nicht lesen, Ole heißt eigentlich anders. Aber das tut nichts zur Sache. Was er und seine Freunde beim Auswärtsspiel in der russischen Stadt erlebt haben, ist tatsächlich so passiert. Und zwar gleich mehrfach. Dass der umjubelte 4:2-Sieg der Dortmunder gegen Zenit teuer erkauft wurde, sah man gestern Abend im Gästeblock: Alle paar Meter standen Fans und erzählten sich von den Horrorgeschichten, die sie wenige Stunden zuvor erlebt hatten. Einige mit blauen Augen, Risswunden im Gesicht und sogar gebrochenen Nasenbeinen. Zwei von Oles Freunden hatten sich erst gar nicht aus dem Hotel getraut – aus Angst vor weiteren Übergriffen russischer Schläger.

Unerwartete Hilfe von Beiersdorfer

Diesen Montag beginnt Oles Geschichte am Flughafen in Hamburg. Dort laufen er und seine Kumpels Dietmar Beiersdorfer über den Weg. Beiersdorfer ist Sportdirektor bei Zenit St. Petersburg, er war in Hamburg, um sich das Spiel seines Ex-Klubs gegen den BVB anzuschauen. Der Sportdirektor und die Fans geraten ins Plaudern. Beiersdorfer erfährt, dass der Gruppe noch eine Karte für das Champions-League-Spiel fehlt. Er bietet spontan seine Hilfe an und gibt den überraschten Dortmundern seine Handynummer: »Meldet euch bei mir, wenn ihr was braucht.«

In St.Petersburg angekommen, bezieht die Gruppe ihr Hotel. Am Montagabend wird in einer nahen Kneipe heftig gebechert. Den Deutschen fällt ein junger Kerl auf, der auffällig unauffällig am Tresen steht. »Der hat uns die ganze Zeit beobachtet«, sagt Ole, »aber nach dem übernächsten Bier haben wir nicht mehr drauf geachtet.«

Die Polizei schaut nur zu

Am Dienstagvormittag brechen sechs Mitglieder auf, um sich die Stadt anzuschauen. Auf einer viel befahrenen Brücke, entdecken die Fans den Mann vom vorherigen Abend. »Er beobachtete uns wieder. Dann holte er sein Handy raus und wählte eine Nummer«, sagt Ole. Wenige Minuten später hören sie laute, wütende Stimmen. Als sie sich umdrehen, stürmen zehn durchtrainierte Männer über die Brücke, sie tragen Quarzsandhandschuhe. Ohne Vorwarnung schlagen sie auf die Dortmunder ein. Drei Fans gelingt die Flucht, zwei aus der Gruppe gehen sofort zu Boden, können sich aber aufrappeln. Einer wird von einem Faustschlag so brutal im Gesicht getroffen, dass er das Bewusstsein verliert und auf dem Asphalt aufschlägt. Mit Fußtritten malträtieren die Angreifer das am Boden liegende Opfer und klauen sein iPhone. Endlich lassen die Schläger von den Deutschen ab und verschwinden so schnell wie sie gekommen waren. Eine auf der anderen Straßenseite stehende Polizeistreife greift nicht ein. »Die müssen uns gesehen haben, ganz sicher«, sagt Ole.

 
 
 
 
 
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