17.01.2013

Rückkehr der Hooligans – Ultras Düsseldorf ziehen sich zurück

Comeback der Gewalt

Seite 2/5: Hitler-Grüße auf der Tribüne und rechte Zensur
Text:
Johannes Malzcaks
Bild:
Imago

Nach dem 2:2 gegen Schalke am 6. Spieltag beschwerten sich Zuschauer über eine Gruppe von etwa 25 Männern, die im Oberrang aggressiv aufgetreten waren und gemeinschaftlich den Hitler-Gruß gezeigt haben sollen. Ordner meldeten den Vorfall im Block 159. Das bestätigte der Verein ebenso wie »unterschiedliche Beschwerden« über aggressive Zuschauer in den Blöcken 160 und 161. Die eingegangenen Klagen, so Fortuna unter Berufung auf Gespräche mit den Organisatoren der selbst verwalteten Blöcke, richteten sich »nach jetzigem Stand wohl auf Gruppen außerhalb der organisierten Fußballfanszene«.

Eine Woche nach den »Führer«-Grüßen auf der Südtribüne erstattete ein Polizist Anzeige gegen einen Fortuna-Fan, der auf der Anreise zum Auswärtsspiel in Mainz den »Kühnen«-Gruß zeigte. Beim Pokalaus in Offenbach setzte der Ordnungsdienst einen Düsseldorfer fest, der ebenfalls durch das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen aufgefallen war. Zu solchen Vorfällen war es bei Fortuna jahrelang seltener als bei den meisten anderen großen Clubs gekommen. 1895 galt vielen als »zweites St. Pauli«. Dieser Ruf gefällt den im internen ZIS-Bericht erwähnten Rechtsradikalen ebenso wenig wie einigen mit ihnen paktierenden, rechtsoffenen Hooligans.

»Fußball bleibt Fußball, Politik bleibt Politik«?

Die rechten Anstifter gehen gezielt vor. Die bewährte Masche ist die angebliche Entpolitisierung des Stadions, wie sie die vom Bremer Verfassungsschutz als »gewaltbereite Rechtsextremisten« eingestufte Hooliganband »Kategorie C – Hungrige Wölfe« besingt: »Fußball bleibt Fußball, Politik bleibt Politik«. Unter Berufung auf die Parole wollen die Rechtsextremen, zu denen führende Aktivisten der ehemaligen Kameradschaft »Nationale Front Düsseldorf LDU« (die Anfangsbuchstaben der Stadtteile Lichtenbroich, Düsseltal, Unterrath) zählen, antirassistische und antifaschistische Botschaften unterbinden.

Durchsetzungsvermögen verleiht ihnen dabei das Gewaltmonopol der organisierten Hooligans. Diese haben zwar größtenteils politisch gleichgültige Boxsportler in ihren Reihen, darunter bei Fortuna-Fans anerkannte »Sympathieträger«. Ideologien sind diesen egal, ihr Weltbild gründet auf dem Recht des Stärkeren. Nach Rangkämpfen in ihren Reihen aber sind die Gewaltsuchenden nun offenbar anfälliger für das Gedankengut rechter Einflüsterer. Ausdruck dessen ist auch eine Freundschaft mit den Ultras von Atlético Madrid: Die Gruppe »Frente« gilt als ähnlich offen faschistisch und rassistisch wie die Ultras von Lazio Rom.

Ein T-Shirt mit dem Aufdruck »Ultras gegen rechts«? Im Düsseldorfer Block verboten

Zwei Beispiele für die rechte Zensur gegen linke Düsseldorfer Fans: Nach übereinstimmenden Zeugenberichten verbot eine Gruppe am ersten Spieltag in Augsburg einem Fan, ein T-Shirt mit dem Aufdruck »Ultras gegen rechts« im Stadion zu tragen. Bei mehreren Heimspielen sollen Hooligans den Verkaufsstand der Ultras hinter Block 42 kontrolliert haben. Beschwerden über solch eine Einschränkung freier Meinungsäußerung unter Androhung von Gewalt verteidigt im offiziellen Vereinsforum »95er-Forum« der Nutzer »Schwelmer2« öffentlich: Er gibt sich dort mehrfach als Mitglied der Hooligan-Gruppe »Bushwhackers« zu erkennen und pocht auf die »Vereinbarung mit den Ultras (…) sämtliche Politik aus dem Stadion rauszuhalten«.

 
 
 
 
 
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