19.05.2014

Ronny Rothé, der beste Stadionsprecher Berlins

Der Barde vom Mittelkreis

Berlins populärster Stadionsprecher arbeitet weder im Olympiastadion noch in der Alten Försterei, sondern bei der SG Sportfreunde Johannisthal in der sechsten Liga. Ronny Rothé ist ein Alleinunterhalter alter Westberliner Schule und mit seinen Schlagern sogar bei den Fans der Gegner beliebt.

Text:
Bastian Pauly
Bild:
Jannis Keil

Am Spielfeldrand feiern sie ihn mit Sprechchören, dabei ist er doch nur fürs Begleitprogramm zuständig. »Ronny, Ronny«, schallt es dann über den Kunstrasenplatz am Segelfliegerdamm in Johannisthal, einem unscheinbaren Ortsteil im Berliner Südosten.

Es ist die Bühne von Ronny Rothé, dem Mann am Mikrofon der SG Sportfreunde Johannisthal, abstiegsgefährdet in der Berlin-Liga, sechsthöchste Spielklasse. Stadionsprecher genannt zu werden, obwohl am eng umzäunten Feld nur ein paar hundert Fans Platz finden, das macht ihm so schnell keiner nach. Aber das ist es nicht, weshalb er mit Sprechchören bedacht wird. Nur die Aufstellung runterzubeten und den Spielstand abzufragen, dabei will es Rothé nicht belassen. Zu jedem Heimspiel singt er die Vereinshymne, die er selbst geschrieben hat, und füllt mit seiner Ein-Mann-Musikshow den ganzen Nachmittag. »Ich sage nicht, dass ich singen kann«, sagt er, verwundert über den eigenen Erfolg, »aber was ich da mache, das gefällt den Leuten.«

Die Gästefans jubeln ihm zu

Ronny Rothé, 59 Jahre, grauer Schnäuzer, keckes Grinsen, macht die Musik. Das schätzen sogar die gegnerischen Anhänger. Gegen TeBe Berlin, als immerhin 315 Zuschauer an den Segelfliegerdamm kamen, jubelten ihm die Gästefans trotz des Pausenrückstands für die eigene Mannschaft zu, um nach dem Schlusspfiff neben dem Stadionsprecher fürs Foto zu posieren. TeBe hatte das Spiel in der zweiten Hälfte allerdings auch noch zu einem 5:2 drehen können.

Manchmal hat Rothé den Eindruck, die Falschen anzuspornen. Seine Sportfreunde stehen ganz unten in der Tabelle. »Wir haben keine bösen Absichten«, sagt er über seinen Support, aber wenn alles gut laufe, dann »kriegt der Gegner Angst«. Allzu ernst nehmen muss man das nicht. Ronny Rothé ist ein Alleinunterhalter der alten Schule, zuvorkommend und um kein Wort verlegen. Vielleicht hat er das von seinem Vater. Dem hat er das Talent und den Accent aigu im bühnentauglich frisierten Nachnamen zu verdanken, unter dem Eddie Rothé als Gitarrist und Sänger der Tanzkapelle »Die 3 Travellers« auftrat. Ihren jazzaffinen Schlager spielten die Radiostationen im West-Berlin der Nachkriegsjahre hoch und runter. »Blau-weiße Hertha«, die Travellers-Hymne auf Hertha BSC, läuft heute noch bei jedem Spiel im Olympiastadion.

 
 
 
 
 
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