Roy Keane – der Trainer der Zukunft?

Hier, um gemocht zu werden

Wenger, Mourinho, Ferguson: Die Trainer-Stars in England scheinen vor dem Abschied zu stehen. Eine Chance für Novize Roy Keane vom Sunderland A. F. C., glaubt unser Kolumnist Matthias Paskowsky. Imago
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In der lesenswerten Kurzgeschichte »Walking into the Wind« von John O’Farrell sitzt ein Vater bei seinem fünfjährigen Sohn und erklärt ihm die Komplexität der Welt. Der liegt in der Badewanne, spielt mit seinem primären Geschlechtsorgan und kommentiert die sinnschwere Rede seines Erzeugers mit den Worten: »Schau mal, Daddy, ich kann mit meinem Willie Pokémon-Gesichter machen!«

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So oder ähnlich obsolet muss sich Niall Quinn gefühlt haben, als er in seiner Funktion als Interimscoach des Sunderland A.F.C. im August 2006 aus der Kabine trat. Gerade war die Mannschaft mit einem 0:2 gegen Bury sang- und klanglos aus dem Carling-Cup ausgeschieden, nach den ersten vier Pflichtspielen standen null Punkte auf dem Konto und der Klub rangierte auch in der 2. Liga auf einem Abstiegsplatz. Die Championship-Saison begann also, wie schon die desaströse Premiere-League-Schussfahrt geendet hatte. In den letzten 34 Ligaspielen hatte es 28 Niederlagen gehagelt. Ratlosigkeit regierte. Denn auch Niall Quinn hatte keinen Zugang zur Mannschaft finden können, die Moral lag völlig am Boden. Als Chairman musste er jetzt handeln und zog ein Ass aus dem Ärmel, das die Presse in ersten Kommentaren eher als Pik 7 kategorisieren sollte.

Seine Botschaft ist verständlich, die Handschrift klar

Das Ass heißt bis heute Roy Keane. Gut zwei Jahre ist es her, dass an dieser Stelle ein Loblied auf den Spieler »Keano« angestimmt wurde. Jetzt gibt es den Nachschlag. Denn nie hätte der Verfasser seinerzeit erwartet, dass der Ire derart schnell in einem »Dugout« (eigentlich Schützengraben; bildlich für Trainerbank, Anm. d. Red.) der Premier League Platz nehmen würde. Soeben ist Sunderland wieder aufgestiegen, und Keanes Anteil an der Promotion kann nicht hoch genug eingeschätzt werden: Seit seiner Ankunft im Stadium of Light haben die Mackems 25 von 40 Ligaspielen gewonnen. Mit ruhiger Hand und ohne übermäßig viel Geld in derselben hat Roy Keane die Mannschaft komplett umgebaut. Die Startformation erinnert kaum noch an jene der Prä-Keane-Ära. Zehn Spieler haben den Verein verlassen, zehn neue sind dazu gekommen. Der ehemalige irische Nationalspieler hat dem AFC seinen Stempel aufgedrückt. Sowohl vor der Mannschaft als auch vor der Presse agiert er ebenso unaufgeregt wie bestimmt. Als drei Spieler zu spät am vereinbarten Treffpunkt auftauchten, war der Bus zum Auswärtsspiel beim FC Barnsley bereits ohne sie abgefahren. »Wenn ihnen das in einer Fabrik passiert wäre, hätte man ihnen den Lohn gekürzt oder sie vielleicht sogar entlassen«, kommentierte der Coach seine Entscheidung nüchtern. Seine Botschaft ist verständlich, die Handschrift klar. Nur von der berüchtigten keanschen Kampfhund-Mentalität aus ManU-Zeiten ist so gar nichts mehr zu spüren. Selbst in brenzligen Spielsituationen residiert Keane scheinbar entspannt auf seinem Trainerstuhl und kratzt sich altersweise das Kinn. Dabei hatten die englischen Buchmacher bei seinem Antritt nur lausige Quoten für die Wette zahlen wollen, dass der Novize das Weihnachtsfest nicht mehr an der Wear verbringen würde.

Er hat sie eines Besseren belehrt. In der Tradition seiner beiden großen Lehrer Brian Clough und Alex Ferguson hat er ein Ausrufezeichen gesetzt, das er in der kommenden Saison zur Reputation ausbauen muss. Dann wird Keane in der Premier League unter Feuer zeigen müssen, ob er wirklich das Zeug zu einem Erfolgstrainer hat. In einer Zeit, in der Ferguson, Wenger und Mourinho vor ihrem Abschied zu stehen scheinen, wird Fußballengland sein Wirken aufmerksam beobachten. »Ich bin nicht bei Manchester United, um gemocht zu werden«, hat er als Spieler einmal ins Mikrophon gemault. Wenn er so weiter macht, wird sich das in Sunderland nur schwer vermeiden lassen.

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