Ron-Robert Zieler vor erstem Länderspiel

Der Anti-Wiese

Ron-Robert Zieler hat einen steilen Aufstieg hinter sich: In nicht einmal einer Bundesligasaison wurde er vom dritten Torwart in Hannover zum Nationalspieler. Heute debütiert er beim Spiel in der Ukraine zwischen den deutschen Pfosten. Ron-Robert Zieler vor erstem Länderspiel

Man kann nur spekulieren, was Roman Weidenfeller gedacht haben muss, als er das Aufgebot zum Länderspiel am 30. August diesen Jahres gegen Österreich sah. Lautstark und vehement hatte der Dortmunder Meistertorwart in den Vorwochen mediale Eigenwerbung betrieben, erneut wurde ihm ein anderer Kollege vor die Nase gesetzt. Statt seines tauchte der Name Ron-Robert Zieler auf dem Zettel des Bundestrainers auf. Joachim Löw erläuterte auf der folgenden Pressekonferenz banal wie plausibel seine Gründe: »Weidenfeller ist ein guter Torwart, Zieler halten wir für einen besseren.« Mit gerade einmal 27 Bundesligaspielen war der 22-jährige Schlussmann von Hannover 96 also schon weiter als seine weitaus erfahrenere Konkurrenz.

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Ausgebildet beim 1.FC Köln kann Zieler den Lockrufen von Manchester United nicht widerstehen und wechselt mit 16 Jahren in die B-Jugend der Red Devils. Der große Durchbruch gelingt ihm nicht, bei insgesamt sieben Torhütern, die sich um drei Plätze im Profikader balgen, reicht es für den Deutschen nur für die Reservemannschaft. Sein damaliger Coach Alex Ferguson attestiert ihm dennoch ein großes Talent. Wenn er heute auf Zieler angesprochen wird, verweist er auf Verletzungen, die ihm immer wieder eine Chance in der ersten Mannschaft verwehrten. So wechselt der gebürtige Kölner nach Hannover, wo er als dritter Torwart in die Saison 2010/2011 geht. Doch bereits in der Winterpause wird er zu unangefochtenen Stammkraft. Dabei hat er das Glück, mit Mirko Slomka einen Trainer hinter sich zu haben, der schon während seiner Zeit auf Schalke ohne große Not den Mut zum Torhüterwechsel hatte. Nutznießer war damals ein gewisser Manuel Neuer, der sich mittlerweile zu einem der besten Schlussmänner der Welt entwickelt hat. Auch bei Zieler zahlt sich Slomkas Wagemut aus. Der Hannoveraner ist statistisch gesehen der beste Schlussmann der vergangenen Bundesligarückrunde und maßgeblich daran beteiligt, dass die Niedersachsen in dieser Spielzeit endlich einmal wieder internationales Parkett betreten dürfen.

Auch vom Spielertyp sind durchaus Parallelen zur deutschen Nummer 1 zu erkennen. Marcel Schäfer, Experte des Internetportals Torwart.de, findet einen Vergleich angemessen: »Zieler ist ein komplett ausgebildeter, moderner Torwart im Stile von Manuel Neuer. Er ist nicht nur stark auf der Linie und in der Strafraumbeherrschung, sondern durch seine fußballerischen Fähigkeiten fast schon ein Libero hinter der Abwehr, der ständig in Bewegung ist.« Eine Aussage, die Mirko Slomka Freudentränen in die Augen treiben dürfte und sich darüber hinaus durch eine beeindruckende Statistik des ZDF untermauern lässt. In der Partie gegen Nürnberg am 2. Spieltag etwa lief Zieler beispielsweise 5,4 Kilometer, von seinen 42 Ballkontakten waren gerade einmal fünf abgewehrte Torschüsse. Den Rest erledigte er per Fuß. Ein überdurchschnittlicher Wert.

Trapp, Baumann, ter Stegen – Die Konkurrenz ist groß

Andreas Köpke betonte dieser Tage die glückliche Ausnahmesituation, so viele gut ausgebildete Torhüter in der Bundesliga zu haben. Bei einem Überangebot aus Kevin Trapp, Oliver Baumann und nicht zuletzt Marc-André ter Stegen muss die Frage erlaubt sein, was Zieler von seiner Konkurrenz abhebt. Schäfer erklärt:»Es ist seine körperliche Statur, auch wenn der Unterschied gering ist.« Durch seine unspektakuläre, ruhige und besonnene Spielweise steht Zieler aber nicht nur stellvertretend für eine neue Generation von modernen Torhütern, er bildet auch die Anti-These zu Tim Wiese, der derzeitigen Nummer 2 im deutschen Tor.

Während Wiese auch abseits des Platzes gerne die Muskeln spielen lässt, ist Zieler ein beinahe farbloser Vertreter seiner Zunft. Der Bremer Kraftklotz ist jemand, der fußballtechnische Schwächen durch exzellente Reflexe auf der Linie kaschiert – Zieler lässt es gar nicht erst so weit kommen. »Wenn Zieler das Testspiel erfolgreich gestaltet, wird er im Kampf um die Nummer 2 die Nase vorn haben. Von den Anlagen her steht er bei 100 Prozent, Wiese gerade einmal bei achtzig.«, prophezeit Schäfer. Kennt man den von Joachim Löw bevorzugten Torwarttyp, ahnt man bereits, wie sich die Hierarchie im deutschen Gehäuse zukünftig entwickeln wird: An Ron-Robert Zieler führt als Nummer 2 im deutschen Tor eigentlich kein Weg vorbei.

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