17.01.2013

Rückkehr der Hooligans – Ultras Düsseldorf ziehen sich zurück

Comeback der Gewalt

Seite 4/5: Versuchter Blocksturm in Arena und Gewalttäter-Fotos im Netz
Text:
Johannes Malzcaks
Bild:
Imago

An die Öffentlichkeit gelangten bislang auch die Schlägereien nicht, zu denen sich die von den Rechtsextremisten umworbenen »Bushwhackers« mit anderen Hooligans verabredeten. Auch das war in der Bundesliga-Hinrunde anders, weil sie in der Altstadt randalierten.

Nach dem Spiel gegen den HSV attackierten sie gewaltbereite Hamburger vor der Andreaskirche. Eine Woche später, nach dem Kantersieg über Eintracht Frankfurt, suchten gewaltbereite Fortuna-Fans in der Altstadt die Konfrontation mit der Polizei. 33 kamen in Gewahrsam. Beim Gastspiel der Eintracht im Februar 2012 wäre eine Auseinandersetzung beinahe sogar im Stadion eskaliert: Minutenlang versuchte eine große Gruppe Düsseldorfer Schläger vor den Augen überforderter Ordner ungehindert, den Gästeblock zu stürmen.



Auf der Online-Plattform »Gewalttäter Sport« der international vernetzten Hooligan-Szene dokumentieren die Düsseldorfer mit einem »Mannschaftsfoto« ihres Großaufgebots neue Stärke. Auf etwa 200 Mann schätzen Beobachter die Gruppe und ihr Umfeld mittlerweile. Alt-Hooligans ziehen jüngere Gewaltbereite an und schüchtern Andersdenkende allein durch ihre Präsenz ein. Die »Bushwhackers« rekrutieren für ihre verabredeten Kämpfe mit Schlägertruppen anderer Städte sogar gezielt (ehemalige) Ultras.

Nach außen demonstrieren die Hooligans allen aufmerksamen Zuschauern zuletzt Einigkeit mit gehorsam »unpolitischen« beziehungsweise eingeschüchterten Ultras: Vor dem Angriff auf HSV-Fans scharrten sie nach Informationen der Rheinischen Post in der Düsseldorfer Altstadt Fortuna-Ultras um sich. Im »95erforum« gibt das bekennende »Bushwhackers«-Mitglied »Schwelmer2« die Devise »united« aus: »Düsseldorf United: BWD, Block 160 und UD!«. Ein öffentliches Zeichen für die feindliche Übernahme: Beim letzten Hinrunden-Heimspiel gegen Frankfurt präsentierten die Hooligans ihr großes rot-weißes Banner im Oberrang – das zweite Mal 2012 und direkt neben dem der »Ultras Düsseldorf«.

Die Hooligan-Gruppen wachsen, den Ultras rennen die Mitglieder weg


Die Zahl der UD-Mitglieder soll sich zeitgleich zum Aufschwung der »Bushwhackers« auf etwa 70 halbiert haben. Der Schwund und die Abspaltungen mehrerer Gruppen haben zuweilen persönliche, meist aber politische Gründe. Die deutliche Abgrenzung nach rechts, die UD-Mitglieder noch 2011 im Magazin »Blickfang Ultra« bestätigten, fällt auf Druck der körperlich überlegenen Hooligans zunehmend unter den Tisch. Die Folgen bekamen auch alle anderen Zuschauer im Stadion zu hören: Schlachtrufe wie »Dietmar Hopp, Du Sohn einer Hure« (gegen Hoffenheim) und »Veh, Du Fotze« (gegen Frankfurt) waren früher wegen des antisexistischen Engagements der Düsseldorfer Ultra-Gruppen tabu (Motto: »Hate sexism, love Fortuna«).

 
 
 
 
 
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