Roman Weidenfeller und seine Chance auf die WM

Die Tüpfelchen auf dem Ü

Anders als früher gibt sich Roman Weidenfeller betont brav – Dortmunds Torhüter will seine kleine WM-Chance nicht gefährden.

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Es zählt zu den Paradoxien der Fußballbranche, dass die Lobbyisten aus der Bundesliga mit aller Macht versuchen, die Spieler ihrer Klubs in die Nationalmannschaft zu singen – und dieselben Lobbyisten dann, wenn sie erfolgreich waren, die Belastung ihrer Spieler durch die Nationalmannschaft beklagen. Bei Roman Weidenfeller ist das erst einmal nicht zu erwarten, obwohl sein Klub Borussia Dortmund zuletzt als überaus weinerlich aufgefallen ist. Der Torhüter wird bei den beiden anstehenden Länderspielen definitiv nicht über Gebühr beansprucht. Am Freitag gegen Italien soll Manuel Neuer im Tor stehen, und was vier Tage später in Wembley passiert, ist noch offen.

Vielleicht spielt Weidenfeller gegen England; vielleicht muss er sich mit René Adler abwechseln; vielleicht kommt er gar nicht zum Einsatz – falls seine Einladung vor allem dem Zweck dient, seine Sozialverträglichkeit zu überprüfen.

Was soll das?

Der Dortmunder ist sich dessen durchaus bewusst. Bei seinem ersten Auftritt im Kreis des Nationalteams bemüht Weidenfeller lieber eine Floskel zu viel, als ein falsches Wort von sich zu geben. Er freue sich, die Luft bei der Nationalmannschaft zu atmen und sei offen für alles – was auch die Reservistenrolle einschließt. Schon die Nominierung hat Weidenfeller als I-Tüpfelchen auf seine Karriere empfunden. Was wäre dann erst das Länderspieldebüt? Zwei Tüpfelchen auf dem Ü?

Sollte Weidenfeller am Dienstag in London spielen, wäre er mit 33 Jahren bei seinem Debüt der älteste Nationaltorhüter der deutschen Fußballgeschichte. Das wirft einige Fragen auf: Was soll das? Und warum ausgerechnet jetzt, nachdem Bundestrainer Joachim Löw den Dortmunder jahrelang beharrlich ignoriert hat? Gibt es nicht genügend andere gute, vor allem jüngere Torhüter?

»Sollte ich mir einfach die Haare schneiden

Löws Sinneswandel mutet in der Tat seltsam an – zumal Weidenfeller nicht immer so besenreine Kommentare abgegeben hat wie gestern bei der Pressekonferenz der Nationalmannschaft. Fast schon legendär ist seine Aussage zu seinen Chancen bei Löw: »Vielleicht sollte ich mir einfach die Haare schneiden. Oder etwas zierlicher werden.«

Weidenfeller trägt seine Haare jetzt streng zurückgegelt; zierlicher ist, wenn man so will, zumindest sein Torwartspiel geworden, nicht mehr so kraftmeiernd, wie er es in Kaiserslautern bei Gerald Ehrmann gelernt hat. »Jeder sieht, dass Roman sein Torwartspiel umgestellt hat«, sagt Andreas Köpke, der Torwarttrainer der Nationalmannschaft. Zudem spiele Weidenfeller jetzt schon »lange Zeit auf ganz hohem Niveau«. Seine Nominierung sei nur die logische Konsequenz gewesen.

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