19.06.2012

Ronaldo findet seine Form

Selbstloser Egoist

Zwei Tore, zwei Pfostenschüsse, etliche Vorlagen. In Gruppe B besiegt Ronaldo die Holländer fast im Alleingang und gibt sich ausnahmsweise als Teamplayer.

Text:
Sven Goldmann
Bild:
Imago

Der kleine große Junge saß mitten auf der Wiese, er winkelte die Beine an und freute sich, dass die Spielkameraden alle ankamen zum Gratulieren, sie herzten ihn und klatschten ihn ab, und der kleine große Junge lachte so befreit, als würde er gerade seinen zehnten Geburtstag feiern.

Cristiano Ronaldo war zufrieden mit sich und der Welt. Und, wichtiger noch, mit Portugal. Und Portugal war zufrieden mit ihm. Das ist so selbstverständlich nicht, denn die Beziehung zwischen Cristiano Ronaldo und Portugal ist keine einfache. Immer wieder werfen sie ihm daheim vor, er nehme die Verpflichtungen für Puurtuuugaaaal nicht so ernst, wie es sich für einen guten Portugiesen gehöre, wo er doch für Real Madrid ein Tor nach dem anderen schieße. So viele, dass es im Nationaltrikot für den Titel des Europameisters reichen müsste, mindestens.

Geck mit zu viel Gel im Haar

Am Sonntagabend hat der prominenteste aller Portugiesen das wahrscheinlich beste Länderspiel seiner Karriere gemacht. Er hat den nicht ganz so unbedeutenden Gegner Holland ganz allein besiegt, mit seinen Finten, Flankenläufen und mit seinen Toren, es waren zwei zum 2:1-Sieg, gleichbedeutend mit der Qualifikation für das EM-Viertelfinale.

Cristiano Ronaldo ist ein großartiger Fußballspieler mit einer nicht ganz so großartigen Beliebtheit beim gemeinen Volk. Er spielt einen Tick zu extrovertiert und hat ein bisschen zu viel Gel im Haar, als dass die Fans ihn richtig lieb haben könnten. Ronaldo gilt als ein Geck, als einer, der den Effekt über die Effektivität stellt und den Erfolg der Mannschaft mit sekundärer Bedeutung straft.

Eine beiderseitige Abhängigkeit

 
 
 
 
 
12
Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden