17.01.2013

Rückkehr der Hooligans – Ultras Düsseldorf ziehen sich zurück

Comeback der Gewalt

Seite 3/5: Rechte Parolen und Fanstreit um Nazimarke »Thor Steinar«
Text:
Johannes Malzcaks
Bild:
Imago

Das unübersichtliche, aber allgemein zugängliche Forum vermittelt einen Eindruck von der Präsenz der rechten Eindringlinge.

»In Stuttgart waren locker 15 Personen eindeutig rechtsextrem, wobei diese in verschiedenen Gruppen unterwegs waren«, wirft Fortunas Fanbeauftragter, Dominik Hoffmeyer, in die Diskussion zum Thema »Fortuna gegen Nazis« ein. An anderer Stelle bestätigt er Nutzern rechte Parolen und »Nazi-Sichtungen« bei fast jedem Hinrundenspiel.

An die Öffentlichkeit gelangt waren Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Hooligans sowie Rechtsradikalen einer- und Ultra-Mitgliedern andererseits erstmals 2010: Beim Heimspiel gegen Hertha wollten Provokateure das Banner der »Ultras Düsseldorf« während des Spiels entfernen. Im Stadion konnte die Polizei eine Auseinandersetzung verhindern, dafür flogen nach dem Spiel an der Kneipe »Kastanie« die Fäuste zwischen einzelnen Hooligans und Ultras. »Bushwhackers«-Mitglieder beklagten später, sie würden zu Unrecht als Neonazis dargestellt.

Bei einem Düsseldorfer Fan-Turnier läuft ein Spieler mit einem »Thor Steinar«-Shirt auf

Dass der Versuch eines friedlichen Nebeneinanders gescheitert war, zeigte sich Altweiber 2011: Bei einem Angriff junger Hooligans in der Altstadt wurden zwei Ultra-Mitglieder schwer verletzt und wohl auch ein Mitarbeiter des Fanprojektes attackiert. Der Verein, die Dachverbände Supporters-Club Düsseldorf (SCD) und Arbeitskreis Fortuna gründeten mit Fortuna-Fans danach die »Arbeitsgemeinschaft Anti-Diskriminierung«.

Eine erneute Verschärfung des Konflikts deutete sich Anfang 2012 an, als der Fanclub »Metzkausen Hypers« aus dem Supporters Club Düsseldorf (SCD) austrat. Der Dachverband hatte für den Geschmack der Hypers falsch auf einen Vorfall bei einem SCD-Fußballturnier reagiert: Ein Spieler der «Bushwhackers Düsseldorf« war laut Hypers-Mitteilung in einem T-Shirt der Marke »Thor Steinar« angetreten.

Diese dient Neonazis als Erkennungszeichen. Im Stadion ist sie darum seit Jahren ebenso verboten wie im Bundestag. »Wir spielen nicht mit Nazis«, reklamierten nach dem Turnier auch die »Fortuna Metalheads« öffentlich.

Die rechte Parole »Politik aus dem Stadion« kennt der vielfach ausgezeichnete Sportjournalist Ronny Blaschke aus vielen großen Fanszenen. »Die Gleichsetzung von Rechten und Linken nach dieser Devise ist eine kolossale Verharmlosung Rechtsextremer«, sagt er. »Es ist eben ein Unterschied, ob Fans im Stadion menschenverachtendes Gedankengut verbreiten oder sich für Menschenrechte einsetzen.«

»Selbstreinigungskräfte in den Fanszenen wird überschätzt«

Blaschke besucht mit seinem Buch »Angriff von Rechtsaußen« Fanprojekte und -initiativen in ganz Deutschland. Was er bei fast allen Clubs erlebte, bestärkt ihn in der Überzeugung, dass die immer wieder bemühten »Selbstreinigungskräfte in den Fanszenen« überschätzt werden: »Nach fast jeder Diskussion kommen Zuhörer, die berichten, dass auch ihr Stadion entgegen der Mehrheitsmeinung nicht frei von Diskriminierungen durch Rechtsextreme ist.« Vor diesem Hintergrund appelliert er: »Es ist sehr wichtig, die ahnungslose oder schweigende Mehrheit über solche Versuche aufzuklären.«

 
 
 
 
 
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